Aussagen zum Thema „Islamischer Terror in Deutschland“ in Form einer kurzen Zusammenstellung
1. GdP-Chef Freiberg:
Wachsende
Gefahr durch islamistische Terroristen Essen (ddp).
Die Gewerkschaft der Polizei
(GdP) macht eine wachsende Bedrohung durch islamistische Extremisten aus.
Gleichzeitig wirft sie den politischen Parteien vor, nicht alles
Menschenmögliche zu tun, um die Sicherheit zu verbessern. «Da ist nicht genug
Druck drauf. Wir werden erst aufwachen, wenn auch bei uns etwas Schreckliches
passiert ist», sagte GdP-Chef Konrad Freiberg der «Neuen Ruhr/Neuen Rhein
Zeitung» (Donnerstagausgabe). Alle Experten würden mit einem Anschlag auch in
Deutschland rechnen. Die Bedrohung durch Islamisten sei die «größte
innenpolitische Gefahr seit 1945». Die «verniedlichende Art», mit der die
Politik das Thema behandele, mache ihn «fassungslos», empörte sich Freiberg.
Angesichts von rund 200 laufenden Ermittlungsverfahren gegen als radikal
eingestufte Islamisten müsse man sich fragen, wie mit den hier lebenden
gefährlichen Leuten umgegangen werde. Wenn die Gerichte Schlüsselfiguren wie
den Hamburger Islamisten Motassadeq frei ließen und Abschiebung immer öfter
scheitere, müsse sich der Staat anders wappnen: «Ich plädiere in begründeten
Fällen für mobiles Sicherheitsgewahrsam», sagte Freiberg. Konkret gemeint sei damit
die «personalintensive» Beschattung dieser Personen rund um die Uhr.
Zudem müssten für die Betroffenen strenge Meldeauflagen gelten.
Dringend korrekturbedürftig sei die in Deutschland nach einem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichtes fehlende Auflage für Benutzer von Mobiltelefonen mit
Prepaid-Karten, beim Kauf ihre Identität zu offenbaren. Freiberg erinnerte an
die Terror-Anschläge vom 11. März
in Madrid, wo solche Mobiltelefone als Fernzünder dienten und letztlich nur
vorliegende Daten über die Kartenbesitzer zu mutmaßlichen Tätern und
Hintermännern führten.
2. Verfassungsschützer sehen Gefahr durch Islamisten
In
Deutschland gibt es nach Ansicht des Bundesamtes für Verfassungsschutz nach wie
vor Sicherheitsprobleme durch extremistische Gruppierungen von Ausländern. Dies
geht aus dem Verfassungsschutzbericht 2003 hervor, den Bundesinnenminister Otto
Schily in Berlin vorlegte. Im Mittelpunkt der Besorgnis stehen islamistische
Organisationen.
Mitgliederzahlen und Gefahrenpotenzial unvermindert Zwar sei die Anzahl
der aktiven Mitglieder in diesen Gruppen nahezu gleich geblieben. Dies sei aber
kein Anzeichen dafür, dass das Gefährdungspotenzial abgenommen habe,
konstatierten die Verfassungsschützer. Die größte Gefahr gehe von Gruppen aus,
die dem Leitprinzip des Dschihad, des Heiligen Krieges, folgten. In Deutschland
sind dem Bericht zufolge rund 24 islamistischen
Organisationen aktiv, in die im vergangenen Jahr schätzungsweise 30.950
Menschen eingebunden waren. 2002 waren es noch 350 weniger.
Der Wirkungskreis der Organisationen sei allerdings wesentlich größer.
Schily warnte bei der Vorstellung des Berichts, Einrichtungen in der
Bundesrepublik könnten auch Ziel von Anschlägen sein. Als Grund nannte Schily,
dass Deutschland in den Augen von Islamisten zu den Helfern der USA und Israels
zähle und sich zudem in Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus an
vorderster Front engagiere.
Islamistische "Gotteskrieger" kämpfen in Deutschland Bereits seit
längerem verfolgen die Ermittler die Spuren einer deutschen Zelle in einem
Mudschaheddin-Netz, das der militante Islamist Abu Mussab al-Zarqawi vom Nahen
und Mittleren Osten aus führen soll. Mitglieder der islamistischen Zelle sollen
2002 antijüdische Terroranschläge in Berlin und Düsseldorf geplant haben.
