Wie sehr liegt es am Islam, dass wir Al Qaida, Taliban, islamistischen Terrorismus haben? Drei Texte stellen Überlegungen dazu an:
John Derbyshire: Macht nicht den Islam verantwortlich
Jonah Goldberg: Macht den Islam verantwortlich
Daniel Pipes: Nicht der Islam ist das Böse

 

National Review online, 11. Juli 2002
Original: Don't Blame Islam

Macht nicht den Islam verantwortlich
Gebt der Religion eine Chance

John Derbyshire


Vor ein paar Tagen hatte mein Sohn Geburtstag. Nun ist es so, dass sein Geburtstag auf denselben Tag im Jahr fällt wie der der Schwester meiner Mutter, Tante Muriel. Diese Tante war sehr gut zu mir, als ich Kind war. Ich lebte lange Zeiträume in ihrem Haus; das war - und ist immer noch - im Witton District von Birmingham, einer alter Industriestadt in den englischen Midlands. (Samuel Johnson, der aus dem nahen Lichfield stammte, prahlte über seine Heimatstadt, dass "Wir eine Stadt der Philosophen sind. Wir arbeiten mit unseren Köpfen und lassen die Dummköpfe in Birmingham für uns mit den Händen arbeiten.")

Witton ist ein Bezirk roter Backstein-Reihenhäuser des 19. Jahrhunderts. In meiner Kindheit war es ein Viertel der weißen Arbeiterschaft mit vielen kleinen Fabriken, von denen sich die meisten einer Form der Metallbearbeitung verschrieben hatten. Tante Muriel arbeitete als „Tee-Mädchen“ für eine dieser Firmen und nahm mich meistens auf ihren täglichen Gängen dorthin mit, wenn sie Tee für die Mittagspause der Arbeiter kochte. Ihr Ehemann, Onkel Fred, arbeitete in einer anderen Firma und stellte elektrische Ausrüstungen her.

Sie sind jetzt beide Rentner, leben aber immer noch in demselben Haus in der selben Straße. Witton ist nicht länger ein Ort der weißen Arbeiter. In den 1970-er Jahren zogen die meisten Weißen aus. Ihre Häuser wurden von denen gekauft, die die Engländer als „asiatische“ Immigranten bezeichnen - in diesem Fall hauptsächlich Muslime aus Pakistan und Bangladesch. Muriel und Fred sind nicht die letzten Weißen in ihrer Straße, aber Weiße sind heute eine kleine Minderheit.

Aufgrund der Zufälligkeit der Geburtstage rufe ich Tante Muriel an diesem Tag immer an und wir reden lange mit einander. Es geht natürlich hauptsächlich um Familiensachen, aber eines Tages drückte ich einige Sorgen darüber aus, wie es ihnen ginge. Beide sind alt und haben so langsam Schwierigkeiten sich zu bewegen. Tante Muriel, eine Frohnatur, hatte damit keine Probleme. „Oh, uns geht es gut. Und die Nachbarn sind wunderbar. Wir bekommen so viel Hilfe angeboten für’s Einkaufen, die Gartenarbeit, für alles. Allerdings von den Asiaten. Sie sind wirklich sehr nett. Die Engländer bieten keine Hilfe an!“

Diese „asiatischen“ Nachbarn sind natürlich solide Muslime - es gibt in der Nähe auch eine recht große Moschee. Tante Muriels Bemerkung machte mich nachdenklich. Ich denke, es könnte eine Art Stockholm-Syndrom vorliegen - so nach dem Motto: „Wenn wir schon unter all diesen Muslimen fest sitzen, dann können wir uns auch auf ihre positiven Seiten konzentrieren, um das Beste draus zu machen.“ Nun kenne ich meine Tante aber gut genug um zu wissen, dass sie nicht so reden würde, wenn nichts dran wäre. Ich vermute, dass ihre muslimischen Nachbarn wirklich nett sind oder zumindest mehr freundlich als unfreundlich.

Haben wir - die USA, der Westen - eine Auseinandersetzung mit dem Islam? Wir haben mit Sicherheit eine Auseinandersetzung mit einer Menge Muslime. Mit einer Bande muslimischer Fanatiker, die im letzten September 3.000 von uns ermordete. Die Medien in muslimischen Ländern sind voll von Antiamerikanismus. Darüber hinaus praktizieren die meisten muslimischen Länder Regierungsformen, die mit den von den Amerikanern bevorzugten Vorstellungen von Politik nun überhaupt nicht überein stimmen. Sie sind despotisch, intolerant und gegen jede aufklärerische Tendenz gerichtet. Sogar die folkloristischen Aspekte muslimischer Länder erscheinen oft unangenehm: Sie scheinen mit dem Muster der so genannten "schändlichen Kulturen" übereinzustimmen, in denen die Richtigkeit oder Falschheit einer Tat nicht durch einen inneren moralischen Kompass bestimmt wird, sondern durch die Reaktion der Zuschauer.

