Die Große Lüge und der Medienkrieg gegen Israel:
Von der Umkehrung der Wahrheit zur Umkehrung der Realität

Dr. Joel Fishman
Jewish Political Studies Review 19, Nr. 1&2, Frühjahr 5767/2007

Original:
The Big Lie and the Media War against Israel:
From Inversion of the Truth to Inversion of Reality


Wehe denen, die das Böse gut nennen
und das Gute böse;

die Finsternis zu Licht machen
und Licht zu Finsternis;

die Bitteres zu Süßem machen
und Süßes zu Bitterem!

Jesaja 5,20

Seit den 1960-er Jahren ist die Umkehrung der Wahrheit eine der beliebtesten Propagandamaßnahmen der Gegner Israels gewesen. Eine der am häufigsten genutzten Aussagen war die Beschuldigung, dass das jüdische Volk, Opfer der Nazis, jetzt die neuen Nazis geworden sind, Aggressoren und Unterdrücker der palästinensischen Araber. Zeitgenössische Beobachter haben diese Methode erkannt und als „Umkehrung der Realität" oder „verdrehte Logik" beschrieben. Weil Israels Feinde seit fast einem halben Jahrhundert solche Verleumdungen wiederholen ohne dass ihnen entgegengetreten wird, haben sie allmählich Glaubwürdigkeit gewonnen. Da die Umkehrung der Realität das Grundprinzip der derzeitigen antiisraelischen Propaganda darstellt, ist es wichtig zu verstehen, woraus sie besteht und wie sie funktioniert. Diese Propagandamethode ist ein Produkt Nazideutschlands. Sie ist totalitär, sowohl in ihren Vorgehensweisen – besonders dem Gebrauch des paranoiden Mythos – wie auch in der absoluten Lösung, die sie vertritt. Sie verweigert vollständig jegliche Anspruche Israels und lässt keinen Raum für Introspektion und Kompromiss.



Das Problem in historischer Perspektive: Israel und der Medienkrieg

Seit den 1960-er Jahren ist die Umkehrung der Wahrheit eine der beliebtesten Propagandamaßnahmen der Gegner Israels gewesen. Eine der am häufigsten genutzten Aussagen war die Beschuldigung, dass das jüdische Volk, Opfer der Nazis, jetzt die neuen Nazis geworden sind, Aggressoren und Unterdrücker der palästinensischen Araber. Zeitgenössische Beobachter haben diese Methode erkannt und als „Umkehrung der Realität" oder „verdrehte Logik" beschrieben. Weil Israels Feinde seit fast einem halben Jahrhundert solche Verleumdungen wiederholen ohne dass ihnen entgegengetreten wird, haben sie allmählich Glaubwürdigkeit gewonnen. Da die Umkehrung der Realität das Grundprinzip der derzeitigen antiisraelischen Propaganda darstellt, ist es wichtig zu verstehen, woraus sie besteht und wie sie funktioniert.

Es sollte vermerkt werden, dass Forscher einer früheren Generation verschiedene Aspekte des Problems untersucht haben,[1] aber seit Mitte der 80-er Jahre hat es deutlich weniger Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Nach dem Fall der Sowjetunion und der Auflösung des Ostblocks (1989-1991) gab es das Gefühl, dass die Welt sich am Beginn eines neuen demokratischen Zeitalters befand. Und mit Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen (13. September 1993) glaubten viele wirklich, dass die antiisraelische Propaganda aufhören würde. Leugnung mag dabei eine Rolle gespielt haben, denn die Beharrlichkeit der intensiven antiisraelischen und antisemitischen Agitation stellte „unangenehme Nachrichten" dar. Sie zu studieren wurde politisch unkorrekt und gefährlich für diejenigen, die in der akademischen Welt voran kommen wollten.[2]

Da das Thema dieses Aufsatzes die Geschichte der Propaganda und Fälschung ist, ist es angebracht ein Wort über die Methodik hinzuzufügen. Der hoch angesehene Historiker Marc Bloch erklärte in seinem berühmten Buch „The Historian’s Craft", dass es kaum ausreicht die Existenz einer Fälschung zu beweisen. Wenn man hofft aus einer Lüge tatsächlich zu lernen, dann wäre es nötig den Fälscher und seine Motivation zu finden:

Die Tatsache der Fälschung festzustellen, reicht nicht aus. Es ist darüber hinaus notwendig die Motivation dafür zu entdecken und sei es nur, um sie [die Fälschung] aufzuspüren. So lange also nur der geringste Zweifel über ihre Herkunft besteht, beinhaltet sie etwas, das sich der Analyse widersetzt und das daher nur zur Hälfte bewiesen ist.[3]

[Mais] constater la tromperie ne suffit point. Il faut encore en découvrir les motifs. Ne serait-ce, d'abord, que pour mieux la dépister. Tant qu'un doute pourra subsister sur ses origines, il demeurera en elle, quelque chose rebelle a l'analyse; pourtant, de seulement a demi-prouve. Surtout, un mensonge en tant que tel est a sa façon un témoignage….[4]

Das Ziel dieses Aufsatzes ist die Beschreibung der Großen Lüge in ihrem Ursprungskontext und, so weit möglich, ihre modernen Derivate festzustellen.

Definition des Problems aus historischer Perspektive

Da viele Mitglieder der politischen Elite des Landes der Meinung sind, dass Israels Problem eines der Public Relations ist, sind sie nicht in der Lage gewesen sich mit der Tatsache abzufinden, dass der Staat sich einem Medienkrieg gegenüber sieht. Daher folgt daraus, dass die Notwendigkeit einer modernen Definition der Propaganda besteht, die eine seiner Hauptkomponenten ist. Nach Angaben von Prof. Philip M. Taylor, dem Direktor des Institute of Communications Studies an der Universität von Leeds, ist

eines der taktischen Mittel der ideologischen Kriegsführung die Propaganda, die einfach definiert wird als „ein Versuch der Beeinflussung der Einstellungen eines bestimmten Publikums durch den Gebrauch von Fakten, Fiktion, Argumenten oder Suggestion – oft unterstützt durch die Unterdrückung von widersprüchlichem Material – mit dem kalkulierten Ziel, dem Rezipienten einen bestimmten Glauben, Werte oder Überzeugungen einzuflößen, die den Interessen der Quelle dienen, indem man eine gewünschte Handlungsweise produziert."[5]

Dieser Definition könnte man die Aussage von Dr. Joseph Goebbels hinzufügen, dass „Propaganda als solche weder gut noch schlecht ist. Ihr moralischer Wert wird bestimmt durch die Ziele, die sie anstrebt."[6] Hier findet sich das klassische Argument, dass das Ziel die Mittel rechtfertigt. Man könnte jedoch fragen, ob in bestimmten Fällen genau diese Mittel moralisch fehlerhaft sein können.

Im 20. Jahrhundert diente die Propaganda in erster Linie als Kriegswaffe und ihre Auswirkungen konnten verheerend sein. In bestimmten totalitären Ideologien waren sie, bis zum logischen Ende weiter gebracht, genozidal. Der Historiker Jeffrey Herf beschreibt die Funktion und Logik der Propaganda im Krieg Nazideutschlands gegen die Juden:

Wenn schiere Wiederholung, öffentlich wie in privatem Umfeld, als Beweis des Glaubens genommen werden kann, dann scheint es so, dass Hitler, Goebbels, Dietrich (Leiter des Reichspresseamtes), ihre Mitarbeiter und ein nicht feststellbarer Prozentsatz der deutschen Zuhörer und und Leser glaubten, dass eine internationale jüdische Verschwörung die treibende Kraft hinter der Anti-Hitler-Koalition des Zweiten Weltkriegs steckte... Sie agierten auf jeden Fall so, als sei die Endlösung Nazideutschlands Strafe für die Juden, die die Nazis als schuldig am Ausbruch Zweiten Weltkriegs waren und dass er sich so lang hinzog.[7]

In seinem Text gab Herf ein ernüchterndes Beispiel der Verbindung zwischen Propaganda und Völkermord, nämlich Hitlers jährliche Rede vor dem Reichstag vom 30. Januar 1939, die darstellt, „was der Kern der Nazi-Sichtweise des kommenden Konflikts wurde": „Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!"[8]

Zusätzlich verwies Herf auf Hitlers Neujahrsansprache an die Nation vom 1. Januar 1940, die die „Unterstellung genozidaler Ziele bei Deutschlands Feinden, besonders den Juden" beinhaltete: „Der jüdisch-kapitalistische Weltfeind, der uns gegenüber steht, hat nur ein Ziel: Deutschland und das deutsche Volk auszulöschen..."[9]

In Interpretation dieser Sprache erklärte Ernst H. Gombrich, dass das Ziel der Nazipropaganda letztlich „die Durchsetzung eines paranoiden Musters des Weltgeschehens" in Form eines „paranoiden Mythos" war.[10] Nach Gombrich repräsentierte dieses Vorgehen den „Kern der Technik":

Das ist der finale Schrecken des Mythos. Er wird selbstbestätigend. Ist man erst einmal in diesem illusorischen Universum gefangen, wird es zur Realität, denn wenn man gegen alle kämpft, wird man von allen bekämpft werden; und je weniger Gnade man zeigt, desto mehr ist man entschlossen, die eigene Seite bis zum Ende kämpfen zu lassen. Ist man in diesem wahrhaft heimtückischen Kreislauf gefangen, dann gibt es wahrlich kein Entkommen. Verglichen mit dieser Auswirkung muss die Werbung und Massensuggestion der Kriegspropaganda beinahe marginal genannt werden.[11]

Umkehrung als Wirklichkeit als Werkzeug des Medienkrieges mit seinem paranoiden Geisteszustand hat bis zur Gegenwart Bestand. Obwohl zeitgenössische Beobachter in der Lage waren seine Manifestationen mit beträchtlicher Genauigkeit zu beschreiben, haben viele sie nicht in ihrem historischen Kontext betrachtet. Beispielsweise hat der französische Forscher und Philosoph Pierre-André Taguieff in diesem Sinn den Begriff „absoluter Antisemitismus"[12] benutzt, um die Sichtweise der Palästinenser nach 1967 zu beschreiben. Er schrieb, dass für sie „der Zionismus daher ein neuer ‚Nazismus’ ist, der droht die gesamte menschliche Spezies zu dominieren und zu zerstören... In einem Kontext, in dem westliche Eliten niemals müde werden die Vermeidung ‚islamophobischer’ Äußerungen zu vermeiden, kann daher der Leiter des Islamischen Zentrums in Genf, Hani Ramadan, ganz cool ‚den gegen die Muslime organisierten Völkermord’ anprangern."[13]

Es ist vermerkenswert, dass Ramadans ‚story line’ beinahe identisch ist mit der der Nazi-Propagandisten. Beide stellten sich als Ziele einer jüdischen Verschwörung dar; und der mögliche Ausgang ihres „logischen Prozesses" – um Hannah Arendts Ausdruck zu verwenden – war Völkermord. Obwohl beide die Wahrheit umkehrten, beinhalten ihre Behauptungen ein zusätzliches Merkmal, das Besorgnis erregend und gefährlich ist: eine Umkehr der Moral, die zu zügellosem kriminellem Verhalten und Gewalt führt.