Wegen der Attentatspläne wurde der Jordanier Shadi Abdallah bereits verurteilt;
vier weitere Beschuldigte stehen derzeit vor Gericht.
Zarqawi spielt nach Erkenntnissen von Behörden auch eine zentrale Rolle in der
radikalislamischen Gruppe Ansar el Islam. Diese islamistische kurdische Gruppe
wurde laut Verfassungsschutz im vergangenen Jahr von
"Personenzusammenhängen" in Deutschland
zumindest logistisch unterstützt.
Die aus dem Nahen Osten stammende Islamistenorganisation Hamas zählt laut
Verfassungsschutz in Deutschland rund 300 Anhänger, die nicht in eine feste
Organisationsstruktur eingebunden sind. Die libanesische Hisbollah-Miliz
verfüge unverändert über rund 800 Sympathisanten, deren Aktivitäten im
vergangenen Jahr weiter nachgelassen haben.
Auf ebenfalls rund 800 Anhänger beziffern die Verfassungsschützer die
Gefolgschaft des Kalifenstaats, der bis zu seinem Verbot Ende 2001 von dem
selbsternannten Kalifen von Köln, Metin Kaplan, angeführt wurde. Nach
Erkenntnissen des Geheimdienstes versuchten Ex-Mitglieder ungeachtet des
Verbots, die organisatorischen Zusammenhänge der
Organisation aufrecht zu erhalten.
Quelle: www.tagesschau.de
Stand: 17.05.2004 22:36 Uhr
3. Die Polizei kam zu spät: Kaplans Wohnung in diesem Haus
in Köln war leer (AP)
"Nicht genug aufgepasst"
Nach Kaplans Abtauchen Kritik an Überwachungspraxis Die Suche nach dem
verschwundenen Islamistenführer Metin Kaplan ist am Donnerstag zunächst
ergebnislos geblieben. Zugleich übten Politiker deutliche Kritik an der
Überwachungspraxis der Behörden in
Nordrhein-Westfalen. Bayerns Inneninister Günther Beckstein (CSU) äußerte sich
erstaunt, dass der Aufenthaltsort Kaplans nach der gerichtlichen Aufhebung des
Abschiebstopps am Mittwoch unbekannt gewesen sei. Er sei davon ausgegangen,
dass die Behörden Kaplan "an enger Leine führen und überwachen". Auch
der SPD-Innenpolitiker
Dieter Wiefelspütz sprach von einem "peinlichen Vorfall". Zugleich
griff die NRW-Opposition Innenminister Fritz Behrens (SPD) scharf an.
Ermittlungen in den Niederlanden?
Die Polizei in Köln besaß bei der Suche nach Kaplan offenbar zunächst weiter
keine heiße Spur. Die am Mittwoch eingeleitete Fahndung laufe unverändert
weiter, sagte ein Polizeisprecher. Einzelheiten zur Zahl der eingesetzten
Beamten und zu durchsuchten Objekten wollte er allerdings "aus
ermittlungstaktischen Gründen" nicht nennen.
Unklar blieb zunächst auch, ob die Niederlande in die Ermittlungen einbezogen
wurden. Spekulationen zufolge könnte sich Kaplan in das Nachbarland abgesetzt
haben. Aus den Niederlanden wurde nach früheren Angaben des Düsseldorfer
Innenministeriums auch nach dem Verbot von Kaplans "Kalifatsstaat" in
Deutschland eine Wochenzeitschrift des
Verbandes versandt.
Beckstein: Verwundert, dass Behörden überrascht sind Polizei und Ordnungskräfte
der Ausländerbehörde hatten Kaplan am Mittwochabend in Abschiebehaft nehmen
wollen, den 51-Jährigen aber nicht in seiner Wohnung in Köln angetroffen. Kurz
zuvor hatte das
Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster eine Abschiebung des islamistischen
Extremisten in die Türkei für zulässig erklärt.
