National Review online, 21. Juni 2002 Original: An Insanely Bad Idea |
Eine schwachsinnige Idee John Derbyshire |
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O, der Nahe Osten, der Nahe Osten. Jeder hat eine Meinung und die Meinungen werden meistens mit glühender Leidenschaft vertreten. Das schafft natürlich Verbitterung. Sie kennen mich: der ironische, liebenswerte, lockere alte Derb. Ich hasse Verbitterung und will nichts damit zu tun haben, wenigstens heute. Um es genau zu sagen: Ich werde mich von Verbitterung fern halten.
Lasst uns alle Verbitterung scheuen. Lasst uns versuchen etwas zu finden, ein kleines Etwas in dem ganzen, trüben Durcheinander dort unten, auf das wir uns alle (nein, das ist zu viel verlangt: die meisten von uns) einigen können. Ich werde einen Punkt vortragen, dessen Diskussion ich weit gehend vermisse, der mir aber in Logik, Geschichte, Politikwissenschaft und normalem Menschenverstand ziemlich unanfechtbar zu sein scheint.
Hier ist er: Alle rechtschaffen denkenden Menschen sollen darin überein stimmen, dass eine Art palästinensischer Staat notwendig ist. Ich bin mir da nicht so sicher, wie ich an dieser Stelle mehr als einmal gesagt habe; aber um der Auseinandersetzung Willen wollen wir den gut Denkenden folgen und das als gegeben annehmen. Es wird also einen palästinensischen Staat geben. Wie sollte er aussehen? Das ist hirnlos und jeder kann mir die Antwort geben, ohne darüber nachzudenken (was - das nicht darüber nachdenken - Teil dessen ist, wo ich hin will). Der palästinensische Staat wird aus der Westbank und dem Gazastreifen bestehen. Was bedeutet, dass er aus zwei nicht verbundenen Stücken Territorium besteht, am engsten Punkt von 48 km Land getrennt, die einem nicht freundlich verbundenen Staat gehören. Können wir bitte darin überein stimmen, dass das eine schwachsinnig schlechte Idee ist?
Geschichte gründet sich auf Geographie und die äußeren Formen eines Staates haben tief gehende Folgen. Genau diese Idee eines Staates in zwei oder mehr Teilen, von Landmasse getrennt, hat einen extrem negativen Leumund.
Der jüngste Versuch einen solchen Staat zu schaffen, war die Originalversion Pakistans von vor 1971, das aus dem heutigen Pakistan und dem heutigen Bangladesch bestand, die nicht von 48, sondern 1600 Kilometern unfreundlichen Territoriums getrennt waren! Diese monumental dumme Idee machte für alle Entscheidungsträger damals (1947) Sinn; eine Tatsache, die auch dadurch nicht verständlicher wird, wenn man sich erinnert, dass jeder von ihnen entweder Diplomat war oder Rechtsanwalt, sozialistischer Politiker, islamischer Theokrat oder ein Mitglied der britischen Königsfamilie. Wie durch ein Wunder blieb das Ding 24 Jahre lang zusammen, bevor es in einem grausamen Blutbad im zweiten, dritten, vierten oder wie vielten auch immer indisch-pakistanischen Krieg von 1971 auseinander brach. Im heutigen East End von London kämpfen immer noch Jugendliche aus Familien aus Pakistan und Bangladesch in regelrechten Straßenschlachten, während die Jugend indischer Familien auf dem Weg von der Arbeit als Börsenmakler in der Stadt nach Hause in die Vorstädte im Porsche vorbei fährt.
Ein früherer Versuch, einen Staat aus zwei nicht zusammenhängenden Teilen zu bilden, war die Versailler Konferenz von 1919, als die siegreichen Alliierten des Ersten Weltkriegs die Landkarte Europas neu zeichneten. Sie waren ganz erpicht auf die Schaffung einer freien Nation Polen. (Die Polen waren seit 1795 Teil des russischen Reiches gewesen. [HE: aber auch Preußens!]) Wenn diese Nation lebensfähig sein sollte, musste sie natürlich Zugang zur Ostsee haben - das war dann auch der 13. Punkt in Wilsons berühmten 14 Punkten. Unglücklicherweise konnte das nur erreicht werden, indem man die Deutschen in Ostpreußen in einer Enklave abschnitt, die vom übrigen Deutschland getrennt war. Deutschland in zwei getrennten Teilen zurückzulassen machte den Alliierten kein Kopfzerbrechen. Die dummen Deutschen hatten den Krieg schließlich verloren. Und so war der "Danziger Korridor" geboren - und der Rest ist, wie wir wissen, Geschichte.
Noch weiter zurück liegend, in der frühen Neuzeit, bestand Spanien aus zwei Teilen. Es gab Spanien, nun ja, wie in Spanien, und es gab die spanischen Niederlande. Daraus entstanden so ungefähr 150 Jahre chronischen Krieges (und eine hervorragende Verdi-Oper). Vorher gehörten dem englischen Königreich Teile von Frankreich, ein Zustand, der zu einem Krieg führte, der tatsächlich der "Hundertjährige Krieg" genannt wird (ganz zu schweigen von einigen schönen Schauspielen von William Shakespeare und einem von G. B. Shaw). Davor...
Habe ich mich klar ausgedrückt? Wollen Sie mehr? Etwas zu Nagorny-Karabach? Schleswig-Holstein? Kaliningrad? (Na gut, das hat jetzt noch keinen Krieg verursacht. Warten wir es ab.)
Gegenbeispiele? Klar, ich lebe in einem. Alaska ist ein Teil von Nordamerika, das zu den USA gehört, aber nicht an sie grenzt. Ja, ja, aber die Beziehungen zwischen den USA und Kanada sind nicht gerade ein Fall für größere Meinungsverschiedenheiten. Und wer will schon in Alaska leben? Haben Sie sonst noch was? Das alte Königreich Hannover? Na, Mahlzeit.
Neulich hörte ich, wie irgend so ein Fernseh-Schwätzer erklärte, es sei eine gute Idee, wenn die Westbank und der Gazastreifen nach der Gründung eines palästinensischen Staates von einer "Stelzen-Autobahn" verbunden würden. Das würde (so erklärte er) den Israelis minimale Sorgen bringen und der Westbank Zugang zum Meer. Ich saß da und sah diesem Menschen zu, der nach meiner Erinnerung keine Bananen in den Ohren stecken hatte und dachte mir: "Du, Mann, bist verrückt, bescheuert, gestört, plem-plem, meschugge; du machst dir doch was vor."
Ist jemand anderer Meinung?
Übersetzung aus dem Englischen: H.Eiteneier