Vor nicht ganz so langer Zeit zitierte Melanie Philipps, eine sich freimütig äußernde britische Journalistin und Bloggerin, einen Artikel von Leo McKinstry, einem in Belfast geborenen Autor und Journalisten, der regelmäßig für die Daily Mail, den Daily Express und den Sunday Telegraph schreibt.[14] McKinstry erkannte die Umkehrung der Realität im öffentlichen britischen Diskurs bezüglich Israel und nannte sie bei ihrem wahren Namen:

In einer bemerkenswerten Umkehrung der Realität ist Israel wegen seiner Entschlossenheit sich zu verteidigen zu einem Pariastaat geworden. Es werden groteske unterschiedliche Maßstäbe angelegt, durch die mörderische arabische Terroristen als „Freiheitskämpfer" bejubelt, israelische Sicherheitskräfte hingegen als faschistische Verbrecher behandelt werden. Keine Nation ist stärker dämonisiert worden als Israel. Eine kürzlich durchgeführte europaweite Umfrage erbrachte, dass Israel inzwischen als „die größte Bedrohung" des Weltfriedens angesehen wird – eine völlige Absurdität angesichts dessen, dass Israel tatsächlich die einzige demokratische und freie Gesellschaft im Nahen Osten ist. Aber ein solches Ergebnis spiegelt die Stärke der hysterischen antiisraelischen Propaganda wider, die den Äther Europas füllt. Egal, wie sehr diese antiisraelische Gefühlswelt als Unterstützung Palästinas verkleidet wird: Faktisch ist sie zutiefst antisemitisch...[15]

Die Umkehrung der Realität als Mittel der politischen Kriegsführung kann auch gegen Nichtjuden eingesetzt werden. Ein Beispiel resultierte ihr Einsatz im Dezember 2006 in einem scharfen diplomatischen Zusammenstoß zwischen den Regierungen Polens und Deutschlands, als „eine Gruppe Vertreter von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem heutigen Polen vertrieben wurden, am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage einreichte, um die Rückgabe ihres Eigentums zu erlangen". In einer Erklärung vom 11. Dezember 2006 verurteilte die polnische Außenministerin Anna Fotyga die deutschen Forderungen als „Versuch die moralische Verantwortung für die Folgen des Zweiten Weltkriegs umzukehren, der mit dem deutschen Angriff auf Polen begann und dem polnischen Staat und der polnischen Nation nicht wieder gut zu machende Verluste und Leid zufügte."[16]

Umkehr der Realität als Propagandamethode: Historische Wurzeln

Wenn man die Geschichte der Umkehrung der Realität als Propagandamethode studiert, dann ist klar, dass die Naziideologen diese Waffen perfektionierten. Sie trugen offen ihren Stolz über ihre Leistung zur Schau, schrieben aber den Briten zu ihnen den Weg gezeigt zu haben. Während des Großen Krieges ermutigte die britische Propaganda erfolgreich Soldaten der Zentralmächte von der Front zu desertieren und demoralisierte die Öffentlichkeit in der Heimat. Hitler seinerseits betonte, dass der britische Gebrauch von Gräuelpropaganda und beschwerte sich, dass das kaiserliche Deutschland nie die Bedeutung der Propaganda verstand und dass diejenigen, die damit zu tun hatten, inkompetent waren.

Unter der Führung von Lord Northcliffe, Eigentümer der Times, waren die Briten die ersten, die die Vorteile der Massenmedien und der Werbung ausnutzen und sich eher auf die öffentliche Meinung konzentrierten als auf die Elite.[17] Ihr strategisches Ziel war „dem Feind die Aussichtslosigkeit seiner Sache zu enthüllen und dass der alliierte Sieg sicher ist".[18] Dazu erfanden sie eine Reihe origineller Propagandastrategien, so Botschaften, die auf die Zivilbevölkerung zielten, um auf diese Weise ihre Unterstützung der Regierung zu untergraben.[19] Sie nahmen auch die Mühe auf sich das Habsburger-Reich aufzubrechen, indem sie bei dessen unterschiedlichen Völkern Aufruhr schürten. In ihren Bemühungen erfanden die britischen Propagandisten den Begriff „nationale Selbstbestimmung", eine Waffe der politischen Kriegsführung.[20]

Ein Mittel, das die Briten anwandten, was die Gräuelpropaganda. Ihr bemerkenswertester Vorwurf war der, dass das kaiserliche Deutschland eine „Kadavernutzungs-Einrichtung" schuf, die so genannte Kadaververwertungsanstalt, um Seife zu produzieren. Die britische Gräuelpropaganda dämonisierte den Feind, aber nach dem Krieg fühlte sich die Öffentlichkeit hintergangen. Das hinterließ einen Rest Skepsis, Betrogenheit und ein Stimmung von Nachkriegsnihilismus. Diese Herangehensweise funktionierte kurzfristig, öffnete jedoch die Büchse der Pandora.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs bot die Erinnerung an die Gräuelpropaganda ein überzeugendes Argument gegen die amerikanische Intervention auf Seiten der Briten und trug zur Verweigerung von Mitgefühl für die Juden in ihrer Zeit der bittersten Not bei. In den Vereinigten Staaten, wo eine stark isolationistische Gefühlslage vorherrschte, beschuldigten einflussreiche Politiker die Briten, sie hätten „Amerika in den Krieg gelockt". Weiterhin lehnten es in den 1930-er Jahren, als Nazideutschland anfing größere Gräuel zu begehen, viele ab den Berichten Glauben zu schenken.

In „The Case for Auschwitz" berichtete der Historiker Robert Jan van Pelt:

Das Amerikanische Magazin „Christian Century", das 1944 immer noch amerikanische Zeitungen tadelte, weil sie den Entdeckungen der Sowjets in Maidanek so viel Aufmerksamkeit widmeten – sie behaupteten zu dieser Zeit, dass die „Parallele zwischen dieser Geschichte und der ‚Leichenfabrik’-Gräuelerzählung zu auffällig sei um übersehen zu werden – musste 1945 (zögerlich) zugeben, dass es falsch gelegen hatte und das die Parallele mit der „Kadaverfabrik des letzten Krieges" nicht stand hielt. Die Beweise waren zu schlüssig... Die Sache ist nachgerade unglaublich. Aber sie fand statt."[21]

Nach der Befreiung der Konzentrationslager sorgte General Dwight D. Eisenhower dafür, dass amerikanische Delegationen sie besuchten, um Zeugen des größten Verbrechens aller Zeiten zu sein.[22]

Der große Sprung: Einige Prinzipien der Nazi-Propagandatheorie

Während des Großen Krieges verbreiteten die Briten Propaganda über einen begrenzten Zeitraum und hörte bei Beendigung der Feindseligkeiten damit auf. Aus Furcht, dass die britische Kriegspropaganda-Maschinerie gegen ihn verwandt wurde, löste Lloyd George sie rasch auf.[23] Dennoch ebnete der Erste Weltkrieg den Weg für den Aufstieg totalitärer Diktaturen. Er untergrub nicht nur die traditionelle Ordnung in Russland, Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien, sondern „beschleunigte auch die Entwicklung der industriellen Kunst, Waffen, Kommunikationsmittel und Management, die den totalitären Vorstoß erleichterten."[24]

Nach Aussage von Hitler und Goebbels schuf die britische Propaganda das Original der „Großen Lüge", aber sie selbst nutzten diesen Durchbruch für ihre eigenen Ziele aus. Beispielsweise übernahmen sie eine Interpretation der Geschichte, die den paranoiden Mythos aufnahm, der das kaiserliche Deutschland als unschuldiges Opfer der britischen Verlogenheit. Einige Zitate aus „Kriegspropaganda", dem sechsten Kapitel des ersten Bandes von „Mein Kampf" (veröffentlicht 1925 und 1926) deckt klar Hitlers Verständnis der Methoden der Kriegspropaganda auf. Nach seiner Darstellung verbreiteten die Briten gewisse Lügen, nämlich den Vorwurf von Gräueltaten und dass „der deutsche Feind die allein schuldige Seite für den Ausbruch des Krieges" war. Später analysierte er im selben Kapitel ihre Methoden und kommentierte die Kosteneffizienz:

Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiete des Geschäftes oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und gleichmäßigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung.
Auch hier war das Beispiel der feindlichen Kriegspropaganda vorbildlich: auf wenige Gesichtspunkte beschränkt, ausschließlich berechnet für die Masse, mit unermüdlicher Beharrlichkeit betrieben. Während des ganzen Krieges wurden die einmal als richtig erkannten Grundgedanken und Ausführungsformen angewendet, ohne daß auch nur die geringste Änderung jemals vorgenommen worden wäre. Sie war im Anfang scheinbar verrückt in der Frechheit ihrer Behauptungen, wurde später unangenehm und ward endlich geglaubt. Nach viereinhalb Jahren brach in Deutschland eine Revolution aus, deren Schlagworte der feindlichen Kriegspropaganda entstammten.
In England aber begriff man noch etwas: daß nämlich für diese geistige Waffe der mögliche Erfolg nur in der Masse ihrer Anwendung liegt, der Erfolg jedoch alle Kosten reichlich deckt.[25]

Hitler ging einen Schritt weiter. Er erklärte in „Mein Kampf", dass es wirklich mehr als lohnend war große Lügen zu erzählen als kleine:

Man ging dabei von dem sehr richtigen Grundsatze aus, daß in der größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines Volkes im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben, als bewußt und absichtlich schlecht sein wird, mithin bei der primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie selber ja wohl manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich doch zu sehr schämen würde. Eine solche Unwahrheit wird ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an die Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird – eine Tatsache, die alle großen Lügenkünstler und Lügenvereine dieser Welt nur zu genau kennen und deshalb auch niederträchtig zur Anwendung bringen.[26]

Die Große Lüge sollte für die Nazi-Propaganda charakteristisch sein; und obwohl die Sowjetunion später diese Methodik nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm, waren ihre Techniken die Realität falsch darzustellen, gegründet auf dialektischem Denken, im Grunde genommen andere. Doppelzüngigkeit kam im Lexikon der Nazis nicht vor.

