Warum lebst du hier?
Daniel Gordis, 18. März 2009
Original
Da sitzen wir also am Sabbat-Mittagstisch, Gäste von Freunden, die wir viel zu lange nicht gesehen hatten. Wir sind drei Paare, alles Einwanderer, jedes mit Kindern im Alter von 22 (mit Freund) bis 4 (ohne Freund). Und ein weiteres Paar, die Eltern unserer Gastgeber, die aus den Staaten zu Besuch sind, beide bekannte und hoch angesehene Akademiker. Irgendwann, mitten im Essen, fragte die Mutter der Gastgeberin, deren akademisches Feld „Identität“ ist, uns alle, ohne den geringsten Ansatz von Ironie oder Herablassung: „Könnt ihr mir bitte erklären, warum ihr euch entschieden habt hier zu leben? Was hat euch dazu gebracht zurückzulassen, was ihr hattet, und hierher zu kommen?“
Lange hatte uns niemand, das war klar, diese Frage gestellt. Es dauerte ein paar Minuten, bis einer eine Antwort formuliert hatte, obwohl die Antworten dann flossen. Aber darauf werden wir zurückkommen.
Vor ein paar Tagen ... In dieses Land zurückzukehren ist kompliziert. Ich landete letzten Dienstag nach einem Trip in die USA und traf meinen regelmäßigen Fahrer außerhalb der Gepäckausgabe. Als wir das Flughafengelände verließen, fragte er mich: „Willst du die Nachrichten hören?“
Das ist eine gefährliche Frage und er wusste das. Einerseits bist du wieder Zuhause und du willst wissen, was los ist. Also denkst du, du solltest die Nachrichten hören. Andererseits sind die Nachrichten oft nicht allzu gut und es kann etwas zu viel sein, nachdem man gerade einen langen Flug hinter sich gebracht hat. Aber wir schalteten sie sowieso ein und bekamen die volle Ladung: die andauernden Koalitionsverhandlungen, die Möglichkeit, dass Liebermann zum Außenminister ernannt wird, die fortgesetzten, vergeblichen Verhandlungen zur Freilassung von Giald Shalit, die Zahl der Tage, die er jetzt gefangen gehalten wird (zu diesem Zeitpunkt mehr als 990), die anhaltende, ernste Wasserknappheit trotz des Regens, Schätzungen, wie nahe der Iran ist eine Atombombe zu bekommen und was die (langsam) ins Amt kommende Regierung deswegen unternehmen oder nicht unternehmen wird, die fortgeführte Untersuchung des (ehemaligen) Präsidenten Mosche Katzav wegen Vergewaltigungsvorwürfen (ja, Vergewaltigung). Und dann ein wenig Sport – daran erinnere ich mich nicht mehr.
Kein Wunder, dass er mich fragte, ob ich die Nachrichten anhören wollte. Nachdem ich eine Woche weg war und nach einem langen Flug war es eine ziemlich heftige Erinnerung daran, was es bedeutet nach Hause zu kommen. Warum, kann tatsächlich gefragt werden, entscheidet man sich hier zu leben?
Wir kurvten die Straße nach Jerusalem hinauf und im Viertel Rechavia wurde das zu einem Kriechen im immer vorhanden Verkehr. Wir fuhren an dem vorbei, was einmal das Café Moment war, wo, wie ich schon einmal beschrieb, die Schwester meines Fahrers bei einem Bombenanschlag getötet wurde. Ihr Bild befand sich lange auf seinem Armaturenbrett. Jetzt ist es nicht mehr dort. Aber es wird im Wagen immer still, wenn wir dieses Gebäude passieren. Diesmal sprach er. Schnelle fünf Worte auf Hebräisch: „Danny, gestern warn‘s fünf Jahre.“ Ich sagte nichts. Was kann man schon sagen?