Und dann gibt es den fürchterlichen Antisemitismus, mit dem der Islam durchsetzt zu sein scheint. Von Professoren der Theologie an saudischen Universitäten bis zu New Yorker Taxifahrern scheint es manchmal so zu sein, dass man nur leicht an einem Muslim kratzen muss um einen Antisemiten der boshaften, irrationalen Art zu finden, der aus der christlichen Welt seit einem halben Jahrhundert weit gehend verschwunden ist.

Kultivierte Muslime erzählen, dass das in Wirklichkeit nur Antizionismus ist, eine Reaktion auf die Kränkungen, die ihre Glaubensbrüder in Palästina erlitten. Das kann man glauben, wenn man will. Ich glaube das nicht. Es scheint mir einfach anders zu sein. Muslimische Antisemiten sagen "Zionismus", wenn sie sehr vorsichtig sind, sagen aber meistens "Juden". Außerdem ist Israel ein ethnischer Staat, eine jüdische Heimstatt. Seine Gefühle ausgerechnet gegen diese Nation zu richten und dabei die Juden anderer Länder außen vor zu lassen (von denen die meisten ohnehin Israel zu einem gewissen Grad unterstützen), ist eine Art moralischer Haarspalterei, zu der wenige Menschen wirklich fähig sind. Ich bin sicher, dass es Antizionisten gibt, die nicht antisemitisch sind (es gibt tatsächlich eine judaische Sekte, die Neturei Karta, die antizionistisch sind), aber ich bin auch sicher, dass ihre Anzahl gering ist - und unter Muslimen, so glaube ich, unbedeutend. Und natürlich geht muslimischer Antisemitismus auf Zeiten vor der Gründung des modernen Staates Israel zurück.

Was sollen wir als vom Islam halten? Ist er eine grausame, dunkle Religion voller Hass, deren charakteristischstes Merkmal politischer Ausdrucksfähigkeit korrupte Diktatur ist? Wenn das so sein sollte, warum sind all diese Muslime so freundlich zu meiner Tante Muriel? In der Suche nach Aufklärung versuchte ich den Koran zu lesen. Das brachte mich nicht sonderlich weiter. Ehrlich gesagt, fand ich das Ding nicht lesbar. Es scheint keinen „roten Faden“ zu haben, wie es bei den Evangelien oder den geschichtlichen Büchern des Alten Testaments der Fall ist. Er liest sich wie die langweiligen Stücke der Bibel, dem zweiten Buch Mose oder der Offenbarung oder einige der ermüdenden Propheten.

Ich weiß aber nicht, ob das wirklich etwas bedeutet. Die heiligen Bücher anderer Völker sind immer schwer zu lesen. Ich versuchte mich einmal an einigen buddhistischen Schriften; die waren auch reichlich langweilig. Die "Analekten" des Konfuzius, die ich tatsächlich ganz durch gelesen habe, ist meiner Meinung nach ein echt stumpfsinniges Buch. Die Sache mit heiligen Büchern ist, dass sie nicht wie jedes andere Buch betrachtet werden können. Man muss in sie hinein tauchen, mit Vorzug von frühester Kindheit an. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, muss man sie auswendig lernen - wie es fromme Muslime mit dem Koran tun und ein Gentleman des kaiserlichen China es mit den "Analekten" zu tun pflegte. Einer der späteren davon, der Gelehrte Cheng Yi aus dem 11. Jahrhundert, berichtete: "Manchmal, wenn ich die Analekten lese, beginnen meine Hände unbewusst zu tanzen oder meine Füße auf den Boden zu klopfen." Die Schriften der eigenen Religion zu lesen ist nicht das Gleiche wie eine Novelle oder einen Roman zu lesen. Es ist eine andere Art von Erfahrung, die außen Stehenden nicht möglich ist. (Ich vermute tatsächlich, dass jeder Text tief schürfend erscheinen kann, wenn man ihn genügend verinnerlicht. Für eine Theaterproduktion am College musste ich Samuel Becketts Monolog-Geschichte Imagination Dead Imagine auswendig lernen. Aus der erhabenen und vielleicht etwas voreingenommenen Perspektive des Mittelalters neige ich dazu zu glauben, dass die Sache komplettes Geschwafel ist. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich damals davon recht mitgerissen war und dachte, wenn ich nur seine tiefere Bedeutung ergründen könnte, würde mir das ganze Geheimnis des Lebens offenbart.)