Ein totalitäres Werkzeug

Da sie die Mittel der totalen Kontrolle des Umfelds haben, indem sie andere Informationen durch den Gebrauch von Terror und Nötigung blockieren und ihre Botschaften im In- wie im Ausland ausstrahlen, konnten die neuen totalitären Regime die Wahrheit so lange verbieten, wie sie an der Macht waren. Auf diese Weise verwandelten sie das, was ursprünglich ein definierter Augenblick der Unwahrheit gewesen ist, in eine beständige fiktionale Realität. Der Unterschied zwischen der Massenpropaganda des Ersten Weltkriegs und der fiktionalen Realität der totalitären Staaten bestand im Grad und der Intensität.

Der Politikwissenschaftler Carl J. Friedrich erklärte:

Der totalitäre Durchbruch geschah 1926/27, als der erste Fünfjahresplan verabschiedet wurde. Es war dieser Plan, mit dem das Tempo forciert wurde und fast unmittelbar eine radikale Umwandlung der Wirtschaft herbei führte. So waren die Herren der Sowjetunion die wahren Macher, die Erneuerer, die die totalitäre Diktatur in ihren verschiedenen Einzelheiten erfanden und perfektionierten – die Techniken der Geheimpolizei, die Kontrolle der Massenkommunikation und insbesondere die zentral geplante und geführte Wirtschaft.[27]

In der Tat waren die Bolschewisten die ersten, die die Praxis der Propaganda in Friedenszeiten übernahmen.[28] Kurz danach machte Hitler es ihnen nach.

Im Rückblick erklärte Hannah Arendt, wie totalitäre Propaganda eine beständige, konkurrierende fiktionale Welt der Unwahrheit konstruiert, die ihre eigene innere Logik hat. Hierin liegt der große Sprung von der Umkehrung der Wahrheit zur Umkehrung der Realität. Nazi-Propagandisten nahme die Idee der Großen Lüge auf und verlängerten ihre Dauer, um eine neue Realtiät zu schaffen, die sich auf dem paranoiden Mythos gründete, den Gombrich beschrieb:

Ihre [der totalitären Führer] Kunst besteht darin, die Elemente der Realität, die von verifizierbaren Erfahrungen in der gewählten Fiktion zu nutzen und sie gleichzeitig über sie hinaus zu gehen und sie in Regionen zu generalisieren, die dann definitiv aus aller möglichen Kontrolle durch individuelle Erfahrung zu entfernen. Mit solchen Generalisierungen etabliert totalitäre Propaganda eine Welt, die in der Lage ist mit der realen Welt zu konkurrieren, deren Haupthandicap ist, dass sie nicht logisch, folgerichtig und organisiert ist. Die Beständigkeit der Fiktion und die Strenge der Organisation ermöglichen es der Generalisierung schließlich die Widerlegung der Lügen zu überleben – die Macht der Juden nach ihrer hilflosen Abschlachtung, die unheimliche weltweite Verschwörung der Trotzkisten nach ihrer Liquidation in Russland und dem Mord an Trotzky.[29]

Der Historiker Omer Bartov demonstrierte in seiner Studie „Hitler’s Army" das tiefe Eindringen des paranoiden Mythos in das deutsche Bewusstsein. Er erklärte, dass die Wehrmacht tatsächlich ein integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft war. Während des Angriffs auf Russland, als klar wurde, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen konnte, erzielte die Propaganda eine fast religiöse Dimension als Bindekraft der Soldaten. Unter den harten Bedingungen Mittel Juli 1941 schrieb ein Unteroffizier nach Hause und produzierte damit ein Dokument, das die absoluten und völkermörderischen Auswirkungen der Nazipropaganda aufdeckt:

Das deutsche Volk hat eine gewaltige Verpflichtung unserem Führer gegenüber, denn wenn diese Bestien, die hier unsere Gegner sind, nach Deutschland gekommen wären, wäre ein Morden eingetreten, wie es die Welt noch nicht gesehen hätte. Wenn schon ungezählte Tausende eigener Bewohner der Sowjets hingemordet werden, und Ukrainer, ein Volk ohne Schutz, bestialisch verstümmelt und getötet werden, wie hätte man es erst mit den Deutschen gemacht? Was wir gesehen haben, kann keine Zeitung schildern. Es grenzt ans Unglaubliche, selbst das Mittelalter kommt nicht mit mit dem, was hier geschehen ist. Und wenn man in Deutschland den Stürmer liest und die Bilder sieht, so ist das nur ein kleines Zeichen von dem, was wir hier sehen und was hier vom Juden verbrochen wird. Glaube mir, auch die sensationellsten Zeitungsberichte sind nur ein Teil dessen, was hier geschieht.[30]

Bartov erklärte, die Wahrnehmung dieses Soldaten war

Verblüffende Verzerrung der Wirklichkeit, mit der die Schuld an der beispiellosen Brutalität von Wehrmacht und SS deren Opfern zugeschrieben wurde, war typisch für die „Auseinandersetzung“ der deutschen Soldaten mit ihren Taten in der Sowjetunion. Ja, man kann sogar sagen, daß sie das probateste Mittel war, die moralischen Skrupel zu überwinden, die zahlreichen Soldaten und Offiziere der Wehrmacht trotz jahrelanger ideologischer Beeinflussung noch verspürten. Doch genau diese verzerrte Wahrnehmung der Realität läßt ermessen, wie erfolgreich die Propaganda und Indoktrination der Nazis waren.[31]

Bartovs bemerkenswerte Studie demonstriert, dass der paranoide Mythos der Nazipropaganda so mächtig war, dass seine logische Folge eine Umkehrung der Moral war. Selbst nach Deutschlands Niederlage war seine Anziehungskraft so stark, dass einige Nazi-Veteranen diese Fiktionen weiterhin von sich gaben, um ihre eignen kriminellen Taten zu rechtfertigen.[32]

Anwendung der Umkehrung-der-Realität-Methode gegen Israel und die Juden ab den 1960-er Jahren bis heute

In den ersten Nachkriegs-Jahrzehnten scheint die Propagandamethode der Umkehrung der Realität und der Großen Lüge zeitweise außer Gebrauch gekommen zu sein, mit einer bemerkenswerten Ausnahme. Prof. Arnold Tynbee verglich in einem Vortrag in Montreal 1961 „von einem moralischen Standpunkt aus die Haltung Israels gegenüber den Arabern 1947 und 1948 mit der Abschlachtung von sechs Millionen Juden durch die Nazis". Botschafter Herzog las diese Erklärung in den Zeitungen Montreals und forderte Toynbee zu einer Debatte heraus, die am 31. Januar 1961 an der McGill University statt fand.[33] Botschafter Herzog hielt sich in dieser Auseinandersetzung gut, aber es ist nicht klar, ob Arnold Toynbees Stellungnahme einen isolierten Vorfall darstellt oder in den folgenden Jahren andere inspirierte.

Während den 1960-er Jahren und besonders nach dem israelischen Sieg im Sechstage-Krieg 1967 führten die Sowjetunion und ihre Verbündeten in der arabischen Welt einige der alten Propagandathemen wieder ein. Israels Sieg stellte für die Sache der Sowjetunion eine Demütigung und eine innenpolitische Gefahr dar, weil sie an den Grundlagen ihrer Autorität rüttelte. Innenpolitisch ermutigte sie die Minderheiten der Sowjetunion, nicht zuletzt die Juden. Nach dem erlittenen großen Rückschlag entschieden sich die Sowjetunion und die arabischen Länder den politischen Antisemitismus als Mittel zu nutzen, die Aufmerksamkeit der Welt von ihrer Niederlage wegzulenken. Sie strebten an Israel zu delegitimieren, um seine Isolation und Vernichtung herbeizuführen. Einige Element der neuen Propagandakampagne waren:

Die arabische Welt wie die Sowjetunion benutzten die Umkehrung der Realität als Methode und griffen auf den Sprachgebrauch der Nazipropaganda zurück. Die Verwandlung dieser Fachkenntnisse kann nicht im Detail nachverfolgt werden, weil die Informationen dazu unvollständig sind. Man weiß aber, dass viele Nazis Zuflucht in der arabischen Welt fanden. Von 1953 an absorbierte Ägypten einige Tausend. Einige arbeiteten in Nassers Geheimdienst. Einige verwalteten Konzentrationslager. Andere waren am Entwurf und Bau von Raketen beteiligt.[34]

Zu diesen Leuten gehörten Spezialisten für antisemitische Propaganda. Von Ägypten aus verbreiteten sie sowohl Antisemitismus in der arabischen Welt, als auch die Doktrin der Holocaust-Leugnung. 1967 beschrieb der Historiker Kurt Tauber die damalige Lage in Nassers Ägypten:

Zusätzlich zu den Fertigkeiten der Gestapo und der SS gibt es weitere Möglichkeiten, für die am Nil reichlich Bedarf zu bestehen schien. Ehemalige Goebbels-Schüler, ursprünglich unter der Aufsicht des verstorbenen Johann von Leers, spielen – so wird uns berichtet – eine wichtige Rolle in Nassers antijüdischem und antizionistischem Propaganda-Apparat. Im Zusammenhang damit hören wir die Namen Werner Witschale, Baron von Harder, Hans Appler und Franz Bünsche. Aber ein Hintergrund in der Gestapo, der SS oder Spionage behindert nicht den Zugang zu attraktiven Karrieren im ägyptischen Propagandaministerium. Walter Bollmann, vor dem Krieg Nazi-Spionagechef in Großbritannien und dann später als SS-Major am Guerillabekämpfungs- und antijüdischen Operationen in der Ukraine beteiligt; Louis Heiden, SS-Vertreter, der während des Krieges zum ägyptischen Pressebüro versetzt wurde; Franz Bartel, ein „alter Kämpfer" und Gestapo-Beamter; Werner Birgel, SS-Offizier aus Leipzig; Albert Thielemann, SS-Regionalchef in Böhmen, Erich Bunz, SA-Major und Experte zur Judenfrage; und SS-Hauptmann Wilhelm Boeckler, beteiligt an der Liquidation des Warschauer Ghettos – zu allen wird berichtet, dass sie zu Gunsten von Nasser antijüdische Propaganda betrieben.[35]

