Datum: 06.11.2002

 

 

 

Deutscher Presserat

z.Hd. Herrn Arno H. Weyand

Gerhard-von-Are-Str. 8

 

53111 Bonn

 

 


Junge Welt – Online Veröffentlichungen – Ihr Zeichen Wy/vq E 530/02 vom 23.10.2002

 

Sehr geehrter Herr Weyand,

haben Sie recht herzlichen Dank für Ihr obiges Schreiben. Gestatten Sie mir zunächst den Hinweis, dass ich auch im Namen von Frau Kerstin Heimbold, Am Diakonissenhaus 8, 04451 Borsdorf schreibe. Dieser Sachverhalt ist mit Frau Heimbold abgestimmt. Sollten Sie es wünschen, kann eine eidesstattliche Erklärung nachgereicht werden.

Ihrem Wunsch folgend, werden wir unser Eingangsschreiben vom 20.10.02 spezifizieren.

Folgende Links baten wir zu überprüfen:

http://www.jungewelt.de/2002/10-15/007.php - Scharons strategisches Ziel - 15.10.02

http://www.jungewelt.de/2002/10-09/003.php - Illegale Kämpfer - 09.10.02

http://www.jungewelt.de/2002/03-30/002.php - Rückversetzung - 30.03.02

http://www.jungewelt.de/2002/10-05/004.php - Von Rabin bis Sharon – 5.10.02

In der Anlage übersenden wir Ihnen die monierten Artikel aus der Printausgabe.

 

Nachfolgend gehen wir nochmals explizit auf einzelne Passagen ein:

hiermit möchten wir folgendes anzeigen, mit der Bitte um Prüfung sowie Durchsicht.

Die Junge Welt veröffentlichte folgende Online-Artikel:

http://www.jungewelt.de/2002/10-15/007.php - Scharons strategisches Ziel - 15.10.02

http://www.jungewelt.de/2002/10-09/003.php - Illegale Kämpfer - 09.10.02

http://www.jungewelt.de/2002/03-30/002.php - Rückversetzung - 30.03.02

http://www.jungewelt.de/2002/10-05/004.php - Von Rabin bis Sharon – 5.10.02

 

 

Die weiteren Auflistungen der publizierten Artikel ersparen wir uns an dieser Stelle, da sie von der inhaltlichen Substanz den obigen Artikeln entsprechen.

Selbstverständlich können wir auf Wunsch explizit darauf eingehen.

 

Gestatten Sie uns, aus obigen Artikel einige sehr prägnante Zitate aufzulisten:

 

Scharons strategische Ziele:

 

.... vergleichen die Politik der israelischen Regierungen... dem untergegangenen Apartheidregime und den Bantustans in Südafrika

 

Die von der zionistischen Staatsdoktrin gelenkte Politik insbesondere der derzeitigen rechtsradikalen Scharon-Regierung.......

 

Die Politik der Vertreibung der Palästinenser.....

 

Die massenhafte Vertreibung der Palästinenser von ihrem angestammten Boden fand während des israelischen Unabhängigkeitskrieges (1948-49) einen Höhepunkt

 

(hier wird historisch falsch berichtet)

 

Heute sprechen die rechtsradikalen Elemente in Israel, darunter auch Kabinettsmitglieder der Regierung,.....

 

...muß die derzeitige antisemitische Politik der Kriegstreiber um Ariel Scharon...

 

 

Zu diesem Artikel sei folgendes angemerkt: Wer in der Öffentlichkeit, wissendlich ein demokratisch geführtes und gewähltes Land und dessen Regierung als „Rechtsradikal“ bezeichnet, setzt dieses Land, in vorliegenden Fall Israel, gleich mit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland. 

 

Hinzu kommen falsche, geschichtliche Wiedergaben.

 

 

Illegale Kämpfer:

 

 

Die Besatzersoldaten haben gezielt in die Menge geschossen.....................

 

 

Hier werden Behauptungen aufgestellt, die nicht bewiesen sind. Man darf annehmen, das diese gezielt gestreut werden. Insbesondere ist zu obigen Vorfall in keiner anderen Berichterstattung  in dieser Einseitigkeit und Falschheit Stellung bezogen worden.

 

 

Rückversetzung:

(Israels Kriegserklärung an Arafat)

 

Und Arafat, als die Verkörperung der nationalen Einheit, wird zum Feind ernannt. Eine Kriegserklärung - gerichtet an einen Friedensnobelpreisträger..........

 

 

Dies ist inhaltlich wieder falsch. Israel hat keine Kriegserklärung gesendet, weder gegen Arafat, noch gegen einen anderen Staat.

 

 

Von Rabin bis Sharon:

 

In dieser Berichterstattung wird Israel der Apartheid bezichtigt.

 

 

Abschließend möchten wir erwähnen, das insbesondere die geschichtlichen Darstellungen nicht der Wahrheit entsprechen. Man hat den Eindruck, hier wird wissentlich „Hetze“ betrieben.

 

Die sogenannten „freien Journalisten“ der Jungen Welt sind reichlich tätig auf „pro-palästinensischen“ Publikationen im Internet.

 

 

Weiterhin nehmen wir Bezug auf die von Ihnen ausgesprochene Rüge gegen die Junge Welt aus dem Jahre 1997 (B 140/97).

 

Damals verbreitete die Junge Welt ebenfalls abwertende Äußerungen, verbreitete zudem die Suggestion das die „Nationalsozialisten nicht alle Juden vernichtet hätten“ was wohl bedauert wurde.

 

Die damalige Beschwerde beantwortet der Deutsche Presserat mit einer Rüge.

 

Wir stellen abschließend fest:

 

Die Jungen Welt tritt in aller Öffentlichkeit als „Anti-Israelisch auf“

Aufgrund der vorhandenen Meinungsfreiheit ist dies nicht verwerflich.

 

Allerdings verstoßen insbesondere obige Artikel gegen den Pressekodex, Ziffern 1 – 16.

 

Wir bitten den Presserat, hier entsprechend tätig zu werden.

 

Wir möchten darauf hinweisen, das die Meinung des Deutschen Presserats bei einer eventuellen gerichtlichen Auseinandersetzung „zu Wort“ kommen wird.

 

 

Mit freundlichen Grüßen um Stellungnahme bittend                                     Kopie:

                                                                                                       Frau Heimbold

 

 

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