Beckstein gab sich im ZDF-Morgenmagzin mit Blick auf Kaplans Verschwinden
"etwas verwundert, dass die Behörden überrascht sind". "Dass
Kaplan ein Mann ist, der gefährlich ist und deshalb einer Überwachung dringend
bedürftig wäre, ist schon meine Überzeugung." Beckstein kündigte ein
Gespräch zu den Vorgängen in der Innenministerkonferenz an.
Top-gefährlicher Islamist Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU)
sagte am einer Sitzung Unionsfraktion in Berlin: "Wir müssen wissen, dass
Herr Kaplan zu den top-gefährlichen Islamisten in Deutschland gehört, und wir
hätten ihn eigentlich rund um die Uhr im Auge behalten müssen."
Bosbach betonte zugleich, er wolle "jetzt nicht aus der Hüfte heraus
jemandem Vorwürfe machen, aber offensichtlich haben wir nicht genug
aufgepasst".
Auch Wiefelspütz reagierte im Inforadio des RBB mit Unverständnis auf das
Verhalten der Behörden. "Jetzt kommt endlich mal ein gutes Urteil - das
Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster ist ein insgesamt auch ordentlich
begründetes Urteil - und jetzt ist der Mann verschwunden." Nun sei nur zu
hoffen, dass die Polizei Kaplan möglichst schnell findet.
"Wo hat der Sicherheitsapparat versagt?" CDU und FDP im Düsseldorfer
Landtag forderten Aufklärung von Behrens.
Kaplans Abtauchen sei eine "schwere Ermittlungspanne" und eine
"schwere Blamage für den Innenminister", erklärte der innenpolitische
Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse. "Es muss geklärt werden, an
welchen Stellen der Sicherheitsapparat versagt hat."
Kaplan habe angeblich unter ständiger Überwachung gestanden. "Das war
offenkundig nicht sichergestellt." Auch der Düsseldorfer FDP-Innenexperte
Horst Engel betonte, Behrens werde "sehr genau erklären müssen, weshalb
der Mann trotzdem untertauchen konnte".
Quelle: www.n24.de
, AFP
Stand: 27. Mai 2004
4. Gefahr erkannt, aber nicht gebannt
Terror: In Hamburg leben 200 gewaltbereite
Islamisten - doch sie können nicht ausgewiesen werden.
Von Maike Röttger
Unter Terrorverdacht, aber frei: Abdelghani Mzoudi.
Hamburg - Abdelghani Mzoudi ist frei, Mounir El Motassadeq aus der
Untersuchungshaft entlassen, Abderrazak M. sitzt nur, weil es einen Haftbefehl
aus Italien gegen ihn gibt - drei Terrorverdächtige allein aus Hamburg, bei
denen die deutschen Gesetze nicht für Inhaftierung oder Ausweisung greifen.
Deutschlandweit hat die Bundesanwaltschaft 100 Terrorverdächtige im Visier.
Der stellvertretende Leiter der Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murck,
warnt gegenüber dem Abendblatt: "Es kann passieren, dass irgendwann ein
Anschlag geschieht und wir die Attentäter kannten. Nur hindern konnten wir sie
nicht." Das Problem der
Ermittler ist, dass sich die terrorverdächtigen Islamisten äußerst konspirativ
verhalten und sie ihnen nichts konkret nachweisen können, obwohl sie viele
Anhaltspunkte für deren Gefährlichkeit haben.
Murck sieht "bedenkenswerte Lücken" im deutschen Recht. Damit
vertritt er die gleichen Positionen wie Bayerns Innenminister Günter Beckstein
(CSU), der Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) mit immer neuen Forderungen
nach Gesetzesverschärfungen attackiert. Inzwischen meint auch Schily, dass der
Aufenthalt in einem Al-Kaida-Lager ein Ausweisungsgrund sein muss. Bei den
Verhandlungen zum Zuwanderungsgesetz debattieren jetzt die Parteien darüber.
In Hamburg leben nach Verfassungsschutz-Erkenntnissen etwa 200 gewaltbereite
Islamisten, von denen zehn als brandgefährlich gelten.
Aus Bayern meldet Beckstein 5500 islamistische Extremisten, von denen 500 als
gewaltbereit gelten, 50 sollen direkte Verbindungen zum terroristischen
Netzwerk haben. In Schleswig-Holstein leben zehn mit diesen Kontakten. Nach
Becksteins Meinung sollten bis zu 2000 Islamisten ausgewiesen werden.