Matthias Küntzel beschreibt ein wichtiges Ergebnis des ägyptischen Propaganda-Projektes:

Diese Durchdringung der ägyptischen Nachkriegsinstitutionen mit einer Kohorte nationalsozialistisch orientierter Meinungsmacher dürfte auf ihre Weise dazu beigetragen haben, daß das deutsche Verbrechen an den Juden bis heute so gut wie keinen Eingang in das öffentliche Bewusstsein Ägyptens gefunden hat. Seit nun bereits fünfzig Jahren ist in ägyptischen Medien die Wahnvorstellung dominant, derzufolge der „Holocaust zu keiner Zeit des 20. Jahrhunderts etwas anderes gewesen (ist), als ein Vorwand, der vom internationalen Zionismus beständig zur Rechtfertigung der Existenz Israels" angeführt worden sei.[36]

Hitlers oberster Antisemit: Der Fall Johann von Leers[37]

Da die Übermittlung von Ideen und Fragen historischer Kontinuität von Wichtigkeit ist, sollte Prof. Dr. Johann von Leers (1902-1965) besondere Erwähnung finden. Er war einer der wichtigsten Ideologen des Dritten Reichs und diente später im ägyptischen Informationsministerium.

Im April 1938 wurde von Leers zum Professor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ernannt; sein Fachgebiet war die „Rechts-, Wirtschafts- und politische Geschichte auf rassischer Grundlage". Er beherrschte fünf Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch und Japanisch.[38] Als junger Mann gehörte er zur nationalistischen Jugendbewegung Adler und Falken, wo er eine lebenslange Verbindung mit Heinrich Himmler einging. Er war eines der frühen Parteimitglieder der Nazipartei. 1929 machte ihn Goebbels zu seinem Protegés.[39]

Von Leers war aktives Mitglied der Deutschen Glaubensbewegung, einem Projekt unter der Schirmherrschaft Himmlers, dessen Zweck es war „Deutschland vom Imperialismus des Juden-und Christentums zu befreien", indem man eine neue heidnische Religion schuf, die deren Platz einnahm.[40] Ein israelischer Forscher hat bei der Forschung zur Deutschen Glaubensbewegung herausgefunden, dass er auch zu den Initiatoren eines Plans zur Vermehrung der arischen Rasse durch Züchtung gehört haben könnte und mit einem gewissen Freidrich Lamberty-Muck[41], der sich für Polygamie einsetzte, das Lebensborn-Projekt inspirierte, das Himmler enthusiastisch einführte.

Von Leers war Experte in jüdischen Fragen. Als offener Vertreter des Völkermords gehörte er zu den radikalsten antisemitischen Publizisten des Dritten Reichs. Der jüdische Philosoph Emil Fackenheim erklärte, dass von Leers die Position vertrat, dass „Staaten, die Juden beherbergen, die Plage beherbergen und dass das Reich die moralische Pflicht und nach dem Prinzip Gefahr im Verzug juristisch das Recht solche Staaten zu erobern, und sei es nur, um die Plage auszumerzen."[42]

In einem persönlichen Gespräch mit Fackenheim erklärte der Historiker Erich Goldhagen: „Während die Vorstellung von Bazillen natürlich unter Nazis weit verbreitet war, gab es zu von Leers die ungewöhnliche Unterscheidung, dass er sich nicht damit aufhielt seine Aufforderung zum Massenmord in euphemistischer Sprache zu verbergen." Nach seinem Tod „kehrte seine Witwe [Gesina Fischer, geb. Schmaltz] (die seine Ansichten teilte) nach Deutschland zurück, wo sie Neonazis in Verlegenheit bracht, indem sie Hitlers ‚Ausrottung’ der Juden offen verteidigte, statt sie zu seinen ‚Fehlern’ zu zählen."[43]

Von Leers besaß unbestreitbar Talent und wandte es an, um einen ideologische Grundlage für den Nationalsozialismus und den Islam auf der Grundlage gemeinsamen Judenhasses schuf.[44] Er führte seine Anstrengungen nach dem Krieg in Ägypten fort; sein Einsatz wurde willkommen geheißen und erwidert.

Herf berichtet, dass von Leers im Dezember 1942 einen Artikel in Die Judenfrage veröffentlichte, einem Journal, das in die antisemitische intellektuelle Welt gehörte; der Artikel hieß „Juden und Islam als Gegensätze" Wie der Titel andeutet, hat der Autor eine hegelsche Sichtweise und stellt Judentum und Islam in den Begrifflichkeiten von These und Antithese dar. Dieser Aufsatz enthüllt außerdem sowohl die schmeichlerische nationalsozialistische Sicht, die von Leers sowohl auf den Islam der Vergangenheit projizierte, als auch die Intensität seines Hasses auf das Judentum und die Juden. Die folgende Passage ist Teil des Originaltextes. Der Autor dankt Prof. Herf dafür, dass er dieses bemerkenswerte Dokument weiter gab; Teile davon veröffentlichte er erstmals in freier Wiedergabe mit wörtlichen Zitaten. Dieser Text zeigt die einzigartige Brutalität und Eindringlichkeit seines Sprachgebrauchs und seinen tief sitzenden Hass gegen die Juden:

Mohammeds Feindseligkeit gegenüber den Juden hatte ein Ergebnis: Das orientalische Judentum war vollständig gelähmt. Sein Rückgrat war gebrochen. Die orientalischen Juden hatten an der enormen Machtbeteiligung der [europäischen] Juden in den letzen zwei Jahrhunderten praktisch keinen Anteil. Verachtet in den schmutzigen Gassen der Mellah [das von Mauern umgebene jüdische Viertel einer marokkanischen Stadt, ähnlich dem europäischen Ghetto][45], vegetierten die Juden vor sich hin. Sie lebten unter einem Sondergesetz [dem der geschützten Minderheit], das es ihnen, anders als in Europa, nicht erlaubte Zinsgeschäfte zu machen oder Hehlerware zu transportieren, sondern sie in einem Zustand der Unterdrückung und Verängstigung hielt. Hätte der Rest der Welt eine ähnliche Politik übernommen, hätten wir heute keine Judenfrage... Als Religion leistete der Islam [der Welt] einen ewigen Dienst: Er verhinderte die drohende Eroberung Arabiens durch die Juden und überwand die schrecklichen Lehren Jehovas durch eine reine Religion, die damals den Weg für zahlreiche Völker ebnete, eine höhere Kultur zu gewinnen...[46]

Der Ex-Mufti von Jerusalem Hadsch Amin al-Husseini seinerseits behauptete in seinem Gespräch mit Hitler am 21. November 1941 und seinen Radiosendungen, dass die Juden der gemeinsame Feind des Islam und Nazideutschlands seien.[47] Der Ex-Mufti ging regelmäßig auf Reisen, um die muslimischen SS-Einheiten vom Balkan zu ermutigen; die Radiosender der Achse berichteten pflichtgetreu über diese Besuche. In der Sendung vom 21. Januar 1944 erklärte er:

Das Reich kämpft gegen dieselben Feinde, die die Muslime ihrer Länder beraubten und ihren Glauben in Asien, Afrika und Europa unterdrückten... Das nationalsozialistische Deutschland kämpft gegen das Weltjudentum. Der Koran sagt: „Du wirst feststellen, dass die Juden die schlimmsten Feinde der Muslime sind." Es gibt beträchtliche Ähnlichkeiten zwischen islamischen Prinzipien und denen des Nationalsozialismus, nämlich die Bekräftigung des Kampfes und der Gemeinschaft, in der Betonung der Führeridee, im Ideal der Ordnung. All das bringt unsere Ideologien eng zusammen und erleichtert die Zusammenarbeit. Ich bin froh, in dieser Division einen sichtbaren und praktischen Ausdruck beider Ideologien zu finden.[48]

Nach dem Krieg lebte von Leers inkognito in Italien, bis er 1950 nach Argentinien floh, wo er als Herausgeber des Nazi-Monatsmagazins Der Weg arbeitete und engen Kontakt mit Adolf Eichmann knüpfte. Nach dem Sturz Perons im Jahr 1955 zog er nach Kairo, wo er im ägyptischen Informationsministerium arbeitete. Ermutigt durch den Ex-Mufti, der ebenfalls in Ägypten lebte, konvertierte er zum Islam und nahm die Namen Mustafa Ben Ali und Omer Amin Johann von Leers an.[49]

Von Leers unterstützte die Veröffentlichung der arabischen Ausgabe der Protokolle der Weisen von Zion, belebte den Ritualmordvorwurf neu, organisierte antisemitische Sendungen in zahlreichen Sprachen, förderte weltweit Neonazis und unterhielt eine warmherzige Korrespondenz, in der er die erste Generation der Holocaustleugner ermutigte, zu denen Paul Rassinier gehörte.[50] Eine Quelle berichtet, dass von Leers der erste war, der die Idee einer eigenen palästinensischen Nationalität als Teil des umfassenden Krieges gegen Israel schuf.[51]

Neben den beruflichen Pflichten seiner täglichen Arbeit war Johann von Leers „aktiv als Kontaktmann für die Organisation der Ehemaligen SS-Angehörigen (ODESSA) auf arabischem Territorium".[52] Es wird berichtet, dass es sein alter Freund Hadsch Amin al-Husseini war, der ihm einen Posten als politischer Ratgeber im ägyptischen Informationsministeriums sicherte,[53] obwohl es wahrscheinlicher ist, dass ein Beamter der ägyptischen Botschaft in Buenos Aires ihn rekrutierte. Als der Ex-Mufti von Leers öffentlich in Kairo willkommen hieß, erklärte er: „Wir danken Ihnen, dass Sie das Wagnis eingegangen sind den Kampf mit den Mächten der Finsternis aufzunehmen, die im Weltjudentum ihre Inkarnation gefunden haben."[54]

Wenn die heutige arabische antiisraelische und antijüdische Propaganda der des Dritten Reichs sehr stark ähnelt, dann gibt es dafür einen guten Grund.