Da mir der Wille fehlt, eine komplette Textanalyse der muslimischen Schriften vorzunehmen, kann ich vielleicht von den gut bekannten Lehrsätzen ausgehen, dass der Islam keine Religion ist, die von ihren Anhängern verlangt, dass sie solch absurde Dinge glauben? In aller Aufrichtigkeit: Ich kann das nicht. Wie mit den Schriften ist es auch mit den Lehrsätzen der Religionen anderer Völker so, dass man sie nur schwerlich auf faire und ausgewogene Weise angehen kann. Die Lehrsätze meiner Religion besagen, dass ich bei der Kommunion tatsächlich das Fleisch und Blut eines Wanderpredigers aufnehme, der vor 1973 Jahren in einem rückständigen Außenposten des Römischen Reiches starb. Ich bin persönlich an den Gedanken gewöhnt, aber ich kann verstehen, dass es für einen außen Stehenden grotesk erscheinen könnte. Dass Mohammed Gottes Botschafter war, erscheint nicht a priori weniger wahrscheinlich, als dass Jesus Christus Sein Sohn war. Mit dem, was ich über den Islam weiß, erscheint er sogar weniger mit abergläubischen Extravaganzen gespickt zu sein als andere Religionen. Weinende Statuen, Heiligen-Erscheinungen, Felsbrocken, die in der Luft schweben (wie der, der im burmesischen Buddhismus erscheint) oder Tempel, die verschwinden, wenn man sich ihnen zu nähern versucht (die Hindus haben mindestens zwei davon) - all dieses Tamtam scheint im Islam nicht zu existieren. Er ist eine strenger, abstrakter Glaube, der eng an seinem Buch klebt - ähnlich den strengeren Formen des Protestantismus.

Da mir die textlichen oder philosophischen Grundlagen gegen den Islam fehlen, kann ich soziale oder historische Dinge anführen? Immerhin gibt es, wie ich oben schon darstellte, keine besonders erfolgreichen islamischen Staaten, es hat sie seit dem Mittelalter nicht gegeben. Den Islam als die vorherrschende Religion des eigenen Landes zu haben, scheint eine sichere Garantie für intellektuelle, politische, wirtschaftliche und militärische Stagnation zu sein - im günstigsten Fall (Malaysia, Indonesien) für eine schwache Art von Kumpel-Kapitalismus. Ich bin allerdings auch nicht sicher, ob das gegen den Islam verwendet werden kann. Das Christentum ist an einigen recht schrecklichen Orten die vorherrschende Religion - z.B. in einer Reihe von afrikanischen Staaten. Armenien und Äthiopien sind nicht gerade überwältigend erfolgreich. Das Christentum war 900 Jahre lang die dominierende Religion in Russland, was aber offensichtlich die armen Russen nicht gegen die Schrecken des Leninismus immun machte. (Ähnliches gilt für Kambodscha und den Buddhismus.) Bis vor 30 Jahren waren Spanien und Portugal so arm und unkreativ wie die heutigen Ägypten und Syrien, obwohl sie fromm christlich waren. Anhand des historischen Beweismaterials erscheint es so, dass jeder Horror, den man aufzählen kann - natürlich einschließlich des Antisemitismus - jede Nation mit jeder Religion befallen kann.

Was ist aber mit dem fatalistischen Aspekt des Islam: Insch’Allah, es ist Allahs Wille, du kannst nichts dagegen tun, am besten beruhigst du dich, setzt dich hin und schreibst ein Gedicht darüber. Wirkt das nicht Unternehmergeist und Selbsterfüllung entgegen? Na ja, vielleicht tut es das, aber mit dem Calvinismus muss es dann genauso sein, da er doch noch mehr von Vorherbestimmung geprägt ist. In der modernen Schweiz und in Holland war der Calvinismus dagegen ein Motor der verfassungsmäßigen Entwicklung und des intellektuellen Fortschritts. Er war eine Schlüsselkomponente im Erfolg der ersten amerikanischen Kolonien.

Ich kann die verärgerten E-Mails bereits in meiner Mailbox klappern hören: "Derb hat sich dem Multikulturalismus verschrieben! Er glaubt, der Islam sei so gut wie das Christentum!" Habe ich nicht und tu' ich nicht. Ich glaube nicht, dass Mohammed Gottes Botschafter war. Ich glaube, dass das Christentum eine Reichweite und eine Tiefe hat, die andere Glauben nicht besitzen. Eine schnelle Durchsuchung des Koran nach dem Schlüsselwort "frei" deutet an, dass es in ihm nichts Vergleichbares für Johannes 8:32 gibt ("und ihr werdet die Wahrheit erkennen[a], und die Wahrheit wird euch frei machen"). Alles, was ich sagen will, ist, dass ich die Rückständigkeit, Grausamkeit, Ignoranz und Intoleranz der arabischen Welt oder Pakistans oder des Iran nicht notwendigerweise dem Islam zuschreiben kann.

Ich bin nicht sicher, dass die Lehren einer Religion zwangsläufige Konsequenzen für das Schicksal der Glaubensgemeinschaften haben. Steve Sailer merkte an, wenn das ganze Wissen eines Marsmenschen aus der Bibel stammen würde, dann müsste er schließen - nach dem Hören der donnernden, verärgerten Stimme des alttestamentlichen Jehova, nach dem Lesen der Eroberungen Josuas, Gideons und Davids, gefolgt von den milden Worten von Christus und Paulus, dass diese kriegerischen, kämpferischen Juden die sanftmütigen, die andere Wange hin haltenden Christen seit 2000 Jahren herumgestoßen haben müssen. Das ist ja nun - na ja, nicht ganz das, was geschehen ist.