Fünfzig Meter weiter hatte gab es eine kleine Ansammlung von Menschen. Es war der fortgeführte Protest, um Gilad Shalit aus der Gefangenschaft zu holen, egal, was es kostet. Seine Eltern, wusste ich, waren in dem Zelt. Und ich dachte, es wäre richtig anzuhalten, auszusteigen und hinzugehen, um ihnen etwas zu sagen. Es war nicht so, als stünden tausende Leute dort. Ich wusste, ich hätte zu ihnen gehen können. Und einfach etwas sagen, irgendetwas. Was, da war ich nicht sicher. Aber es musste einfach etwas gesagt werden.
Aber es gab eine Menge Verkehr, ich war hungrig, weil ich fast den ganzen Flug über gefastet hatte (als wir abhoben, war Esther-Fasten), müde, weil ich nicht geschlafen hatte und ich wollte eine Dusche; und ich war sicher, dass mein Fahrer nicht in der Stimmung war auf mich zu warten. Also sagte ich nichts und er fuhr mich nach Hause.
Doch den ganzen Tag über quälte mich das. Ich war direkt an ihnen vorbei gefahren worden und hatte nicht angehalten. Was war daran richtig, fragte ich mich. Dass ich ein wenig hungrig war? Sie haben mit viel mehr zu tun als ein wenig hungrig zu sein. Dass ich nach dem langen Flug duschen wollte? Sie leben in einem Zelt. Dass mein Fahrer es eilig haben könnte? Sicher versteht er angesichts dessen, was ihm seiner Familie nur ein paar Meter weiter zustieß, wie wichtig öffentliche Unterstützung für eine Familie sein kann.
Am nächsten Tag, im Jerusalem war Purim, dachte ich weiter über die Tatsache nach, dass ich vorbeigefahren war und nicht angehalten hatte. Und immer noch unternahm ich nichts. Und dann ging ich zurück an die Arbeit. Und dann war Sabbat. Ich dachte daran jetzt hinzugehen, aber wir hatten das oben erwähnte Mittagessen, danach regnete es leicht und wir hatten versprochen meine Eltern besuchen zu gehen. Also ging ich auch am Sabbat nicht hin.
Am Montag gingen mir dann die Entschuldigungen aus. Ich konnte mich immer noch in dem Taxi sehen, einfach vorbeifahrend und mit jeder Stunde, die verging, fühlte ich mich zunehmend schlecht. Gegen Ende des Arbeitstages rief ich also meine Frau an. Der Wagen, sagte sie, stand Zuhause. Ich ging nach Hause, stieg ins Auto und fuhr zum Haus des Premierministers. Überraschenderweise – und traurigerweise – hatte ich keine Probleme damit einen Parkplatz zu finden. Nur ein paar Meter weiter befand sich der „Protest“, so wie er stattfand, in Hochgeschwindigkeit. Es gab zahlreiche Plakate; ein Verwandter eines Terroropfers hielt ein Schild hoch, auf dem stand: „Befreit die, die unsere Lieben umbrachten, um Gilad Shalit zurückzuholen.“ Dazu ein paar Dutzend Leute. Ich sah Shalits Vater nicht, aber seine Mutter war da und sprach mit jemandem. Ich wartete ein paar Minuten und als sie frei war, ging ich zu ihr.
Was kann man sagen, das nicht völlig banal ist? Ich sagte das, von dem ich glaubte, dass es am wenigsten absurd sein würde und wir unterhielten uns ein paar Minuten. Sie dankte mir, dass ich gekommen war, ich wünschte ihr alles Gute, nahm ein paar Aufkleber vom Tisch und gab einer jungen Frau meine Telefonnummer – sie wollte SMS-Nachrichten schicken können, wenn sie kurzfristig eine massive Demonstration brauchten. Dann ging ich zurück zum Auto.
