Ostersonntag 2003

Herrn

Karol Joseph Wojtyla - Papst Johannes Paul II
c/o Apostolische Nuntiatur Berlin

 

 

Betr.: Friedensgebet auf der Homepage des Vatikans

 

per Telefax 030-61624-300

 

 

Sehr geehrter Herr Wojtyla,

als Christen ist es uns nicht möglich, die nicht nur bei Menschen katholischen Glaubens gebräuchliche Anrede "Heiliger Vater" zu verwenden. Jesus gebraucht diese Anrede im Gebet zu Gott und gebietet seinen Jüngern: "Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel".

 

Die heutige Osterbotschaft aller Kirchen weltweit beinhaltet den größten Wunsch der Menschheit; den Wunsch nach Frieden. Dem schließt sich auch der Vatikan auf seiner Homepage an:

http://www.vatican.va/holy_father/special_features/peace/prayer-peace_index_fr.html .

 

Auf dieser Seite ist das Wort Frieden in den vielfältigsten Sprachen abgebildet. Doch ausgerechnet die Sprachen, die unser Heiland kannte und sprach, nämlich Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, fehlen. Da auch die Übersetzung ins Arabische und Russische kein Problem war, kann es sich hier nicht um ein technisches Hindernis handeln. Dies verwundert uns schon sehr, denn bei dem feierlichen „Orbi et urbi“ legen Sie immer großen Wert  darauf, den Menschen auch auf Hebräisch ein frohes und friedvolles Ostern zu wünschen. Der Vatikan hat den Staat Israel 1994 diplomatisch anerkannt. Warum also fehlt das Wort „Schalom“, das auch von hiesigen Christen so oft benutzt wird?

 

Dies trifft auch auf die griechische Übersetzung zu oder hat man im Vatikan immer noch Probleme mit der griechisch-orthodoxen Kirche – wenn ja, dann würde diese stille Feindseligkeit den Friedenswunsch zunichte machen. Wie kann man öffentlich die Weltmächte zum Frieden aufrufen, wenn im Inneren der Kirche Unfrieden herrscht. Dieser Unfriede drückt sich übrigens im tiefsten Grunde im letzten Aufruf, dass ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Evangelikalen nicht in Frage kommt, aus.

 

Was die aramäische Sprache anbelangt, befindet man diese vielleicht als „tot“, aber es gibt nicht nur in Nahost sondern auch in Deutschland eine ganze Menge Menschen, die diese Sprache noch kennen und bei religiösen Zeremonien benutzen.

 

 

Wir bitten Sie sehr, diese Dinge einmal zu bedenken und würden uns über eine baldige Antwort freuen

 

Hochachtungsvoll,

 

 

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