Texte sind nie so wichtig wie die Einstellungen, die Menschen ihnen gegenüber einnehmen. Es ist Allgemeingut der politischen Wissenschaften - ich glaube, Aristoteles bemerkte das -, dass ein Staat eine sehr demokratische Verfassung haben und trotzdem eine Diktatur sein kann und umgekehrt. (Die Volksrepublik China ist , wenn man nach ihrer Verfassung geht, eine perfekte Demokratie mit der vollen Bandbreite ziviler Freiheiten; Großbritannien ist aufgrund gleichen Maßstabs eine absolute Monarchie.) Es gibt in der Bibel haufenweise Textabschnitte, die ich höflich ignoriere - z.B. den Kram aus dem 3. Buch Mose über die richtige Art des Sklavenerwerbs.

Wirklich wichtig in der Bestimmung des Schicksals und Charakters eines Volkes sind Kultur, Tradition, eingefleischte Handlungsweisen. Meistens macht Religion nicht mehr als, diese Dinge etwas zu modellieren und sich um sie herum zu legen. Die Vorliebe der germanischen Völker für Volksversammlungen, Parlamente, Althinge, Debatten und Wahlen scheint aus der Zeit vor dem Christentum zu stammen; die Entschiedenheit und das Selbstvertrauen jüdischer Frauen kann man weit zurück im Alten Testament bereits sehen, in den Geschichten von Sarah und Deborah - lange bevor das Judentum sesshaft wurde. Ich weiß es nicht, aber ich würde darauf wetten, dass Araber ihre Frauen aus dem öffentlichen Leben heraus hielten, lange bevor Mohammed auftauchte. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich erführe, dass sie auch bereits recht unfreundlich zu Juden waren.

In unserem derzeitigen Konflikt sind alle unsere Feinde Muslime. Ich glaube dennoch nicht, dass unser Feind der Islam ist. Der Islam kam als primitive Stammesgesellschaft auf, die seitdem nie wirklichen politischen Fortschritt erfuhr. Die Araber sind heute immer noch primitiv und am Stamm orientiert, aber ihr Versagen moderne Nationalstaaten zu schaffen kommt aus ihren alt hergebrachten Gewohnheiten, Verhalten und sozialem Austausch, aus geografischen Beschränkungen, nicht aus dem Islam. Die arabischen Länder, die auf säkularen Prinzipien gründen - Irak und Syrien -, sind sogar noch herunter gekommener und korrupter als die Theokratien.

Und obwohl eine Religion mit dem menschlichen Material arbeiten muss, das es vorfindet, kann sie erhebend und Fortschritte machend sein. Der englische Romanautor Evelyn Waugh konvertierte zum Katholizismus. Er blieb trotzdem ein furchtbarer Mensch: rüde, egoistisch und ein krachender Snob. Als einer seiner Freunde ihn tadelte, weil er kein besserer Christ sei, antwortete Waugh: "Mein lieber Freund, du kannst es dir nicht vorstellen. Ohne meinen Glauben wäre ich kaum menschlich." Ich glaube, so ist es mit der ganzen Menschheit. Religion kann uns nicht perfekt machen und natürlich wissen wir alle, dass schreckliche Dinge im Namen Gottes getan werden. Insgesamt sind wir aber mit Religion besser dran als ohne. So schlecht wir uns auch manchmal mit ihr verhalten, ohne sie würden wir kaum menschlich sein.

Eine fest gefügte und etablierte Religion wie der Islam ist ein Schatz der menschlichen Rasse mit dem Potenzial die Herzen weicher zu machen und den Verstand des Gläubigen zu erleuchten. Es könnte das Instrument sein, die Gläubigen aus dem Lügensumpf zu ziehen, aus der Grausamkeit, Intoleranz und Stagnation, in die ihre Stammeskulturen sie gerissen zu haben scheinen. Wenn der Islam heute der Welt ein hässliches Gesicht zeigt, ist das kein Grund den Islam aufzugeben. Das Christentum zeigte im Dreißigjährigen Krieg auch ein ziemlich hässliches Gesicht (ganz zu schweigen von den Kreuzzügen). Ein paar Generationen später beendete es den Sklavenhandel, sorgte für den spirituellen Treibstoff einer mächtigen kommerziellen Zivilisation und brachte Bildung und Medikamente an Orte, die weder das eine noch das andere je hatten.

Statt den Islam zu verspotten und aufzugeben, sollten wir seine Gläubigen auffordern sich die edleren und großzügigeren Texte ihrer Schriften anzusehen, die Texte, die eine gemeinsame Menschheit betonen. Wir können nichts gewinnen, wenn wir die ehrlichen Muslime ausstoßen, wie auch sie nichts davon haben die Feinde des Westens zu sein. Wenn wir uns an das erste erinnern können und sie überzeugen, sich an das zweite zu erinnern, könnte es die Aussicht geben, dass den Legionen von mit glänzenden Augen den Koran schwingenden Mördern die Unterstützung entzogen wird, mit denen die Welt zur Zeit infiziert ist, und den zerstörerischen Zusammenprall zu vermeiden, von dessen Unvermeidbarkeit wir alle langsam, aber sicher überzeugt werden.