Als ich in die Innenstadt fuhr, um etwas abzuholen, das wir für das Haus bestellt hatten, konnte ich das Gesicht von Shalits Mutter nicht aus Kopf bekommen. Obwohl ich mir vorstellen konnte, dass sie in etwa in meinem Alter ist, sieht sie alt genug aus, um meine Mutter zu sein. Als ich versuchte mir vorzustellen, wie es sein würde das Leben zu leben, das sie leben, begannen sich die Zweifel, die ich lange wegen des Handels hatte (die meine Frau nicht teilt) zu verflüchtigen. Als ich in das Geschäft in der Innenstadt erreichte und der Mann, von dem wir die Dinge gekauft hatten, sie einwickelte, erzählte ich ihm, wo ich gewesen war. Wir kennen ihn locker, seit Jahren, aber ich weiß nicht allzu viel von ihm. Er ist ein Einwanderer (und er glaubt offensichtlich an dieses Land). Er ist ein außerordentlich netter Typ. Er trägt keine Kippa. Und er ist ein außergewöhnlicher Künstler. Das ist alles, was ich weiß.
Er wickelte die Dinge ein, hörte mir zu und sagte: „Nun, ich bin wahrscheinlich in der Minderheit in diesem Land, aber ich bin gegen diesen Austausch. Wir hören auf mit solchem Handel, sie hören auf Soldaten zu entführen. Wir machen diesen Handel und wir betteln einfach darum, dass sie einen weiteren entführen.“ Er wickelte alles fertig ein, nahm meine VISA-Karte, sah mich an und sagte: „Aber Gott sei Dank muss ich das nicht entscheiden. Das ist zu schlimm.“ Und dann machte er im Grunde klar, dass er nicht weiter darüber reden wollte, dass er nicht weiter darüber reden konnte. Normalerweise unterhalten wir uns in seinem Geschäft etwas. Diesmal fast gar nicht. Was gab es auch zu sagen?
Er stempelte meinen Parkschein und ich verließ das Geschäft mit einem kurzen Dank.
Micha kam kurz nach mir nach Hause und sah die Aufkleber auf meinem Schreibtisch. „Wo hast du die her?“, wollte er wissen. Ich erzählte ihm von meinem Nachmittag. „Du hast mit seiner Mutter gesprochen?“ Ich sagte ihm, dass ich das hatte. „Was hast du gesagt?“ Was gab es zu sagen? Das fragte ich ihn mehr oder weniger.
„Kann ich diesen haben?“, fragte er und hielt den Aufkleber hoch, auf dem „Hatzilu“ stand – „Rettet mich!“ – in Hnadschrift, die von einer Notiz übernommen war, die Shalit vor vielen Monaten aus der Gefangenschaft geschrieben hatte. „Sicher“, sagte ich, ein wenig überrascht, dass er ihn haben wollte.
„Wie war seine Mutter so?“, fragte er mich plötzlich. Ich sah von meinem Computer auf. „Ich habe sie nicht richtig kennen gelernt“, sagte ich ihm. „Sie ist ziemlich traurig. Aber heute sieht es gut aus. Er könnte tatsächlich frei kommen. Die Verhandlungen gehen weiter, Aschkenazi [der Generalstabschef] kommt früher aus Amerika zurück, wer weiß also, was passiert? Vielleicht kommt er raus. Sie ist voller Hoffnung, denke ich. Verängstigt, aber voller Hoffnung.“
Er war eine Minute still. „Ich finde nicht, dass wir den Handel eingehen sollten“, sagte er. „Es ist fürchterlich, dass er dort ist, aber Hunderte Mörder freizulassen, wenn wir wissen, dass sie einfach weiter Menschen umbringen werden? Das ist gefährlich für das Land.“
Ich sah ihn an und stellte ihm die Frage, die jede israelische Familie sich stellt, gewöhnlich ohne sie auszusprechen: „Was wäre, wenn es Avi wäre?“ [Sein älterer Bruder, der jetzt in der Armee dient.]
Er starrte mich an. „Das wäre beschissen.“
Gut, mein Sohn wird also wahrscheinlich seinen Lebensunterhalt nicht mit seiner Dichtkunst bestreiten, aber er kann immer noch denken. „Das ist alles?“, fragte ich.
Er war einen Moment still. „Ja“, sagte er. „Das wäre echt beschissen.“ Und damit erklomm er die Treppe und ging in sein Zimmer, vermutlich um Hausaufgaben zu machen.