Der Antisemitismus des Ostblocks

Eine direkte Folge des israelischen Sieges im Sechstagekrieg war die Entfesselung einer bösartigen Kampagne staatlich unterstützten Antisemitismus im Ostblock.[55] Nach Angaben von Stefan Possony, einem amerikanischen Strategen und Experten für Osteuropafragen, veröffentlichte Komsomolskaja Prawda die wahre Botschaft dieser Propaganda am 4. Oktober 1967: „Der Zionismus hat sich ‚Völkermord, Rassismus, Verrat, Aggression und Annexion verschrieben... alles charakteristische Eigenschaften der Faschisten.’"[56] Leon Poliakov fand im Text dieses Artikels Informationen, die sein sowjetischer Autor einem Pamphlet von 1957 entnahm, das zu einer Zeit veröffentlicht wurde, als Johann von Leers für die antisemitische Propaganda in Ägypten verantwortlich war.[57] Und tatsächlich war es so, dass Nazi-Propaganda, die aus Nasser Ägypten kam, die antisemitische Propaganda der Sowjetunion beeinflusste; aber es gab einen weiteren Kanal, über den authentische Themen der Nazi-Propaganda direkt übermittelt wurden.

Am 6. September 1968 hielt Dr. Simon Wiesenthal in Wien eine Pressekonferenz ab, in der er der Deutschen Demokratischen Republik die Benutzung eines Sprachgebrauchs vorwarf, der bezüglich der Verurteilung Israels mit dem der Nazizeit identisch war. Der Titel der Veröffentlichung, die er bei dieser Gelegenheit verteilte, war: „Dieselbe Sprache: erst Hitler – jetzt Ulbricht“. In dieser gut dokumentierten Publikation identifizieren Wiesenthal und seine Mitarbeiter neununddreißig Nazis mit hervorragendem Leumund im Dritten Reich, die den Weg in die Dienste der DDR gefunden hatten.[58] Einige hatten extrem gute Posten. Es überrascht nicht, dass eines der von ihnen genutzten Propagandamittel die Umkehrung der Realität war, über die sie Israel vorwarfen der Aggressor zu sein. Diese Information mag erklären, auf welche Weise der Ostblock antisemitische Propagandamotive der Nazis übernahm. J.H. Brinks erklärte in seinem Aufsatz „Political Anti-Fascism in the German Democratic Republic" (Politischer Antifaschismus in der Deutschen Demokratischen Republik), dass es keine ideologischen Hinderungsgründe für die Zusammenarbeit kommunistischer Parteimitglieder und Nationalsozialisten gab, da sie einmal Verbündete gewesen waren.[59] Gut, bis Hitler die Sowjetunion überfiel.

Die wirkliche Stellungnahme zur Parteilinie nahm die Form eines kleinen Buches mit dem Titel „Vorsicht Zionismus! Aufsätze zur Ideologie, Organisation und Praxis des Zionismus" an. Sein Autor war Juri Ivanov, Experte des Zentralkomitees für Zionismus; Anfang 1969 verbreitete das Moskauer Haus für Politische Literatur (Kransy Proletary) dieses kleinliche Werk von 173 Seiten in einer Auflage von 75.000 Exemplaren.[60] (Es kostete bescheidene 27 Kopeken.)

William Korey schrieb: „Die Stimme der offiziellen sowjetischen Autorität versteckte nichts. Sie sprach mit Klarheit durch die Prawda: ‚Aus den Seiten von Juri Ivanows Buch ersteht das wahrhaft böse Bild des Zionismus und dies bildet die unzweifelhafte Bedeutung des Buches.’"[61] Seine Veröffentlichung signalisierte die Parteilinie. Das Buch jedoch war in der eintönigen Sprache des Klassenkampfes geschrieben. Die Sprache der Komsomolskaja Prawda repräsentierte im Gegensatz dazu den Wechsel hin zu einer wichtigen, in Schlagwörter gepressten Umkehrung der Realität, wozu auch „Zionismus ist Rassismus" gehört."[62]

Bernard Lewis beschrieb den Gebrauch dieser neuen Schlagwörter auf der Weltkonferenz zum Internationalen Jahr der Frau in Mexiko-Stadt Ende Juni/Anfang Juli 1975. Er merkte an: „Die zu dieser Gelegenheit ausgegebene ‚Erklärung zur Gleichheit der Frauen’ betont wiederholt den Anteil der Frauen im Kampf gegen Neokolonialismus, Fremdherrschaft, Zionismus, Rassismus, Rassendiskriminierung und Apartheid."[63]

Es sollte hinzu gefügt werden, dass mit Frankreichs diplomatischer Orientierung zu Gunsten der arabischen Sache und als eine Folge seines großen Einflusses in Europa die antiisraelische Information auf dem Kontinent stetig an Ansehen gewann. Die Historikerin Bat Ye’or vermerkte, dass die Zweite Internationale Konferenz zur Unterstützung der arabischen Völker von 1969 in Kairo für Europa ein Wendepunkt war. Ihr Hauptziel war „dem Zionismus Feindseligkeit und Solidarität mit der arabischen Bevölkerung Palästinas zu demonstrieren." Der britische Historiker Arnold Toynbee und der französische Arabist Jacques Berque nahmen an diesem Ereignis teil.[64]

Es dauerte nicht lange, bis der kalte Wind blies. Ende 1968 veröffentlichte Bertrand Russel einen offenen Brief and Wladyslw Gomulka, den Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Polens, um gegen den Ausbruch des staatlich gesponserten Antisemitismus in Polen zu protestieren. Russel verglich diesen neuen Antisemitismus unverblümt mit dem Nazideutschlands. Er benutzte die Bezeichnung „verdrehte Logik", um die Methode der Umkehrung der Realität zu beschreiben:

Über die vergangenen 18 Monate haben in Polen die Presse, die Geheimpolizei und die Regierung ziemlich vorsätzlich Antisemitismus initiiert. Durch eine verdrehte Logik sind jetzt alle Juden Zionisten, Zionisten sind Faschisten, Faschisten sind Nazis und daher müssen alle Juden mit genau den Kriminellen gleich gesetzt werden, die erst vor kurzer Zeit versuchte das polnische Judentum zu eliminieren...[65]

Die Sowjetunion verbreitete einige weitere Fiktionen in ihrem neuen Propagandakrieg gegen Israel. Einer davon war der Vorwurf, Israel sei im Sechstagekrieg der Aggressor. Der vermutlich erste Beobachter, der diese verdreht Logik feststellte und beschrieb, war Prof. Richard Pipes von der Harvard University. Er nannte es eine „von Moskau erfolgreich angewandte Technik, um den Spieß umzudrehen, indem man durcheinander bringt, was wirklich Sache ist." Pipes erklärte, dass normalerweise ein Staat, wenn er Aggressionen ausgesetzt ist und sich erfolgreich verteidigt, in den folgenden Verhandlungen die Bedingungen stellt. Die Wiedergutmachung könnte durchaus die Einnahme von einem Teil des Territoriums des Aggressors einschließen:

In der als Ergebnis entstehenden Friedensregelung hat die besiegte Seite gewöhnlich dem Sieger gegenüber Zugeständnisse zu machen, möglicherweise auch territoriale... Das Seltsame an diesem Konflikt ist, dass die eigentlich anstehende Frage die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien sind, die sowjetische Propaganda es aber geschafft hat den israelischen Rückzug aus den im Verlauf des Krieges besetzten Gebieten als Hauptfrage erscheinen zu lassen. So wird eine Frage, die Teil der endgültigen Lösung des Konflikts sein sollte, zu einer Vorbedingung für Verhandlungen, die zu einer Regelung führen. Was immer man zum Gehalt des israelisch-ägyptischen Disputs fühlt, man kann nur bewundern, mit welch geschickter Benutzung eines intellektuellen Zuversichtstricks der Spieß umgedreht und die Last der Widerspenstigkeit statt sich selbst der anderen Seite zugeschoben wurde.[66]

Die Verfassungen der PLO und der Hamas

Wenn man die Entwicklungen dieser Zeit diskutiert, muss man die PLO-Satzung in ihren verschiedenen Versionen seit 1964 dazu nehmen. Sie bot eine kodifizierte ideologische Stellungnahme, die die palästinensischen Mythen und Ansprüche verkörperte. Anfangs hatte sie nicht viel Einfluss, aber später, besonders nach 1973, wurde sie zum Credo der PLO. Es ist bemerkenswert, dass Ion Mihai Pacepa, ehemaliger Chef des rumänischen Geheimdienstes, der sich in den Westen absetzte, folgendes ans Licht brachte:

1964 nahm der erste PLO-Rat, bestehend aus 422 vom KGB handverlesenen Palästinenser-Vertretern, die palästinensische Nationalcharta an – ein Dokument, das in Moskau entworfen wurde. Die palästinensische nationale Satzung und die palästinensische Verfassung erblickten also in Moskau das Licht der Welt, mit Hilfe von Ahmed Schukairy, einem einflussreichen Agenden des KGB, der der erste PLO-Vorsitzende wurde.[67]

Prof. Yehoshafat Harkabi war vermutlich der erste, der die Bedeutung dieses Dokuments erkannte und seinen Inhalt und seine Sprache sorgfältig analysierte. In der Einleitung seiner Veröffentlichung des Textes der palästinensischen Satzung mit seinem Kommentar erklärte Harkabi, dass die Absolutheit der palästinensischen Umkehrung der Realität inhärent totalitär war:

Die Palästinenser-Bewegung fordert Absolutheit und „Totalität" – es gibt absolute Gerechtigkeit in der palästinensischen Haltung als Gegensatz zur absoluten Ungerechtigkeit Israels;... das Recht ist nur auf der palästinensischen Seite; nur sie sind der Selbstbestimmung wert; die Israelis sind kaum menschliche Wesen, die höchstens als Individuen oder als religiöse Gemeinschaft in einem palästinensischen Staat toleriert werden könnten...; die historische Verbindung der Juden mit dem Land Israel ist Betrug; die spirituelle Verbindung, wie sie sich in der zentralen Rolle des Landes Israel im Judentum ausdrückt, ist eine Fälschung; internationale Entscheidungen wie das vom Völkerbund übertragene Mandat und die Teilungsresolution der Vereinten Nationen sind allesamt unbekümmert ins Nichts verfrachtet.[68]