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National Review online, 12. Juli 2002
Original: Blame Islam

Macht den Islam verantwortlich
Aber nicht den ganzen

Jonah Goldberg


Die Anschläge vom 11. September in den USA haben eine vorsichtige Debatte in Saudi Arabiens abgeschlossener Gesellschaft ausgelöst. Es geht darin um die Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen und die Einstellung gegenüber dem Westen, die jetzt von einigen als Inspiration unakzeptierbarer Gewalt betrachtet werden.

So begann ein Artikel in der New York Times vom heutigen Freitag.

„Die Debatte scheint eine bedeutende Verschiebung in einer Gesellschaft zu repräsentieren, deren wahabitischer Zweig des Islam dazu tendiert, eine solche Fragestellung für tabu zu erklären", fährt Times-Reporter Neil MacFarquhar fort. "Offenbar regt eine kleine Gruppe Intellektueller, Akademiker, Journalisten und religiöser Gelehrter leise an, dass eine Veränderung nötig ist."

„Mir müssen uns mit einer Menge Dinge beschäftigen, von denen wir dachten sie seien normal“, sagte Khaled M. Batarfi der Times. Batarfi ist der Chefredakteur von Al Madina, einer Tageszeitung, die nach der Times progressiv ist und neue Wege zu gehen versucht.

„Vor dem 11. September war das nur eine Meinung: ‚Ich glaube, wir sollten die anderen hassen’“, sagt Batarfi. „Nach dem 11. September fanden wir heraus, dass einige dieser Gedanken Handlungen zur Folge hatten, die uns weh tun, die alle Muslime vor Gericht bringen.“

Ach so: Es ist nicht der Hass an sich, der das Problem ist. Es ist dieser dumme Gegenwind, den der Hass verursacht. Wenn wir „die anderen“ (sprich: die Christen, Juden, Hindus und alle andere, die nicht muslimisch sind) einfach hassen könnten, ohne den Muslimen so viel Unannehmlichkeiten zu bereiten, nun, dann würde alles in Ordnung sein.

Bedenken Sie, dass Herr Batarfi in Saudi Arabien als ein Herzblut-Liberaler gilt. Er möchte einfach ohne Unannehmlichkeiten hassen können. Saudische "Konservative" empfinden solche Ansichten als gotteslästerlich, zu was ist schließlich Hass ohne zu töten gut? Hass ohne zu töten, das ist nicht richtig. Da könntest du deine Schwester küssen, wenn du Juden und Christen hasst ohne sich umzubringen. Ich meine: Wo ist da der Sinn?

Die Times berichtet zum Beispiel, dass Ansichten wie die von Herrn Batarfi „kontrovers bleiben". Als eine Gruppe saudischer Intellektueller ein Manifest veröffentlichte, in dem sie die Idee aufbrachten, dass es „gemeinsame Grundlagen mit dem Westen" gäbe, wurden sie nach der Times „einer vernichtenden Rüge derer ausgesetzt, die den wahabitischen Begriff anerkennen, der Islam gedeihe auf der Feindschaft gegenüber den Ungläubigen".

„Es wird der falsche Eindruck vermittelt, dass viele Menschen den Krieg gegen Amerika verurteilten", eiferte ein Kritiker auf einer populären Internetseite. „Aber die Wahrheit ist, dass viele Menschen glücklich sind, dass dieser Krieg erklärt ist, der den Muslimen ein Gefühl der Erlösung gibt."

Scheik Hamad Rais al-Rais, ein älterer, blinder Gelehrter, beschwerte sich, dass die Sympathie des Manifests für die Opfer des 11. September - nach den Worten der Times - „dem Islam die Grundlage entzögen", weil sie vergäßen, dass der Jihad eine zentrale Lehre des Islam sei. „Ihr weint über das, was den Amerikanern auf ihren Märkten und in ihren Büros und Ministerien geschah und den Katastrophen, die sie erfahren mussten", schrieb der Scheik. „Und ihr vergesst die Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Aggression dieser Amerikaner gegen die gesamte islamische Welt."

(Eine kurze Zwischenfrage: Warum scheint so, dass viele islamische Gelehrte, dabei besonders die widerlichen, blind sind? Sagt der Koran, dass man kein Vitamin A nehmen darf? Ich habe sicher etwas nicht mit bekommen, aber Rabbis und Franziskanermönche scheinen nicht häufiger zu erblinden als die Durchschnittsbevölkerung.)

Merken Sie sich, dass der Scheik die „gesamte islamische Welt“ anruft. Mehr dazu gleich.