Etliche dieser Islamisten sind in den Ausbildungslagern in Afghanistan gewesen,
ein Dutzend etwa, so schätzt der Bundesnachrichtendienst, hat sich als
Terrorkämpfer in den Irak auf den Weg gemacht. Doch ausrichten kann man gegen
sie in Deutschland wenig. "Man kann ghanaische Kinder abschieben, weil sie
irgendwann vergessen haben, ein Formular auszufüllen", sagt Murck
sarkastisch. "Gewaltbereite Islamisten aber kann man nicht
abschieben."
Zwar gibt es nach dem Ausländergesetz die Möglichkeit, einen Ausländer
auszuweisen, "wenn sein Aufenthalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung
oder sonstige erhebliche Interessen der Bundesrepublik Deutschland
beeinträchtigt". Doch nach seinem Wissen
habe dies bisher noch zu keiner Ausweisung geführt, sagt Murck. Die Hürden
liegen seiner Meinung nach zu hoch: "Wenn sie mit einer Deutschen
verheiratet sind, gibt es kaum eine Chance."
So war es bei dem Algerier Abderrazak M., der 1991 als Asylbewerber abgelehnt
wurde und 1999 eine Deutsche heiratete. Als potenzieller Attentäter vom
Verfassungsschutz eingeschätzt, lebte er relativ unbehelligt in Hamburg, bis er
im Dezember auf Grund eines
italienischen Haftbefehls festgenommen wurde.
Erst als die Amerikaner zum Zug kamen, konnte der Syrer Mohammed Haydar Zammar
verhaftet werden. Er gilt als Mentor der Hamburger Zelle um den Todespiloten
Mohammed Atta und besitzt einen deutschen Pass. Als er im November 2001
Richtung Marokko ausreiste, griffen die Amerikaner zu. Seitdem ist Zammar
vermutlich in Syrien in Haft. Auch
für die Festnahme des aus Polen nach Duisburg übergesiedelten Islamisten
Christian G. mussten die Franzosen einspringen. G. wird mit dem Anschlag auf
der tunesischen Urlaubsinsel Djerba in Verbindung gebracht, bei dem 14 Deutsche
starben.
Murck fürchtet, dass die notwendigen Veränderungen erst passieren, wenn es in
Deutschland einen Anschlag gibt. "Doch dann", sagt er, "ist es
zu spät."
Diese Vorstellung ist es, die nun auch bei der SPD zu einem Umdenken führt, wie
Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), Vorsitzende des Innenausschusses des
Bundestages, sagt. Sie warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen von
Ausweisungserleichterungen. "Selbst wenn es eine Ausweisung gibt, ist noch
nicht klar, ob auch abgeschoben werden kann", sagte sie dem Abendblatt.
Deutschland ist an internationale Verträge wie die UNO-Menschenrechtskonvention
gebunden. Das heißt:
Droht dem Ausgewiesenen im Heimatland Folter, kann
er nicht dorthin abgeschoben werden. Daran, so Sonntag-Wolgast, werde die SPD
auch festhalten.
Für den Fall, dass nicht abgeschoben werden kann, denkt man deswegen - wie
bereits in anderen EU-Ländern möglich - über mehrmonatige Haft für den
Verdächtigen nach.
erschienen am 14. April 2004 in Politik (Hamburger
Abendblatt)
5. Darf man den Islam noch kritisieren?
Wächter
des Islam überziehen Kritiker mit Kampagnen und bedrohen die Pressefreiheit
Den
meisten Zeitungen war diese Meldung Anfang Mai nur wenige Zeilen wert: Ein
Buch, das sich kritisch mit Islamisten in Deutschland auseinandersetzt, durfte
nach Klagen islamischer Vereine und Personen nicht mehr verkauft werden. Das
ist kein Einzelfall. Die
Einschüchterung von Kritikern des Islam hat mittlerweile Methode.
Dieses Buch wird bald ein Sammlerobjekt sein. „Der Krieg in unseren Städten",
erschienen im Frankfurter Eichborn-Verlag und geschrieben vom Redakteur der
„Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Udo Ulfkotte, darf seit vergangener
Woche nicht mehr ausgeliefert werden. Es beschreibt, wie islamistische
Extremisten Deutschland unterwandern.