Die PLO-Satzung ist für unser Verständnis der heutigen palästinensischen Autonomiebehörde von zentraler Bedeutung. Die Tatsache, dass Yassir Arafat es ablehnte dieses Dokument zu ergänzen, obwohl er in Anwesenheit von Präsident Clinton am 14. Dezember 1998 vorgab dies zu tun, ist der beste Hinweis auf seine wahren Absichten.[69] In Verbindung damit ist die Hamas-Charta von 1988 von Interesse, deren Text im Internet zu finden ist.[70] Küntzel verfolgt ihre charakteristische Umkehrung der Realität zu Nazi-Quellen zurück:

Der erneuerte Einfluss der Verschwörungstheorien nach Naziart wird besonders offensichtlich, werfen wir einen Blick in die Charta der Muslimbruderschaft von Palästina, sonst als Hamas bekannt. 1988 gegründet, macht die Charta bewusst Gebrauch von der antisemitischen Rhetorik des Ex-Mufti von Jerusalem, die dieser von den Nazis übernommen hatte. Nach dieser Charta „steckten die Juden hinter der Französischen Revolution, wie auch hinter den kommunistischen Revolutionen". Sie steckten „hinter dem Ersten Weltkrieg, um das islamische Kalifat auszulöschen... und auch hinter dem Zweiten Weltkrieg, wo sie immense Gewinne aus dem Handel mit Kriegsmaterial sammelten und die Gründung ihres Staates vorbereiteten." Sie „inspirierten die Gründung der UNO und des Sicherheitsrates... um die Welt über ihre Mittelsmänner zu beherrschen. Es gab nirgends einen Krieg ohne ihre [der Juden] Fingerabdrücke." Der Originaltext der Charta ist in Artikel 32 deutlich ausgedrückt; darin erklärt sie, dass die Absichten der Zionisten „in den Protokollen der Weisen von Zion offen gelegt wurden; ihr derzeitiges Verhalten ist der beste Beweis für das, was dort gesagt wurde."[71]

Die Bedeutung dieser beiden Chartas ist nicht genügend gewürdigt worden. Dennoch sind die Mythen, die ihnen inne liegen, Teil der fiktionalen und paranoiden Weltsicht geworden, die die palästinensische Propaganda der Wirklichkeit aufgedrückt hat.

„Zionismus ist Rassismus"

Am 10. November 1975 verabschiedeten die Sowjetunion und ihre Helfer die UNO-Resolution 3379 der Vollversammlung „Zionismus ist Rassismus", die einen antisemitischen Slogan in eine international anerkannte „Wahrheit" verwandelte.[72] Die Rabbiner Abraham Cooper und Harold Brackman erklärten, dass „der Begriff ‚Rassismus’ 1936 geprägt, um die wissenschaftliche und politische Meinung gegen die Nazi-Doktrin der ‚arischen Überlegenheit’ über die Juden und andere behauptete Untermenschen zu sammeln."[73] Nach der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs bezeichnet „Rassismus" also einen der großen Missbräuche des Nationalsozialismus. Deshalb stellt die Gleichsetzung des Zionismus mit Rassismus einen schweren Vorwurf und eine Umkehrung der Realität dar.

Obwohl die Resolution 3379 schließlich am 16. Dezember 1991 aufgehoben wurde und die Sowjetunion kurz darauf in der Geschichte versank (am 26. Dezember 1991), war der Schaden für die Sache Israels beträchtlich. Indem eine komplizierte Frage in einen Slogan reduziert wurde, verhinderte diese Verleumdung, die die Realität auf den Kopf stellte, eine rationale Diskussion der wirklichen Probleme des Nahen Ostens. In einer Ära der Massenmedien, in der das Studium der Geschichte aus der Mode gekommen ist, haben Sprüche wie „Zionismus ist Rassismus" den Platz der Fakten eingenommen. Sie sind in den populären Sprachgebrauch des Mainstream und das Bewusstsein des unkritischen Massenpublikums eingedrungen.

Israels Feinde haben in den Jahren nach der Resolution 3379 viele Vorwürfe erhoben, aber eine Zeit lang ersparten sie Israel weitere massive Angriffe auf seine Legitimität. Das änderte sich mit der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus, der vom 28. August bis 8. September 2001 im südafrikanischen Durban statt fand. Durban war Bühne für antisemitische und antiisraelische Reden und Agitation einer seit den 1930-er Jahren unbekannten Intensität.

Einige der wichtigsten Spieler, die sich diesen Anstrengungen anschlossen, waren die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte und Generalsekretärin dieser Konferenz, Mary Robinson,[74] Arafat, Hanan Ashrawi und Faruk Kaddoumi für die Palästinensische Autonomiebehörde und die Union der Arabischen Anwälte für Ägypten, Faruk al-Shara für Syrien und der iranische Delegierte. Zu den anderen gehörten Vertreter der NGOs, der Europäischen Union, der Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistans, Kubas, Chinas, des Sudan, des Irak, Chiles, Jamaicas, Finnlands und Südafrikas.

In direkter Tradition des „Zionismus ist Rassismus" machte die Konferenz von Durban reichlich Gebrauch von der Umkehrung der Realität. Und tatsächlich forderten die NGOs „die Wiedereinsetzung der UNO-Resolution, die den Zionismus mit Rassismus gleich setzt" und „die völlige und totale Isolation Israels als Apartheidstaat"; dazu verurteilten sie die „israelischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ethnische Säuberung und Völkermord."[75]

Diese Botschaft war im Grunde dieselbe wie die oben angeführte der 1960-er und 1970-er Jahre. Sie passte gut in die Stellungnahme der Komsomolskaja Prawda vom 4. Oktober 1967 und der „Erklärung der Gleichheit der Frau" der Weltkonferenz des Internationalen Jahres der Frau 1975.[76] Die Wiederholung derselben Botschaft, selbst nach Jahrzehnten, bleibt eines der bekannten Merkmale der modernen Massenpropaganda.

Die Bedeutung von Durban muss noch zur Gänze gewürdigt werden, besonders weil die arglistigen Absichten ihrer Sponsoren – die Ägyptens, das angeblich in Frieden mit Israel lebt, während die Absichten der Palästinensischen Autonomiebehörde und des Iran weit gehend abgestritten worden sind. Ihre Exzesse gingen über die Resolution 3379 hinaus. Es gab eine zeit, als diejenigen, die die ursprüngliche „Zionismus ist Rassismus"-Resolution vertraten, behaupteten gegen den Zionismus zu sein sei nicht antisemitisch. Jetzt, nach Durban, ist alle Verstellung verschwunden. Antisemitismus im Namen der palästinensischen Gerechtigkeit ist jetzt akzeptabel geworden. Ein Zustand der „Annäherung" – um Jeffrey Herfs Begriff zu nehmen – ist erreicht worden: Antisemitismus und Antisemitismus sind zusammengeführt, wahrscheinlich zum ersten Mal seit der Nazizeit.[77]

Nach den Angaben von Anne Bayefsky und den Rabbinern Cooper und Brackman gehörten zu den Anträgen, die in Durban zum Ausdruck gebracht wurden:

Methode, Inhalt und Absicht

Kurz vor seinem Tod traf sich der französische Staatsmann Georges Clemenceau mit einem befreundeten Vertreter der Weimarer Republik, der die Frage nach der Schuld für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufbrachte. Er fragte Clemenceau: „Was werden Ihrer Meinung nach die Historiker zukünftig zu dieser schwierigen und kontroversen Frage meinen?" Er antwortete: „Ich weiß es nicht. Aber ich bin sicher, dass sie nicht sagen werden, dass Belgien Deutschland überfiel."[79] Zu seiner Zeit erfreute sich „der Tiger" einer Sicherheit, die inzwischen verschwunden ist.

Wie viele Menschen erinnern sich noch daran, dass Israel im Juni 1967 in einem Akt der Selbstverteidigung die Pläne der wahren Aggressoren vereitelte: die Sowjetunion, die die arabischen Staaten veranlasste eine Krise zu schaffen. Diese Führer waren Gamal Abdel Nasser in Ägypten, der eine Allianz mit König Hussein von Jordanien und Hafez al-Assad in Syrien zur Vernichtung des jüdischen Staates aufbaute. Und wie viele wissen, dass die ägyptische Blockade der Straße von Tiran im Mai 1967 eine Kriegshandlung war?

Diese Studie hat das Ziel Marc Blochs Empfehlungen zu folgen, die Lüge als eine Art Beweis zu betrachten („un mensonge en tant que tel est a sa façon un témoignage") und wo weit möglich ihre Herkunft und Motive festzustellen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Umkehrung der Realität das wesentliche Merkmal eines Medienkrieges gegen Israel gewesen und hat beträchtlichen Schaden angerichtet. Ihre Grundunwahrheit liegt in der Beschuldigung, dass Israel der Aggressor ist und – in jüngster Zeit – dass Muslime Opfer von Vorurteilen und „Islamophobie" sind. Der Zweck dieser Lüge ist die Legitimität des jüdischen Staates zu verneinen, um Israel seines souveränen Rechts auf Selbstverteidigung zu berauben und die Rechtfertigung zukünftiger Aggressionen gegen Israel und Gewalt gegen Juden in der Diaspora zu liefern. Diese Propagandamethode entstammt direkt dem paranoiden Mythos des Dritten Reiches, der das Weltjudentum als darin begriffen darstellte Deutschland und sein Volk zu vernichten. Sie ist totalitär in ihrem Vorgehen und in der „absoluten" Natur ihres telos, ihrer logischen Konsequenz. Sie lehnt alle israelischen Ansprüche total ab und lässt keinen Raum für Selbstprüfung und Kompromiss. Man folgt der selben Strategie, die die internationale Gemeinschaft gegenüber Südafrika anwandte; das langfristige, strategische Ziel der Feinde Israels ist die Vernichtung des jüdischen Staates, auch wenn es Jahre dauern wird. In diesem Fall deckt die Wahl der Mittel das Endziel derer auf, die auf sie zurückgreifen.