Ein anderer populärer (und wahrscheinlich sichtbeschränkter) Scheik, der letztes Jahr starb, veröffentlichte eine Fatwa, die erklärt, das im Ausland lebende Muslime „Feindseligkeit und Hass auf die Ungläubigen im Herzen verankern und davon Abstand nehmen sollten, sich mit ihnen anzufreunden.“

Nun, einige Saudis mögen den Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen zu machen und erklären, dass die Unterscheidung zwischen Hassen und Töten nicht die richtige Wahl ist, wie Bill Clinton sagen würde. Man kann hassen, so viel man will, ohne dass es Gegenwind gibt. Ein Professor für islamisches Recht erklärte der Times: „Natürlich hasse ich Sie, denn Sie sind Christ, aber das heißt nicht, dass ich Sie töten will."

Gut, machen wir nicht den Islam, sondern die Wahabiten verantwortlich

Ich könnte den ganzen Tag über diesen Artikel der Times weiter machen. Er liest sich wie eine Onion-Parodie. Lesen Sie das selbst und stellen Sie sich einen identischen Artikel über Nazideutschland vor. „’Bis zur Invasion in der Normandie glaubten viele hier, dass Nichtarier zu hassen nur eine Meinung darstelle, aber jetzt haben einige unter uns das Gefühl, dass unser Völkermord und die Eroberungen den Deutschen schadet und alle Deutschen vor Gericht stellt’, sagt Piter Thorman... Andere haben das Gefühl, dass Sympathie für die massakrierten Juden vollständig den Lehren Adolf Hitlers widerspricht...“ usw. usw.

Ich möchte aber über John Derbyshires wundervolles Essay „Gebt nicht dem Islam die Schuld“ sprechen. Ich empfehle es jedem sehr. Derb - wie wir ihn gedruckt nennen - unternimmt einen überzeugenden Versuch nicht den Islam verantwortlich zu machen. Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist, dass es fundamental unfair ist einer Religion - egal welcher - die Taten der Menschen vorzuwerfen, die sie falsch interpretieren. Die jüdische Bibel beinhaltet alle möglichen Schlägereien und Wut. Aber außerhalb von Israels Nachbarschaft hat mein Volk in der letzten Zeit nicht gerade viel Schläge verteilt. Und unsere Wut äußert sich meistens in der Art von Klagen vor Gericht oder dem Boykott chinesischer Restaurants. Die christliche Bibel predigt Liebe und dass man die andere Wange auch hin halten solle. Und trotzdem sind die Christen in ihrer Geschichte mehr als ein paar Male von diesem Text abgewichen. Der Koran war einmal der Text, der eine große und relativ tolerante Zivilisation definierte. Die Tatsache, dass er jetzt benutzt wird um alle möglichen Arten des Horrors zu rechtfertigen, spricht für die Probleme der verschiedenen arabischen Gesellschaften. Um Derbs Argumentation einmal unfair zusammenzufassen: Nicht Religion tötet Menschen, sondern Menschen töten Menschen.

Meine Antwort darauf ist: Jein. Wie Derb wahrscheinlich sehr viel besser weiß, gibt es sehr reale Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum. Der Islam war eine Religion des Schwertes. Die vielleicht wichtigste Definition des Jihad ist, historisch gesprochen, ein Heiliger Krieg um muslimisches Land zurückzuerobern oder zu verteidigen. Wer stirbt, während er die Erde verteidigt, wird seine Jungfrauen und den Rest der Geschenke hinter dem Vorhang bekommen. Das, so scheint mir, ist eine religiöse Doktrin, die besonders auf den Aufbau eines Reiches passt. Aber ihr könnt mich ja als verrückt bezeichnen.

Das Christentum wurde dagegen im Leiden geboren. Ein christlicher Märtyrer starb, wenigstens in den Gründungsjahrhunderten der Christenheit, weil er es ablehnte seinen Glauben aufzugeben, nicht, weil er es ablehnte, Territorium aufzugeben.

Jeder Nichtmuslim kann immer noch (an)erkennen, dass Mohammed nach jeder Definition einer historisch großen Persönlichkeit unzweifelhaft ein großer Mann war. Er war weise und mutig, intelligent und viele andere wunderbare Sachen. Er veränderte die Welt schneller und bedeutender als jeder sonst in der menschlichen Geschichte, auch unter Einschluss Jesu und aller Propheten. Aber anders als Jesus war Mohammed auch ein General. Er befahl seine Feinde zu köpfen. Er nahm die Frauen und Kinder der Besiegten und gab sie seinen Männer als Beute. Jesus machte nichts dergleichen. Ich bin kein Experte, aber ich glaube das Gewalttätigste, was er je tat, war einige Tische umzustoßen und einigen Geldwechslern in den Hintern zu treten.

Diese Unterschiede sind kaum unbedeutend. Trotzdem übernehme ich Derbs Ansicht und stimme ihm überwiegend zu. Der Islam muss keine Hass erfüllte Religion sein und ist es für unzählige Millionen anständiger Menschen auf der ganzen Welt natürlich nicht. Ich glaube, jeder Muslim, dem ich persönlich begegnet bin, hat einen freundlichen und großzügigen Eindruck auf mich gemacht. Und da der Islam, ob wir wollen oder nicht, nicht verschwinden wird, sollten wir besser mit den Guten in der islamischen Welt an die Arbeit gehen, damit die Bösen nicht gewinnen.