Nach außen tarnen sie sich als wohltätige Spendensammler, predigen religiöse
Toleranz und den Dialog der Weltreligionen. Tatsächlich – so Ulfkotte – sind
sie eine gut getarnte Untergrundarmee, die sich zum Angriff auf den Rechtsstaat
rüstet mit dem Ziel, einen
islamischen Gottesstaat zu errichten. Die Verbindungen reichten zu
gewalttätigen und terroristischen Organisationen wie der ägyptischen
Muslimbruderschaft, zu Hamas und Hisbollah, Al Qaida und den Attentätern von
New York, Washington und Djerba. Diese Darstellung gefiel zahlreichen
islamischen Vereinen, Organisationen, Firmen und Privatpersonen nicht. Sie
überzogen Autor und Verlag mit Klagen.
Zunächst erreichten sie mit einer Einstweiligen Verfügung das Verbot einer
Neuauflage. Nun wurde auf Antrag der Islamischen Förderation in Berlin auch der
Vertrieb der bereits gedruckten Exemplare untersagt.
Gegenwehr „zwecklos"
Obwohl
das Buch in der Öffentlichkeit kaum erwähnt wurde, verkaufte es sich bis zu
seinem Verbot mehr als 25.000-mal und schaffte es auf Platz 13 der
Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Dennoch hat Autor Ulfkotte die Waffen
gestreckt. Der gesundheitlich schwer
angeschlagene junge Mann, der sich zur Zeit in einer Klinik im Ausland aufhält,
will sich gegen die in ganz Deutschland eingereichten Klagen nicht zur Wehr
setzen. „Selbst wenn ich alle Verfahren gewinnen würde, müsste ich jahrelang
prozessieren", sagt Ulfkotte, der nach mehreren Morddrohungen inzwischen
unter Personenschutz steht. Auch Eichborn-Verleger Peter Wilfert verzweifelt
angesichts der Prozesslawine, die aus Hamburg, München, Berlin und Köln auf ihn
zurollt. Der finanzielle Kraftakt sei für den mittelständischen Verlag nur
schwer zu bewältigen. „Unter Zuhilfenahme erlaubter Mittel wird systematisch
finanzieller Druck aufgebaut, um missliebige Berichte zu zensieren", sagt
Wilfert. Schon
in früheren Fällen wurden Journalisten, die im Umfeld islamistischer
Organisationen recherchierten, mit Unterlassungsklagen überzogen. So muss sich
die Berliner Journalistin Claudia Dantschke seit mehr als einem Jahr den Klagen
von islamischen Vereinen und Privatpersonen erwehren. Mit zwei Kollegen hatte
sie in der Broschüre „Politik im Namen Allahs" deren Verbindungen zur
islamistischen Gemeinschaft Milli Görüs offengelegt.
„Schlaft weiter!"
Ulfkotte warnt vor einer naiven Verbrüderung mit Islamisten: „Mein Buch stört
das Gespräch zwischen Muslimen und Christen. Aber nicht jeder, der einem die
Hand schüttelt und von Dialog spricht, meint das auch ehrlich." Besonders
verbittert habe ihn, dass die Gefahr des islamistischen Terrors in Deutschland
weder Journalisten noch Politiker zu interessieren scheint. Außer dem
bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU) sei keinem deutschen
Politiker die Brisanz des Themas bewusst. „Schlaft weiter!", sagt
Ulfkotte.
In der Branche ist der Enthüllungsjournalist nicht unumstritten.
Einigen gilt Ulfkotte als Nestbeschmutzer, zog er doch in seinem Buch ???So
lügen Journalisten" über das eigene Metier her. Der Norddeutsche Rundfunk
bezeichnete seine Ansichten über den Islam als „rechtsradikal", und die
linksalternative „tageszeitung" meinte
sogar, Ulfkotte biete „viel Stoff für Verschwörungstheoretiker".