Israel seinerseits hat das strategische Bedürfnis sich auf dem Schlachtfeld zu verteidigen; um dieses souveräne Recht auszuüben, muss es seine Legitimität im Forum der öffentlichen Meinung effektiv verteidigen. Daher muss Israel zuerst die Art des Krieges erkennen, in die es verwickelt ist und dann auf Grundlage solider Informationen eine angemessene Strategie ausarbeiten.[80]

Es wäre ein Fehler die moralische Dimension dieses Problems außer Acht zu lassen. Wie schon erwähnt, hat Goebbels geltend gemacht: „Propaganda an sich ist weder gut noch schlecht. Ihr moralischer Wert wird durch die Ziele bestimmt, die erreicht werden sollen."[81] Weil das Grundprinzip der Umkehrung der Realität die Verletzung der Wahrheit mit sich bringt, was zu einer Umkehrung der Moral und der moralischen Verantwortung führt, ist diese Vorgehensweise inhärent mit Fehlern behaftet. Man kann nicht Lügen im Dienste einer „Größeren Wahrheit" benutzen, ohne zum Lügner zu werden. In den meisten Fällen, in denen man im Dienst einer „Größeren Wahrheit" lügt, wird diese so genannte „Wahrheit" sich als weitere Lüge herausstellen. In sich kann die Umkehrung von Wahrheit und Realität niemals als moralisch positiver Zweck dienen.

Kann eine Sache wahre Rechtschaffenheit besitzen, wenn sie mit dem Mittel der Unwahrheit vorangetrieben werden muss? Über die besonderen Umstände hinaus stellt die Umkehrung der Wahrheit einen Angriff auf die Grundlagen der modernen Kultur dar, die sich auf empirisches und rationales Denken gründet. Wenn dieser Angriff Erfolg hat, gibt es die Gefahr, dass der Sprache die Grundlage entzogen wird und die Gesellschaft in einen Zustand der Anomie zurück entwickelt. Es gibt daher die dringende Notwendigkeit die Lügen offen zu legen, die Teil des Medienkrieges geworden sind und diejenigen zu diskreditieren, die sie verbreiten.


Dr. Joel Fishman ist ein Fellow am Jerusalem Center for Public Affairs und Vorsitzender der Foundation for the Research of Dutch Jewry an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er ist Autor von „Ten Years Since Oslo: The PLO’s ‚People’s War’ Strategy and Israel’s Inadequate Response", Jerusalem Center for Public Affairs, Jerusalem Viewpoints Nr. 503, 1. September 2003 und Co-Autor (mit Efraim Karsh) von La Guerre d’Oslo (Der Oslo-Krieg, Paris, Editions de Passy, 2005). Dr. Fishman forscht zu politischer Kriegsführung, insbesondere zur Medien-Kriegsführung und Propaganda.


Der Autor möchte die freundliche Hilfe und den Rat von Prof. Jeffrey Herf von der historischen Abteildung der Universität of Maryland würdigen, ebenso die von Dr. Matthias Küntzel von der Technischen Hochschule Hamburg und Research Fellow am Vidal Sassoon-Institut der Hebräischen Universität, Dr. Daphne Burdman, Research Associate am Truman Institute der Hebräischen Universität; Herrn Amnon Lord aus Jerusalem und Dr. Shaul Baumann, Mitglied des Vidal Sassoon-Institut der Hebräischen Universität.


Anmerkungen

[1] Z.B. Leon Poliakov, De l'antisionisme a l'antisémitisme (Paris: Calman Levy, 1969) [French]; Institute of Jewish Affairs, Soviet Antisemitic Propaganda: Evidence from Books, Press and Radio (London: Institute of Jewish Affairs, 1978); Robert Wistrich, Hitler's Apocalypse: Jews and the Nazi Legacy (London: Weidenfeld & Nicolson, 1985); Bernard Lewis, Semites and Anti-Semites (New York: W. W. Norton, 1986). Im Zusammenhang damit s. auch: Kevin Coogan: Dreamer of the Day. Francis Parker Yockey and the Postwar Fascist International Autonomedia, New York, 1999.
[2] Siehe Yigal Carmon: Was ist arabischer Antisemitismus? In: Klaus Faber, Julius H. Schoeps, Sacha Stawski (Hg.): Neu-alter Judenhass: Antisemitismus, arabisch-israelischer Konflikt und europäische Politik (Berlin, Verlag für Berlin-Brandenburg, 2006), S. 210. Carmon schreibt:

Trotz all dieser offenkundigen Erscheinungen wurde der Antisemitismus in der arabischen Welt sogar in Israel lange ignoriert. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, hat die überwältigende Mehrheit der Nahostexperten in und außerhalb Israels das Thema gemieden. Dabei spielt es sicherlich eine Rolle, dass das zionistische Projekt das Problem des Antisemitismus ja eigentlich lösen wollte. Die Feststellung, dass ein Hass, dem die Juden glaubten entkommen zu sein, sie auch im Nahen Osten traf, wollten viele lieber nicht wahrhaben. Auch die begründete Befürchtung, dass die Aufdeckung antisemitischer Stimmungen auf arabischer Seite eine politische Unnachgiebigkeit in Israel eher noch verfestigen und solchen politischen Gruppen in die Hände spielen würde, die jeden territorialen Kompromiss ablehnen, mag zu dieser Verleugnung beigetragen haben.

S. auch: Martin Kramer: Ivory Towers on Sand. The Failure of Middle Eastern Studies in America (Washington Institute for Near East Policy, Washington, D.C. 2001).
[3] Marc Bloch: The Historian’s Craft. Übers. von Peter Putnam, Vitange Books, New York 1953, S. 93
[4] Marc Bloch: Apologie pour l’histoire ou Métier d’historien. Annot par Etienne Bloch, Arman Colin, Paris 2004, S. 96.
[5] Philip M. Taylor: Propaganda from Thucydides to Thatcher: Some Problems, Perspectives and Pitfalls” (1992)
http://ics.leeds.ac.uk/papers/vp01.cfm?outfit=pmt&requesttimeout=500&folder=25&paper=48.
[6] "Goebbels über Propaganda”. Der Kongress zu Nürnberg 1934. Zentralverlag der NSDAP, Frz. Eher Nachf., München 1934, S. 130-141, zitiert nach Phil Taylors Internetseite http://ics.leeds.ac.uk/papers/vp01.cfm?outfit=pmt&requesttimeout=500&folder=25&paper=48.
[7] Jeffrey Herf: The Jewish enemy: Nazi Propaganda during World War II and the Holocaust. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge 2006, S. 270-271.
[8] ebenda, S. 51-52.
[9] ebenda, S. 64-65.
[10] Ernst H. Gombrich: Myth and Reality in German Wartime Broadcasts. University of London, The Athlone press, London 1970, S. 14, 23. Der Autor dankt Dr. Matthias Küntzel für seinen Hinweis.
[11] ebenda, S. 23.
[12] Pierre-Andre Taguieff: Rising from the Muck (übers. V. Patrick Camiller), Ivan R. Dee, Chicago 2004, S. 62.
[13] ebenda, S. 69.
[14] www.thefirstpost.co.uk/atoz.php.
[15] Melanie Philipps: The Monstrous Inversion, 6. Januar 2006, www.melaniephillips.com/diary/?p=1100.
[16] Mark Landler: German-Polish Ties Plummet to New Low. Post-World War II Treaty Is Challenged, International Herald Tribune, 22. Dezember 2006.
[17] Philip M. Taylor: British Propaganda in the Twentieth Century. Edinburgh University Press, Edinburgh 1999, 27-29.
[18] ebenda, S. 23.
[19] Campbell Stuart: Secrets of Crewe House: The Story of a Famous Campaign. Hodder & Stoughton, London 1920, S. 64.
[20] Taylor: British Propaganda, S. 56-57.
[21] The Christian Century, zitiert von Robert Jan van Pelt: The Case for Auschwitz: Evidence from the Irving Trial. Indiana University Press, Bloomington 2002, S. 133-34.
[22] ebenda, S. 133.
[23] Taylor: British Propaganda, S. 231.
[24] Carl J. Friedrich: The Rise of Totalitarian Dictatorship. In: Jack J. Roth (Hg.): World War I: A Turning Point in History. Knopf, New York 1968, S. 53-54.
[25] Hitler über feindliche Kriegspropaganda in: Mein Kampf, Band 1, Kapitel 6, S. 203. (engl. auf Phil Taylors Internetseite: http://ics.leeds.ac.uk/papers/vp01.cfm?outfit=pmt&folder=715&paper=2499). Siehe insbesondere: Eberhard Jäckel: Hitler's World View: A Blueprint for Power, übers. von Herbert Arnold, Harvard University Press, Cambridge 1981. Gombrich, Myth and Reality, S. 4.
[26] Mein Kampf, Band 1, Kapitel 10, S 252f.
[27] Friedrich, S. 57.
[28] E. H. Carr erklärte: „Die Bolschewiken stellten, als sie die Macht in Russland übernahmen, fest, dass sie verzweifelt schwach bezüglich gewöhnlicher militärischer und wirtschaftlicher Waffen für internationale Konflikte waren. Ihre prinzipielle Stärke lag in ihrem Einfluss auf die Meinung in anderen Staaten; daher war es natürlich und notwendig, dass sie diese Waffe auf die größtmögliche Weise ausnutzten." E.H. Carr: Propaganda in International Politics. Clarendon Press, Oxfort 1939, S. 13.
[29] Hannah Arendt: The Origins of Totalitarianism. Meridian, New York 1958, 2. Auflage, S. 361.
[30] Omer Bartov: Hitlers Wehrmacht. Soldaten, Fanatismus und die Brutalisierung des Krieges. Rowohlt, Reinbek 1995, S. 163 (Kapitel 4: Die Verzerrung der Wirklichkeit); engl.: Hitler’s Army: Soldiers, Nazis, and War in the Third Reich. Oxford University Press, New York 1991, S. 106.
[31] ebenda.
[32] ebenda, S. 140, 141.
[33] Matthias Küntzel: Jihad und Judenhass: Über den neuen antijüdischen Krieg (Freiburg: ca ira, 2002), 50-51. Misha Louvish (Hg.): A People that Dwells Alone. Speeches and Writings fo Yaakov Herzog. Weidenfeld and Nicholson, London 1975, S. 21.
[34] Jennie Lebel: Haj Amin ve-Berlin (Haj Amin and Berlin). Tel Aviv 1996, S. 210-13 [Hebräisch]. Siehe auch Sanche de Gramont:"Nasser's Hired Germans, Saturday Evening Post, 13.-20. Juli 1963, S. 60-64.
[35] Kurt P. Tauber: Beyond Eagle and Swastika. German Nationalism since 1945. Wesleyan University Press, Middletown, CT 1967, II, S. 1115. Der Autor steht für diesen Hinweis in der Schuld von Kevin Coogan.
[36] Matthias Küntzel: Jihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg. Ca ira, Freiburg 2002, S. 51.
[37] Beschreibung durch Kurt P. Tauber: Beyond Eagle and Swastika, II, S. 1269
[38] Bundesarchiv-Findmittelinfo, www.bundesarchiv.de/foxpublic/C22B50860A062212000000001FEE00A6/findmittelinfo.html. Siehe auch Robert S. Wistrich: Who's Who in Nazi Germany. Routledge, London 1995, S. 153.
[39] Schaul Baumann: The German Movement of Faith and Its Founder Jakob Wilhelm Hauer (1881-1962), Dissertation, Hebräische Universität 1998, S. 241, Anmerkung 49. Siehe auch: Ulrich Nanko: Die Deutsche Glaubensbewegung: Eine historische und soziologische Untersuchung. Diagonal-Verlag, Marburg 1993.
[40] Karla Poewe: New Religions and the Nazis. Routledge, New York und London 2006, S. 25.
[41] Schaul Baumann, Die Deutsche Glaubensbewegung und ihr Gruender Jakob Wilhelm Hauer (1881-1962), übers. von Alma Lessing, Diagonal-Verlag, Marburg 2005, S. 171, Anmerkung 358.
[42] Emil L. Fackenheim: To Mend the World: Foundations of Post-Holocaust Jewish Thought. Indiana University Press, Bloomington und Indianapolis 1994), S. 184.
[43] ebenda, Fußnote.
[44] Siehe Jeffrey Herf: Convergence: The Classic Case, Nazi Germany, Anti-Semitism and Anti-Zionism during World War II. The Journal of Israeli History 25: 1(März 2006), S. 66-79. Hier macht Herf fest, dass es offizielle Politik war und "Teil der breit angelegten strategischen Anstrengung", die sich in Presseanweisungen und Texten von selbst widerspiegelt, „um die Araber auf die Seite der Achsenmächte zu ziehen" (S. 67). Dies resultierte in „der Konvergenz von Antisemitismus und Antizionismus im Naziregime..." (S. 72).
[45] http://en.wikipedia.org/wiki/Mellah.
[46] „Judentum und Islam als Gegensätze“, Die Judenfrage, Vol. 6, No. 24, 15. Dezember 1942, S. 278, zitiert und wiedergegeben von Herf: The Jewish Enemy, S. 181.
[47] Gerald Fleming: Hitler and the Final Solution. University of California Press, Berkeley 1984, S. 101-105. Dieses Kapitel beschreibt den Besuch des Ex-Muftis bei Hitler am 21. November 1941 und beinhaltet das Protokoll ihres Gesprächs.
[48] Maurice Pearlman: Mufti of Jerusalem: The Story of Haj Amin el Husseini. Gollancz, London 1947, S. 64.
[49] Lebel: Haj Amin, S. 212.
[50] Les amis de Rassinier.
[51] http://en.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Leers.
[52] Bundesarchiv-Findmittelinfo.
[53] Wistrich: Hitler’s Apocalypse, S. 176.
[54] Lewis: Semites and Anti-Semites, S. 207.
[55] Mikhail Heller, Aleksandr M. Nekrich: Utopia in Power: The History of the Soviet Union from 1917 to the Present. übers. von Phyllis B. Carlos, Summit Books, New York 1986, S. 670:

Der Sechstage-Krieg von 1967 eröffnete ein neues Kapitel in der Geschichte des sowjetischen Antisemitismus. Nach ihm hörten die Behörden auf sich wegen des Antisemitismus zu schämen und er erhielt volle Rechte. Der Zionismus wurde zum neuesten genehmigten und autorisierten Objekt des Hasses, genauso wie die Kleinkapitalisten, Saboteure und Kulaken es einst waren. In Büchern und Zeitschriften, die in Millionenauflage veröffentlicht wurden, und dann in Filmen und Fernsehsendungen wurde der Zionismus als größte Bedrohung des sowjetischen Staates dargestellt. Eine Permanente Kommission wurde unter Sozialwissenschaftlichen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR eingerichtet, „um die Forschung zu koordinieren, die der Aufdeckung und Kritik der Geschichte, Ideologie und praktischen Aktivitäten des Zionismus gewidmet war".

[56] Stefan T. Possony: Waking Up the Giant. Arlington House, New Rochelle, NY 1974, S. 473. Dieses Buch in in der Form eines fiktionalen Berichts geschrieben, aber der Autor befindet, dass seine Bezugnahmen zufriedenstellend verlässlich sind.
[57] Poliakov: De l'antisionisme, S. 147. Nach Martin A. Lee war der Titel des fraglichen Pamphlets: „Amerika – eine zionistische Kolonie". Martin A. Lee: The Beast Reawakens, Routledge, New York 2000, S. 168.
[58] Die gleiche Sprache: Erst für Hitler, jetzt für Ulbricht. Pressekonferenz von Simon Wiesenthal am 6. September 1968 in Wien. Deutschland-Berichte, Bonn 1968.
[59] Siehe besonders: J. H. Brinks: Political Anti-Fascism in the German Democratic Republic. Journal of Contemporary History, Bd. 32 Nr. 2 (April 1997), S. 214. Der Autor dankt Alexander Arndt, Praktikant aus Aspen bei der JCPA, für den Hinweis.
[60] Yuri Ivanov: Ostorozno: sionizm! Zitiert bei William Korey: Russian Antisemitism, Pamyat, and the Demonology of Zionism. Harwood Academic Publishers, Chur (Schweiz) 1995, S. 20, Anmerkung 20.
[61] Prawda, 9. März 1969, zitiert nach Korey: Russian Antisemitism, S. 21 und Anmerkung 21.
[62] Über den Gebrauch von Schlagwörtern in sowjetischer Propaganda s. Joel Fishman: The Cold-War Origins of Contemporary Antisemitic Terminology, Jerusalem Viewpoints Nr. 517, Jerusalem Center vor Public Affairs, 2.-16. Mai 2004, http://www.jcpa.org/jl/vp517.htm.
[63] Bernard Lewis: The Anti-Zionist Resolution. Foreign Affairs, Oktober 1976, S. 54.
[64] Bat Ye'or: Eurabia: The Euro-Arab Axis. Fairleigh Dickinson University Press, Madison/Teaneck, NJ 2005, S. 44. In diesem Zusammenhang ist von Interesse Ruth R. Wisse: Israel and the Intellectuals: A Failure of Nerve? Commentary, Mai 1988, S. 19. In diesem ausgezeichneten Aufsatz wirft Wisse die Frage von Präsident Charles de Gaulles „moralischer Umkehrung von Begriffen" in seinen Vorwürfen an Israel auf.
[65] Bertrand Russell: "Open Letter to Wladyslaw Gomulka". World Jewry, Bd. 11, Nr. 6 (November-December 1968), S. 8; erstmals zitiert in Possony: Waking up the Giant, S. 473.
[66] Richard Pipes: Some Operational Principles of Soviet Foreign Policy", in M. Confino/S. Shamir (Hg.): The U.S.S.R. and the Middle East. Israel Universities Press, Jerusalem 1973, S. 19, 20. Die israelischen Forscher Gidon Remez und Isabella Ginur haben unter Nutzung russischer Quellen herausgefunden, dass die Sowjetunion 1967 tatsächlich eine große Invasion Israels plante, aber überrascht wurde. Ihre wichtige Studie verbessert unser Verständnis der strategischen Ziele der Sowjets udn die die Rolle der Sowjets bei der Verursachung des Sechstage-Krieges. S. Isabella Ginor/Gideon Remez: Foxbats over Dimona. The Sovjets' Nuclear Gamble in the Six-Day War. Yale University Press, New Haven & London, 2007.
[67} From Russia with Terror. Interview von Ion Mihai Pacepa durch Jamie Glazov, 1. März 2004, http://www.frontpagemag.com/Articles/Printable.asp?ID=12387.
[68] Y. Harkabi: The Palestine Covenant and its Meaning. Vallentine, Mitchell, London 1979, S. 12, 13.
[69] Siehe Khaled Abu Toameh: Kaddoumi: PLO Charter Was Never Changed. Jerusalem Post, 23. April 2004.
[70] http://www.palestinecenter.org/cpap/documents/charter.html.
[71] ebenda, wie von Matthias Küntzel zitiert: Islamic Antisemitism and Its Nazi Roots. Antisemitism International ([SICSA] 2004), S. 47.
[72] Alex Grobman: Nations United. Balfour Books, Green Forest, AR 2006, S. 37-48. Siehe auch: Yohanan Manor: To Right a Wrong: The Revocation of the UN General Assembly Resolution 3379 Defaming Zionism. Shengold, New York 1996).
[73] Abraham Cooper/Harold Brackman: Through a Glass, Darkly: Durban and September 11th. Midstream, November 2001, S. 2.
[74] Zu Mary Robinsons beständig parteiischer Rolle, s. besonders Tom Lantos: The Durban Debacle: An Insider’s View of the UN World Conference against Racism. Fletcher Forum of World Affairs, Bd. 26, Nr. 1 (2002) und abgedruckt beim Institute of the World Jewish Congress, Jerusalem 2002.
[75] Anne Bayefsky: The UN World Conference against Racism: A Racist Anti-Racism Conference. ASIL Proceedings (2002), S. 67.
[76] Lewis: Anti-Zionist Resolution, S. 54.
[77] Convergence: The Classic Case, Nazi Germany, Anti-Semitism and Anti-Zionism during World War II.
[78] Bayefsky: UN World Conference, S. 65, 74; Cooper/Brackman: Through a Glass, S. 2.
{79] Hannah Arendt: Truth and Politics. In: Between Past and Future, Viking Press, New York 1954, S. 239.
[80] Carl von Clausewitz schrieb, dass Krieg ein Mittel der Politik ist und dass der Staatsmann und Kommandeur entscheiden muss, auf welche Form des Krieges sie sich einlassen. On War, überarbeitet und übersetzt von Michael Howard und Peter Paret, Princeton University Press, Princeton 1984 [Book I, Chapter 1, item 27], S. 88-89.
[81] Goebbels über Propaganda.

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Übersetzung aus dem Englischen: H.Eiteneier