Was mich wieder zu Saudi Arabien bringt und dazu, weshalb ich mit Derb nicht überein stimme. Er lässt den Wahabismus und die Saudis in seinem Essay außer Acht und deshalb weiß ich nicht genau, wo er steht.

Ich akzeptiere das Argument, dass keine wirklich erfolgreiche und dauerhafte Religion fundamental bösartig sein kann. Religion kann so nicht funktionieren. Aber „dauerhaft“ kann eine sehr lange Zeit sein. Und die Geschichte ist voll von Beispielen kurzlebiger böser und gefährlicher Religionen.

Es hat Reihen von Kulten gegeben, die von sich behaupteten der „wahre Glaube“ einer größeren, dominanten Religion zu sein. Viele dieser Kulte schafften blühende, gesunde Konfessionen: Die schiitischen Muslime, Lutheraner, Lubovitscher Juden usw. Und manchmal waren diese Kulte ganz einfach gefährlich und furchtbar. Und manchmal, denke ich, begannen diese Kulte verrückt und gefährlich zu werden und wurden im Laufe der Zeit milder.

Mit meiner Kolumne „Der Islam braucht einen Papst“ habe ich eine Menge dieses Bereichs abgedeckt, aber ich denke, dass ernsthafte Menschen sich der Tatsache zuwenden müssen, dass zwar der Islam vieler der Anwürfe gegen ihn unschuldig ist, aber der Wahabismus schuldig in allen Punkten der Anklage. Er ist ein Kult, der jeden Tag neu Terroristen ausbrütet. Saudi Arabien ist das muslimische Äquivalent der Sowjetunion der 1930-er Jahre. Sie sind Zuhause brutal repressiv und im Ausland fanatische Bekehrer. Auf der ganzen Welt gehen die Menschen, die die Lüge „Islam bedeutet Frieden“ verbreiten, in wahabitische Moscheen. Afghanistan unter den Taliban war politisch wie ideologisch ein saudischer Satellitenstaat. In Pakistan, Indonesien und den USA ist saudisches Geld und saudische (wahabitische) Ideologie die Bedrohung. Der Artikel der New York Times ist nur ein Tropfen im Ozean der Beweise, aber er sagt alles, was man wissen muss. Der Islam predigt nicht unbedingt mehr Hass als das Christentum. Aber unter dem Wahabismus ist Hass genauso eine Pflicht wie Gebet (und trotzdem fahren die Verteidiger der Saudis fort sie „moderat“ zu nennen, weil sie uns Öl verkaufen).

Offenbar mögen Wahabisten es nicht Wahabisten genannt zu werden, denn sie behaupten einfach, dass sie die tief gläubigsten Muslime sind. Sie Wahabisten zu nennen legt nahe, sie seien nur ein Zweig - oder Kult - dessen, was ein geeinter, monolithischer Glaube sein sollte. Wahabitische Kleriker behaupten für alle Muslime zu sprechen. Und sie sind keine islamischen Derbyshires. Sie sagen, dass sich alle Muslime mit allen Christen und Juden im Krieg befinden, denn Christen und Juden sind auf jeden Fall verantwortlich zu machen.

In der Zwischenzeit arbeiten die Saudis sehr hart an der Sicherstellung, dass sie tatsächlich für alle Muslime sprechen. Sie geben Millionen dafür aus, die ganze muslimische Welt zum „wahren Glauben“ zu konvertieren. Und wenn sie Erfolg haben, wenn die Muslime der Welt alle den wahabitischen Weg wählen, dann wird Derb es viel schwerer haben, wenn er sagt, dass nicht der Islam verantwortlich ist. Daher sollten wir an die Arbeit gehen und den Muslimen helfen, von denen Derb redet, bevor es zu spät ist.


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Nicht der Islam ist bösartig

Daniel Pipes, New York Post
30. Juli 2002

(Original: The Evil Isn't Islam)


“Der Islam ist bösartig.” Das war die Nachricht, die ein Agent des US Secret Service gesetzwidrig am 18. Juli auf einem islamischen Gebetskalender hinterließ, als ein Al Qaida-Verdächtiger in Dearborn, Michigan ausgehoben wurde.

Sein derbes Graffiti fasst eine Ansicht zusammen, die seit dem 11.9. in den USA vermehrt zu hören ist. Sie ist Besorgnis erregend und falsch.

Hier liegt das Problem: Es ist ein Fehler, den Islam (eine Religion, die immerhin 1400 Jahr alt ist) für das Böse verantwortlich zu machen, das dem militanten Islam (einer weniger als 100 Jahre alten totalitären Ideologie) zugeschrieben werden sollte. Der Terrorismus der Al Qaida, Hamas, der iranischen Regierung und anderer Islamisten ergibt sich aus den Ideen solch zeitgenössischer Radikaler wie Osama bin Laden und Ayatollah Khomeini, nicht aus dem Koran.