Tatsächlich bleiben einige Spuren und Verdachtsmomente, die Ulfkotte
zusammengetragen hat, nebulös. Dass das Buch Fehler enthält, gibt Ulfkotte zu:
„Einige Stellen im Buch sind sachlich nicht richtig." So sei es vorgekommen,
dass er den Bruder eines Extremisten mit dessen Cousin verwechselt habe. Aber
das sei bei der Vielzahl recherchierter Fakten nicht verwunderlich und hätte in
einer zweiten Auflage korrigiert werden können. Dennoch hält er am düsteren
Ergebnis seiner Recherche fest: „Wir werden in Deutschland in Zukunft Terroranschläge
erleben."
Ein abgesetzter Film
Die Einschüchterung von Islam-Kritikern wird so systematisch betrieben, dass
der Saarbrücker Religionswissenschaftler Karl-Heinz Uhlig die Pressefreiheit in
Gefahr sieht. Sichtbar wurde dies bereits während der Fußball-Weltmeisterschaft
1998 in Frankreich. Dort gab es
einen Eklat, als der US-Spielfilm „Nicht ohne meine Tochter" im
französischen und deutschen Fernsehen gesendet werden sollte. Der Film
schildert die Entführung der Tochter einer US-Bürgerin durch ihren iranischen
Ehemann und setzt sich mit den Zuständen im
persischen Mullah-Regime auseinander. Die iranische Fußballmannschaft drohte
mit dem Boykott der WM, sollte der Film ausgestrahlt werden.
In Frankreich wurde er gesendet. Der deutsche Privatsender VOX knickte dagegen
vor den iranisch-moslemischen Drohgebärden ein. Er setzte den Film ab, da „eine
Gefährdung der Mitarbeiter nicht ausgeschlossen werden" könne. Ein
Verhalten, das selbsternannte
Wächter des Islam wohl zu weiteren Taten ermutigt haben dürfte.
Schwarze Listen
Inzwischen gibt es eine Organisation mit dem Namen „MuslimRecht", die
gegen Kritiker Kampagnen organisiert. Vorbild ist die US-Organisation
„CAIR" (Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen).
Sie prangert anti-islamische Vorfälle an und attackiert Christen, die dem Islam
eine Gewaltbereitschaft attestieren, wie den Evangelisten Franklin Graham, Sohn
von Billy Graham. Er hat den Islam öffentlich als „bösartige" Religion
bezeichnet und sich dafür sogar einen Rüffel der Evangelischen Allianz
eingehandelt. Bezeichnend: Graham steht mit
seinem Hilfswerk „Samaritan's Purse" (Geldbeutel des Samariters) auch
Armen im Irak und anderen islamischen Ländern bei.
Zurück zu CAIR: Es verfügt über drei Dutzend
Angestellte und ein Netz von Juristen. Das möchte „MuslimRecht" auch in
Deutschland aufbauen. In der Selbstdarstellung der Organisation mit Sitz in
Hamburg heißt es, man wolle „ein positives Bild des Islam und der Muslime in
Deutschland fördern". Doch wer sich durch die Internet-Seiten
durcharbeitet,
bekommt ein weniger freundliches Bild von den Aktivitäten des Vereins. Da gibt
es eine Rubrik „Schwarze Liste – Vertreter der Intoleranz", wo erklärt
wird: „MuslimBoykott hat zum Ziel, intolerante und islamfeindliche Personen und
Organisationen aufzulisten und sie einer breiten Masse publik zu machen."
Außerdem wird zum Boykott von 251 Produkten aufgerufen, die angeblich
US-amerikanischen oder britischen Ursprungs sind, wie Milka, Ariel, Chiquita,
Frolic Iglo, Jacobs, Onko und Coca-Cola.
E-Mails gegen „Phoenix"
Von „MuslimRecht" wurde auch eine Kampagne gegen den Film „Wir wollen den
wahren Islam – Junge Muslime in Deutschland" des evangelischen
Pastorenehepaares Gisela und Udo Kilimann organisiert. Die Produktion lief
bereits im September im WDR-Fernsehen und sollte bei Phoenix am 19. Januar
wiederholt werden. Ein muslimischer Student, der in dem
Film zu Wort kam und dem Verbindungen zu islamistischen Organisationen
nachgewiesen wurden, fühlte sich diffamiert und beantragte eine Einstweilige
Verfügung gegen den
Sender. „MuslimRecht" rief zu Protest-E-Mails auf, die den Sender offenbar
beeindruckten, da sie offensichtlich nicht nur Kritik, sondern auch handfeste
Drohungen enthielten, die nach dem 11. September 2001 niemand mehr auf die
leichte Schulter nimmt. Die
Sendung wurde abgesetzt. Sie wurde zwar kurze Zeit später doch ausgestrahlt,
doch der Vorgang zeigt, wie leicht sich Medien einschüchtern lassen.
