Junge Welt
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28. Oktober 2001

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

der bei Ihnen gestern erschienene Artikel: „Neue Militärhilfe aus USA - Menschenrechtsorganisation legte Bericht zu israelischem Überfall auf palästinensisches Dorf vor“ löste in mir große Befremdung aus.

1.JW:„Obwohl ... Arafat dem israelischen Druck nachgegeben hatte und seither mindestens 43 PFLP-Mitglieder verhaften ließ, setzte Israel seine Armee in Bewegung.“

Jeder weiß doch, dass diesen Festgenommenen kein Haar gekrümmt, bzw. dass diese nie einem Richter vorgeführt werden. Ulrich Sahm (n-tv) erklärte kurz nach dem Mord an Minister Ze’ewi, dass die verhafteten Terroristen nach einigen Tagen wieder freikommen oder nach einer Tasse Kaffee auf der Polizeistation wieder "gehen" konnten und dass Israel genug Gründe hätte, den Worten Arafats keinen Glauben mehr zu schenken.
Außerdem geht es hier um den Mord an einem hochrangigen Politiker. Der bzw. die Mörder gehört/ren vor ein ordentliches israelisches Gericht! Stellen Sie sich einmal vor, was passieren würde, wenn ein österreichischer Bürger einen deutschen Staatsmann in Berlin ermorden würde. Man würde doch alle Hebel in Bewegung setzen, um diesem hier in Deutschland den Prozess machen zu können.

2.JW:„Die israelischen Angaben zu der Militäraktion: neun tote Palästinenser, heftiger palästinensischer Wi-derstand und die palästinensische: fünf Tote, israelisches Massaker an unbewaffneten Zivilisten widersprechen sich erheblich.“

Kurz nach der Militäraktion nahm der israelische Regierungssprecher Raanan Gissin zu den Anschuldigungen, in Beit Rima habe ein „abscheuliches Massaker“ stattgefunden, klar Stellung. Die Armee erschoss sechs Palästinenser, nicht neun.

Die von Ihnen gemachten bzw. ohne Prüfung übernommenen Angaben widersprechen sich wahrlich erheblich!


3.JW:„Von den acht Verkehrspolizisten am dortigen Posten schliefen zwei, die beide ohne Gegenwehr erschossen wurden.“

Was soll wohl ein 1000 Einwohner zählendes Dorf mit acht Verkehrpolizisten! So viele Verkehrssünder kann es dort wohl nicht geben, dass man gleich acht Verkehrspolizisten einsetzen muss. Sie haben den Bericht von Al Haq einfach übernommen, ohne diesen zu prüfen. Ich habe sehr viele Quellen studiert, fand aber nur in der JW diese Bezeichnung. Fakt ist, dass es sich um Sicherheitskräfte - vor ein paar Jahren hätten wir wohl Vopos dazu gesagt - gehandelt hat und diese waren sicher nicht für die Sicherheit im Straßenverkehr verantwortlich!


4. Zu den Vorwürfen, dass die Sanitätsfahrzeuge erst Stunden später in das Dorf fahren durften nun ein Originaltext aus Israel:
„Gissin said that the PA was not fulfilling its elementary responsibility of fighting terrorism, and that therefore Israel had to do it instead. He implied that two of the wounded terrorists were involved in the murder of Ze'evi. Gissin also countered Arab claims that the IDF prevented medical help from reaching the wounded by saying, "We have seen that Palestinian ambulances generally bring ammunition to the terrorists, not help to the wounded, and so we did not allow them in. However, the army provided its own medical care to the wounded." The IDF also went looking for Arab doctors in the village to help treat a wounded civilian.” (Quelle auf Anfrage)

5.JW:„Ari Fleischer, der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, sagte, Washington dränge Israel, »die Spannungen abzubauen, alle Truppen von den palästinensisch kontrollierten Gebieten abzuziehen und Zurückhaltung zu üben«. Allerdings ist anzunehmen, daß Israel dieser Forderung nicht entspricht, nachdem dem Land von den USA am Donnerstag zusätzliche 1,98 Milliarden US-Dollar Militärhilfe zugesprochen wurden.

Wieso sollte Israel immer wieder Zurückhaltung üben? Jeden Tag müssen wir durch unabhängige Quellen von pal. Angriffen auf israelische Stellungen, Ortschaften, Menschen hören. Wie lange würde wohl Deutschland stillhalten, wenn man ein kl. Grenzdorf von Frankreich her unter Beschuss nehmen würde? Nicht einen Tag!
Mit welchem Recht also erwarten Sie von Israel Zurückhaltung. Trifft diese Forderung nicht auch die USA im Blick auf Afghanistan?

Leider muss ich eine zunehmende antijüdische Haltung vieler Mitbürger feststellen, die nur Informationen aus den allg. Medien erhalten. Die Juden sind an allem selbst schuld.
Daran tragen Sie eine Mitschuld!

Ich habe gehofft, dass Sie nach dem Terror gegen Amerika und auch der neuen Gefahr in Deutschland mehr Verständnis für die tägliche Bedrohung durch Terror in der israelischen Gesellschaft bekommen hätten, denn dort lebt man seit Jahrzehnten in Angst vor wesentlich härteren Anschlägen als sie bei uns auf Flughäfen oder durch Postsendungen stattfinden könnten.

Um Stellungnahme bittend,

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