Dem könnte man antworten: Aber bin Laden und Khomeini haben ihre Vorstellungen aus dem Koran. Und sie sind das einzig dauerhafte Muster Jahrhunderte alter muslimischer Aggression.

Nicht ganz. Schauen wir uns beide Punkte näher an.

* Aggressiver Islam: Der Koran und andere maßgebliche islamische Schriften beinhalten Aufhetzung gegen Nichtmuslime. Der berühmte Historiker Paul Johnson zitiert z.B. zwei koranische Verse: „Die am meisten Feindschaft gegen die Gläubigen hegen, wirst du unter den Juden und Heiden finden“ (Sure 5,85) und „dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt“ (Sure 9,5).

* Aggressive Muslime: Vierzehn Jahrhunderte Islam haben eine lange Geschichte von mit Jihad (Heiligen Krieg) beschäftigten Muslimen gesehen, die das Gebiet unter islamischer Herrschaft vergrößerten, von den frühen Eroberungen der Kalifen zu dem, was Samuel Huntington die „blutigen Grenzen“ des heutigen Islam nennt.

Ja, diese beiden Punkte stimmen. Sie sind aber nur die eine Seite der Geschichte.

* Milder Islam: Wie andere heilige Schriften kann der Koran auf Zitate durchsucht werden, die gegensätzliche Meinungen unterstützen. In diesem Fall zitiert Karen Armstrong, eine Verteidigerin des Islam mit Bestseller-Quoten, zwei freundlichere Passagen aus dem Koran: „Es soll kein Zwang sein im Glauben.“ (Sure 2, 256) und „O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet“ (Sure 49,13).

* Milde Muslime: Es hat Gelegenheiten von muslimischer Mäßigung und Toleranz gegeben, so im alten Sizilien und Spanien. Und Mark R. Cohen bemerkt in einem viel sagendes Beispiel, dass „die Juden des Islam besonders während der Gründungsjahre und der klassischen Jahrhunderte (bis zum 13. Jahrhundert) weitaus weniger Verfolgung erfuhren als die Juden des Christentums.“

Mit anderen Worten: Die Schriften des Islam und seine Geschichte zeigen Variationen.

Zugegebenermaßen ist es derzeit schwer, sich dieser positiven Seite zu erinnern, zu einer Zeit, in der Rückständigkeit, Ablehnung, Extremismus und Gewalt in so großen Teilen der muslimischen Welt vorherrschen. Aber die Gegenwart ist nicht typisch für die lange Geschichte des Islam; sie könnte in der Tat die schlimmste Ära seiner Geschichte sein.

Die Dinge können besser werden. Aber das wird nicht einfach sein. Dazu müssen die Muslime die große Herausforderung angehen ihren Glauben an die Realitäten des modernen Lebens anzupassen.

Was bedeutet das praktisch? Hier einige Beispiele:

Vor 500 Jahren stimmten Juden, Christen und Muslime darin überein, dass der Besitz von Sklaven akzeptabel war, aber das Zahlen von Zinsen nicht. Nach bitteren, langwierigen Debatten änderten Juden und Christen ihre Meinung. Heute billigt keine jüdische oder christliche Gruppe Sklaverei oder hat religiöse Bedenken gegen die Zahlung vernünftiger Zinssätze.

Muslime denken dagegen noch in den alten Bahnen. Sklaverei gibt es in einer großen Zahl mehrheitlich muslimischer Länder (besonders im Sudan und Mauretanien, aber auch in Saudi Arabien und Pakistan) und unterliegt einem Tabu. Um es frommen Muslimen zu ermöglichen keine Zinsen zahlen zu müssen, hat sich eine islamische Finanzindustrie entwickelt, die geschätzte 150 Milliarden US-Dollar stark ist.

Die Herausforderung ist klar: Muslime müssen es ihren Mit-Monotheisten in der Modernisierung ihrer Religion in Bezug auf Sklaverei, Zinsen und vieles andere gleich tun. Keinen Jihad mehr führen um anderen die muslimische Herrschaft aufzudrücken. Keine Unterstützung von Selbstmord-Terrorismus. Keine zweitklassige Bürgerschaft für Nicht-Muslime. Keine Todesstrafe mehr für Ehebrecher und keine „Ehrenmorde“ an Frauen mehr. Keine Todesstrafe mehr für Blasphemie oder Abfall vom Glauben.

Statt über das behauptete „Böse“ des Islam zu schimpfen, wäre es unsere Pflicht - der Muslime wie der Nichtmuslime - bei der Modernisierung dieser Zivilisation zu helfen.

Das ist die ultimative Botschaft des 11.9.. Sie geht viel tiefer und ist viel ambitionierter als westliche Regierungen das derzeit zu begreifen scheinen.


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Übersetzung aus dem Englischen: H.Eiteneier