Dann dachte ich darüber nach. Vielleicht ist sein Ausdrucksvermögen nicht so begrenzt, wie ich fürchtete. Vielleicht ist es einfach die Lage. Es wäre wirklich beschissen. Was kann man eigentlich sonst noch sagen?
Der Abend schritt voran und ich ging die verschiedenen Nachrichtenseiten durch, während ich versuchte Arbeit zu erledigen; ich kam nicht daran vorbei einen allmählichen Anstieg von Optimismus im Web festzustellen. In Kairo geschah etwas. Die Zahl der Reporter und Fotografen um das Protestzelt der Shalits nahm etwas zu. Elisheva, schon lange für den Austausch – jeden Tausch – ging schlafen, voller Hoffnung. Ich blieb auf und arbeitete.
Und dann, irgendwann zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr wurde alles anders. Nichts würde passieren. Die Verhandlungen waren vorbei. Die Hamas hatte sich verhärtet. Oder Israel hatte sich herausgestohlen. (Das ist davon abhängig, welche Internetseite man liest.) Aber Gilad Shalit sollte nicht nach Hause kommen, jedenfalls jetzt noch nicht. Ich konnte es kaum glauben. Ich wartete etwa eine weitere halbe Stunde um zu sehen, ob die Nachrichten sich wieder drehen würden, aber das taten sie nicht. Ich musste früh aufstehen und hatte einen langen Tag vor mir. Ich brauchte etwas Schlaf.
Also ging ich ins Bett. Aber die kurze Unterhaltung mit seiner Mutter und der Blick in ihre Augen wollten einfach nicht verschwinden. Es gibt eine Grenze dafür, wie lange man an die Decke starren kann, bevor man weiß, dass an Schlaf einfach nicht zu denken ist. Also ging ich nach unten und zurück ins Internet. Nichts. Die Verhandlungen waren tot. Ich versuchte zu lesen, erfolglos. Und ich war zu müde um zu arbeiten. Also nahm ich eine Flasche Scotch und schenkte mir mehr ein, als ich vielleicht hätte tun sollen. Eine halbe Stunde später, nachdem ich das Web abgesucht hatte, nur um festzustellen, dass sich nichts geändert hatte, ging ich schlafen.
Am Morgen, als Elisheva herunter kam, sah sie den Scotch und jetzt auch das Tylenol. Sie hatte offensichtlich die Nachrichten gehört. „Schlimme Nacht, was?“ Ich sah kaum von der Tastatur auf und sagte ihr, ich habe nicht einschlafen können, dass ich nicht aufhören konnte an diese Mutter zu denken und an diesen Sohn. „Ich weiß, es klingt verrückt“, sagte ich zu ihr.
Sie kam herüber und sah mich an. „Das ist nicht verrückt“, sagte sie. „Auf seltsame Weise ist er auch in gewissem Sinn unser Sohn. Darum ist es so schmerzhaft. Aber das bedeutet es, hier zu leben. Hier zu leben bedeutet, dass man einen inneren Kreis hat, der unglaublich groß ist. Das Leben hier ist manchmal zu roh, zu mächtig. Und das ist der Grund, dass man niemals weggehen wird.“
Sie hatte natürlich recht, wie üblich. Endlich hatte jemand etwas gesagt, das etwas Sinn machte.
Und plötzlich wünschte ich mir, dass wir dieses kurze Gespräch vor dem Sabbat-Mittagessen gehabt hätten. Denn das war, mehr als alles andere, das einer von uns auf die nachdenkliche Frage dieser Mutter gesagt hatte, die wirkliche Antwort. Man lebt hier und man fühlt Dinge, die man nirgendwo sonst fühlt. Das ist einfach so. Man ist Teil von Dingen, von denen man nirgendwo sonst Teil wäre. Man sorgt sich um Leute, um die man sich nirgendwo sonst in dieser Weise kümmern würde. Die Geschichten anderer Leute sind die eigenen Geschichten in einer Art, wie sie das nirgendwo sonst sein könnten. Man weint und man lacht und man trauert und man feiert, mit Leuten, die einem andernorts überhaupt nichts bedeuten würden.