Journalistin am Pranger
Am Pranger von „MuslimRecht" landete auch die Redakteurin des
Evangelischen Pressedienstes, Gisela Zabka. Grund war ein Interview mit einer
Filmautorin des Hessischen Rundfunks über die Reaktionen von Moslems auf ihre
Arbeit. Esther Schapira hatte versucht, die Hintergründe des Todes eines
11-jährigen palästinensischen Jungen aufzuklären. Der Junge wurde der
Weltöffentlichkeit als Opfer des israelischen Militärs ausgegeben, als er in
den Armen seines Vaters starb. Doch Schapira nannte Anhaltspunkte dafür, dass
der Junge auch von Palästinensern getötet worden sein könnte. Auf den Film
folgten Beschimpfungen und Drohungen muslimischer Zuschauer. Palästinenser
beschuldigten Schapira, einen „Märtyrer" (den 11-jährigen Jungen) und
damit alle Muslime beleidigt zu haben. Sie hätte sich die Konsequenzen vorher
überlegen müssen. Die Journalistin konnte
zeitweilig nur unter Polizeischutz auftreten. Als der Film im Jüdischen Museum
in Frankfurt am Main vor Schülern gezeigt wurde, gab es vermehrt Absagen von
Schulen, die eine Führung gebucht hatten – aus Angst vor islamischen
Attentaten.
Zu viel entschuldigt
Schapira ist überzeugt, dass viele Medien wegen des Wunsches nach einer
funktionierenden multikulturellen Gesellschaft zu viel entschuldigt und
tabuisiert haben. Kritik übt sie auch am Leiter des Hamburger
Orient-Institutes, Udo Steinbach, der palästinensische
Selbstmordattentäter mit Kämpfern des Warschauer Ghettos gleichsetzte und in
seinem Institut auch Islamisten beschäftigt. Zu den Kampagnen von
„MuslimRecht" gegen Journalisten sagt sie: „Islamistische Einschüchterungskampagnen
können Erfolg haben, gerade weil sie so diffus sind. Allein die Möglichkeit,
selber ins Schussfeld zu geraten, erhält plötzlich eine ganz neue
Bedrohungsqualität. Jeder kann gemeint sein, der zum Feind definiert wird, eine
Person, ein Sender."
Da die epd-Redakteurin Zabka so kritische Fragen zur Einschüchterung von
Journalisten aufwarf, zog „MuslimRecht" folgendes Resümee: „Frau Zabka ist
hier eindeutig zu weit gegangen. Der Versuch, die hier lebenden Muslime
pauschal zu diskriminieren, Ängste in der Bevölkerung zu schüren und
MuslimRecht als islamistische Organisation abzustempeln, ist inakzeptabel und
wird von uns auch in Zukunft geahndet werden." Das klingt bedrohlich, denn
für Bestrafung sind hierzulande immer noch Gerichte zuständig und nicht
muslimische Organisationen.
Wie bei der Mafia
Die Gesellschaft scheint sich daran zu gewöhnen, dass Kritik am Islam nur noch
unter Vorsichtsmaßnahmen vorgetragen werden kann. Esther Schapira hält eine
solche Gewöhnung für verhängnisvoll: „Wir erreichen sonst einen Zustand wie in
Italien, als es darum ging, über die Mafia zu berichten. Und wo Journalisten
sich irgendwann nicht mehr getraut haben, offen zu berichten, weil sie wussten,
dass sie ihr eigenes Leben gefährden. Dies darf in einer Demokratie nicht zum
Normalzustand werden."
Autor: Eckhard Nickig / Karsten Huhn
Quellen:
http://www.idea.de/cfml/homepage/detail_artikel.cfm?ArtikelID=22074
http://www.abendblatt.de/daten/2004/04/14/283682.html
http://www.n24.de/politik/inland/index.php?a2004052718502642394
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3282762_REF1,00.html