Datum:

Thu, 16 Aug 2007 09:01:51 +0200 (CEST)

Von:

"GERMAN MEDIA WATCH"

Betreff:

„Fauler Frieden“

An:

pst@jungewelt.de

Sehr geehrter Herr Steiniger,

Sehr geehrter Herr Pirker,

 

Stellen wir uns einmal folgendes Szenario vor:

 

Ministerpräsident Olmert sitzt gemütlich in seinem Chefsessel und bekommt von seinem Sekretär einen Zettel gereicht. Das Gesicht des Präsidenten leuchtet auf. Schnell läutet der nach seinem Sekretär: „Der Verteidigungsminister muss sofort in mein Büro, schnell, schnell!“ Der Sekretär eilt aus dem Büro und es dauert nicht lange bis eine schwarze Limousine vorfährt. Peretz eilt im Laufschritt ins Büro des Präsidenten, der diesen bereits erwartet. Seine Augen strahlen, als er dem Verteidigungsminister den Zettel herüber schiebt. Er atmet noch einmal tief durch: „Endlich, endlich öffnet sich uns der Libanon! Jetzt können wir endlich wieder rein, nachdem der Abzug vor einigen Jahren eher demütigend war! Wir zeigen denen, wo der Hammer hängt, denn WIR sind die Regenten der Welt!“

Herr Peretz wird sofort damit beauftragt, einen Angriffsplan zu erarbeiten und eine Einheit zusammenzustellen, was dieser voller Freude tut.

 

So oder so ähnlich muss es sich Ihrer Meinung nach zugetragen haben, wenn man den Artikel „Fauler Frieden“ http://www.jungewelt.de/2007/08-14/066.php liest.

 

Sorry, aber solch ein Gedanke ist doch hirnrissig! Wie viele Katjuschas sind bereits seitens des Libanon auf israelisches Staatsgebiet niedergegangen? Die libanesische Regierung ist lange genug aufgefordert worden, gegen die Hisbollah vorzugehen. Der den Libanonkrieg ausgelöste Überfall durch von dieser Regierung unterstützte Terroristen durfte nicht mehr toleriert werden. Es ist schon müßig zu überlegen, wie Deutschland wohl reagiert haben würde, wenn seitens Polen oder Tschechien Extremisten auf deutsches Staatsterritorium vorgedrungen wären, eine Grenz-Patrouille überfallen, Polizisten ermorden und 2 verschleppen? Frau Merkel würde sicher keine Dankesbriefe an die dortigen Regierungen verschicken!

 

Statt auf die wahren Hintergründe einzugehen - Pflicht eines jeden guten Journalisten - gebrauchen Sie Phrasen, die schon an Volksverhetzung grenzen:

 

„Es war ein von Israel in enger Kooperation mit den USA seit langem geplanter Krieg. Mit ihm sollte dem Wa­shingtoner Konzept des »Greater Middle East«, dem im Irak kein Erfolg beschieden war, doch noch zum Durchbruch verholfen werden. Israels Führung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit der Hisbollah einen der wichtigsten arabischen Widerstandsfaktoren gegen die imperialistische Nahostbefriedung auszuschalten und so eine Umgruppierung der libanesischen Kräfte zugunsten des prowestlichen Lagers zu erzwingen. Was den US-Planern eines friedlichen Umsturzes mißlungen war, sollte Israel mit brutaler militärischer Gewalt herbeiführen: die Unterwerfung des Libanon unter die strategischen Vorgaben des Westens.“

 

Weiter heißt es:

 

„Die dem Zedernstaat auferlegte »Friedensordnung« ist nicht auf die Beseitigung der Kriegsursache gerichtet, sondern auf die Entwaffnung und politische Isolierung der die Aggression bekämpfenden Kräfte.“ 

 

Das bedeutet doch nichts anderes als „Jagd die Juden ins Meer!“, denn Sie wissen ganz genau, dass Israel ohne IDF längst nicht mehr existieren würde. Es wäre doch bereits im Unabhängigkeits- oder später im Sechstage-Krieg von den arabischen Staaten überrannt worden.

 

Sie suggerieren dem Leser, das Israel Kriegstreiber Numero 1 ist.  Er wird in seinem hintergrundausblendenden Wissen über den Nahostkonflikt bestärkt: Die Israelis wollen gar keinen Frieden und diese Kriegstreiber verwickeln noch mal die ganze Welt in einen Krieg. Und Sie erwähnen mit keinem Wort die laut tönenden Worte von Hamas, Hisbollah und all der anderer islamistischen Terrororganisationen, die nichts anderes sagen als den Wunsch nach Großpalästina. Und das ist die eigentliche Kriegsursache.

 

Gestatten Sie uns noch eine Anmerkung:

Im Text bezeichnen Sie die Hisbollah als „einen der wichtigsten arabischen Widerstandsfaktoren“. 

 

Im großen Brockhaus fanden wir unter der Bezeichnung „Widerstandskämpfer“ folgende Erläuterung:

 

Partisan der, Freischärler, Widerstandskämpfer, der außerhalb der regulären Streitkräfte gegen den eingedrungenen Kriegsgegner kämpft. (→Guerilla)

 

Bezugnehmend auf die vielen Raketenangriffe auf Israel durch die Hisbollah, können wir diesen Gedankengang absolut nicht nachvollziehen.

 

Wenn wir uns die Lebensgeschichten der vielen Widerstandskämpfer aus den verschiedensten Ländern und Kulturkreisen näher ansehen, so entdecken wir bei aller Unterschiedlichkeit immer wieder die eine Gemeinsamkeit: ihre Aktivitäten richten sich immer gegen den bewaffneten Gegner, nicht aber gegen wehrlose Zivilpersonen.

 

Es kommt wohl niemand ernstlich auf den Gedanken die Geschwister Scholl, Johann Georg Elser, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Pfarrer Bonhoeffer und viele andere als Terroristen zu bezeichnen. Diese Parallele schaffen Sie aber, wenn Sie Führer von Terrororganisationen leichtfertig als Widerstandskämpfer bezeichnen. Sie setzen Terroristen, die nichts anderes im Sinn haben, als soviel Ungläubige wie nur möglich in den Tod zu schicken, mit Menschen gleich, die gegen ein Regime in Wort und Tat auftraten und dabei ihr Leben verloren und schänden dabei deren Ansehen und Namen.

 

 In der minimalen Hoffnung, das unser Brief ein wenig zum Nachdenken anregt

 

German Media Watch

Redaktionsleitung

Redaktionsleitung@nicht-mit-uns.com

 

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