Sehr geehrter Herr Steiniger,
Sehr geehrter Herr Pirker,
Stellen wir uns einmal
folgendes Szenario vor:
Ministerpräsident Olmert sitzt
gemütlich in seinem Chefsessel und bekommt von seinem Sekretär einen Zettel
gereicht. Das Gesicht des Präsidenten leuchtet auf. Schnell läutet der nach
seinem Sekretär: „Der Verteidigungsminister muss sofort in mein Büro, schnell,
schnell!“ Der Sekretär eilt aus dem Büro und es dauert nicht lange bis eine
schwarze Limousine vorfährt. Peretz eilt im Laufschritt ins Büro des
Präsidenten, der diesen bereits erwartet. Seine Augen strahlen, als er dem
Verteidigungsminister den Zettel herüber schiebt. Er atmet noch einmal tief
durch: „Endlich, endlich öffnet sich uns der Libanon! Jetzt können wir endlich
wieder rein, nachdem der Abzug vor einigen Jahren eher demütigend war! Wir
zeigen denen, wo der Hammer hängt, denn WIR sind die Regenten der Welt!“
Herr Peretz wird sofort damit
beauftragt, einen Angriffsplan zu erarbeiten und eine Einheit
zusammenzustellen, was dieser voller Freude tut.
So oder so ähnlich muss es sich
Ihrer Meinung nach zugetragen haben, wenn man den Artikel „Fauler Frieden“ http://www.jungewelt.de/2007/08-14/066.php
liest.
Sorry, aber solch ein Gedanke
ist doch hirnrissig! Wie viele Katjuschas sind bereits seitens des Libanon auf israelisches
Staatsgebiet niedergegangen? Die libanesische Regierung ist lange genug
aufgefordert worden, gegen die Hisbollah vorzugehen. Der den Libanonkrieg
ausgelöste Überfall durch von dieser Regierung unterstützte Terroristen durfte
nicht mehr toleriert werden. Es ist schon müßig zu überlegen, wie Deutschland
wohl reagiert haben würde, wenn seitens Polen oder Tschechien Extremisten auf
deutsches Staatsterritorium vorgedrungen wären, eine Grenz-Patrouille
überfallen, Polizisten ermorden und 2 verschleppen? Frau Merkel würde sicher
keine Dankesbriefe an die dortigen Regierungen verschicken!
Statt auf die wahren
Hintergründe einzugehen - Pflicht eines jeden guten Journalisten - gebrauchen
Sie Phrasen, die schon an Volksverhetzung grenzen:
„Es war ein von Israel in enger
Kooperation mit den USA seit langem geplanter Krieg. Mit ihm sollte dem Washingtoner
Konzept des »Greater Middle East«, dem im Irak kein Erfolg beschieden war, doch
noch zum Durchbruch verholfen werden. Israels Führung hatte es sich zur Aufgabe
gemacht, mit der Hisbollah einen der wichtigsten arabischen Widerstandsfaktoren
gegen die imperialistische Nahostbefriedung auszuschalten und so eine
Umgruppierung der libanesischen Kräfte zugunsten des prowestlichen Lagers zu
erzwingen. Was den US-Planern eines friedlichen Umsturzes mißlungen war, sollte
Israel mit brutaler militärischer Gewalt herbeiführen: die Unterwerfung des
Libanon unter die strategischen Vorgaben des Westens.“
Weiter heißt es:
„Die dem Zedernstaat auferlegte
»Friedensordnung« ist nicht auf die Beseitigung der Kriegsursache gerichtet,
sondern auf die Entwaffnung und politische Isolierung der die Aggression
bekämpfenden Kräfte.“
Das bedeutet doch nichts
anderes als „Jagd die Juden ins Meer!“, denn Sie wissen ganz genau, dass Israel
ohne IDF längst nicht mehr existieren würde. Es wäre doch bereits im
Unabhängigkeits- oder später im Sechstage-Krieg von den arabischen Staaten
überrannt worden.
Sie suggerieren dem Leser, das
Israel Kriegstreiber Numero 1 ist. Er wird in seinem
hintergrundausblendenden Wissen über den Nahostkonflikt bestärkt: Die Israelis
wollen gar keinen Frieden und diese Kriegstreiber verwickeln noch mal die ganze
Welt in einen Krieg. Und Sie erwähnen mit keinem Wort die laut tönenden Worte
von Hamas, Hisbollah und all der anderer islamistischen Terrororganisationen,
die nichts anderes sagen als den Wunsch nach Großpalästina. Und das ist die eigentliche
Kriegsursache.
Gestatten Sie uns noch eine
Anmerkung:
Im Text bezeichnen Sie die
Hisbollah als „einen der wichtigsten arabischen Widerstandsfaktoren“.
Im großen Brockhaus fanden wir
unter der Bezeichnung „Widerstandskämpfer“ folgende Erläuterung:
Partisan der,
Freischärler, Widerstandskämpfer, der außerhalb der regulären Streitkräfte gegen
den eingedrungenen Kriegsgegner kämpft. (→Guerilla)
Bezugnehmend auf die vielen Raketenangriffe
auf Israel durch die Hisbollah, können wir diesen Gedankengang absolut nicht
nachvollziehen.
Wenn wir uns die
Lebensgeschichten der vielen Widerstandskämpfer aus den verschiedensten Ländern
und Kulturkreisen näher ansehen, so entdecken wir bei aller Unterschiedlichkeit
immer wieder die eine Gemeinsamkeit: ihre Aktivitäten richten sich immer
gegen den bewaffneten Gegner, nicht aber gegen wehrlose Zivilpersonen.
Es kommt wohl niemand ernstlich
auf den Gedanken die Geschwister Scholl, Johann Georg Elser, Claus Schenk Graf
von Stauffenberg, Pfarrer Bonhoeffer und viele andere als Terroristen zu
bezeichnen. Diese Parallele schaffen Sie aber, wenn Sie Führer von
Terrororganisationen leichtfertig als Widerstandskämpfer bezeichnen. Sie setzen
Terroristen, die nichts anderes im Sinn haben, als soviel Ungläubige wie nur
möglich in den Tod zu schicken, mit Menschen gleich, die gegen ein Regime in
Wort und Tat auftraten und dabei ihr Leben verloren und schänden dabei deren
Ansehen und Namen.
In der minimalen
Hoffnung, das unser Brief ein wenig zum Nachdenken anregt
German Media Watch
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