Von:

"German Media Watch"

An:

info@3sat.de

Betreff:

"Offene Wunde Palästina"

CC:

Redaktionsleitung@nicht-mit-uns.com

Datum:

Fri, 08 Jul 2005 22:09:57 +0200

Dr. Igor Herrmann
- Leitung der Redaktion 3sat -
Otto-Schott-Straße 13
55127 Mainz

Sehr geehrter Herr Dr. Herrmann,

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Warum gerade jetzt? Diese Frage müssen wir angesichts der wiederholten Ausstrahlung des Filmes „Offene Wunde Palästina“ am 4. Juli 05 stellen. Bereits nach der Erstausstrahlung durch den WDR am 8. Oktober 2004 gab es scharfe Proteste betreffs der totalen Einseitigkeit und vor allem wegen der von Frau Annette von Wangenheim bewusst betriebenen Geschichtsfälschung. Diese historisch falsche Darstellung des Nahost-Konflikts lässt das Bild des „bösen, raffgierige, Juden“ wieder erwachen und nährt dies zusätzlich, indem Frau von Wangenheim dem Zuschauer entscheidende Fakten vorenthält und verfälschende Bilder liefert.

 

Durch die kritiklose Sendung und die Beschreibung zum Film auf Ihrer Website beteiligten Sie sich leider auch an dieser Manipulation der Zuschauer.

Bereits der erste Abschnitt ist eine Falschdarstellung der Historie (Zitat):

 

„Palästinenser bilden weltweit die größte Gruppe politischer Flüchtlinge. Mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 verloren sie alles: ihren Besitz, ihre Heimat und ihre nationale Identität.“

 

Nicht die Gründung des Staates Israel führte dazu, dass die Araber flohen. Die Befolgung des Aufrufs des Groß-Muftis und der arabischen Führer, das Land zu verlassen und der massive Vernichtungskrieg gegen die Juden 1948 sind der Grund, dass diese Araber zu Flüchtlingen wurden.

In der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel heißt es eindeutig:

Wir wenden uns - selbst inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind - an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufrufe, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen.

Aber darüber verliert man kein Wort – nicht im Film und nicht auf Ihrer Page.

 

Noch ein letztes: Warum spricht man eigentlich immer wieder von Palästina? Palästina ist die frühere Bezeichnung eines Gebietes, das nach dem 1. Weltkrieg zum britischen Mandatsgebiet wurde.  Bis zur entgültigen Teilung durch die UN gab es also palästinensische Araber und palästinensische Juden. 1922 trennten die Briten 77% von Palästina ab, nannten es Transjordanien und gaben es einem kriegerischen Emir, wodurch eine autonome Region für palästinensische Araber geschaffen wurde – seit 1950 Jordanien. Somit existierte doch noch vor dem Staat Israel ein Palästinenserstaat. Palästina zerfiel somit in Jordanien und Israel und ist seitdem nur noch eine historische Bezeichnung. Warum benutzt man diese immer wieder? Kein normalsinniger EU-Bürger würde sich als Bewohner des römischen Reiches bezeichnen!

 

Aus einer vielleicht sogar anfangs gutgemeinten Dokumentation wird pure Propaganda und sich an dieser zu beteiligen, ist eines Senders, den wir mitfinanzieren, nicht würdig.

 

Mit freundlichen Grüßen um Stellungnahme bittend,

 

Markus Vallen und Kerstin Heimbold

German Media Watch

- Redaktionsleitung –

 

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