Man mag sogar nicht sicher sein, dass wir den Austausch machen sollten, um ihr Kind da rauszuholen, aber man weint, wenn wir das nicht tun können. Und wenn man uns die Wahl gibt auf diese Weise zu leben oder nicht auf diese Weise zu leben, dann gibt es nur eine Frage, die von Bedeutung ist:
Warum sollte ich darüber nachdenken irgendwo anders leben zu wollen?
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„Ein Heimtrainer, zwei Flüchtlinge, ein College”
Daniel Gordis, 14. Oktober 2007
Original
Beginnen wir mit zwei Geschichten.
Die erste ereignete sich vor acht Jahren: Wir waren gerade in unsere Wohnung in Jerusalem gezogen. Nach fast zwei Jahren in drei verschiedenen Mietwohnungen waren wir mehr als bestrebt uns niederzulassen, unsere eigenen Möbel wieder zu haben, unsere Bücher auszupacken und ein „echtes“ Zuhause einzurichten. Wir wollten auch einen Heimtrainer haben, was wir aufgeschoben hatten, so lange wir umherzogen.
Kurz nach unserem Einzug fuhr ich mit Levi, einem sehr guten Freund, der schon einige Jahre hier war, zu „MegaSport“. Nachdem wir die Wahl auf eine kleine Auswahl reduziert hatten, rief ich mit dem Handy meine Frau an und fragte sie, welches Gerät sie haben wollte. Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten und trafen eine Entscheidung. Ich zahlte, arrangierte alles für die Lieferung und wir gingen zurück zum Auto. Als er rückwärts aus seinem Parkplatz fuhr, dreht Levi sich zu mir um und sagte: „Weißt du, als ich hierher zog, habe ich nun wirklich nicht meine Frau mit meinem Handy angerufen, um sie zu fragen, welches Heimtrainer-Modell ich kaufen sollte.“
Ich habe keinen Zweifel, dass Levi, als wir den Parkplatz hinter uns ließen, seinen Kommentar bereits wieder vergessen hatte. Ich allerdings nie. Ich sehe immer noch den Ort vor mir, wie das Schaufenster durch die Windschutzscheibe hindurch aussah. Das Bild ist in meiner Erinnerung eingebrannt. Levi mag das gemeint haben oder auch nicht, aber wie ich ihn verstand, hatte er gesagt, dass wir zu spät hier angekommen waren. „Ihr seid in ein schon fertiges Land gezogen“, sagte er im Grund genommen. „Geldautomaten, Handys, eine anständige Oper, Museen und Streichquartette; sechs Universitäten; ein guter Job in einer stabilen Wirtschaft. Aber ihr seit zu spät gekommen um tatsächlich etwas aufzubauen. Ihr seid zu alt für’s Militär. Die Hule-Sümpfe sind trocken gelegt. Andere Leute haben all das gemacht und jetzt kommt ihr.“
Gut. Vielleicht hat er das nicht so gemeint, aber so hat es sich angefühlt. Stimmt, er sang nicht das alt zionistische Liedchen, Anu Ba’nu Artza - „Wir kamen in das Land, es zu aufzubauen und darin aufgebaut zu werden“, aber er hätte es genauso gut tun können. Sein Punkt war klar: Was bedeutet es hier zu leben, wenn ihr nicht tatsächlich etwas aufbaut?
Deshalb habe ich mich oft gefragt: „Sind wir wirklich zu spät gekommen, um etwas aufzubauen, um einen echten Beitrag dazu zu leisten, was dieses Land werden kann?“ Ich habe versucht mein Unbehagen zu lindern, indem ich mir sagte, dass hier anständige, nachdenkliche und engagierte Kinder aufzuziehen auch eine Art eigener Beitrag ist. Oder dass meine Arbeit sehr wichtige Dinge für die israelische Führung beiträgt. Und doch, diese Bemerkung auf dem Parkplatz zu Handys und Heimtrainern hat nie ganz aufgehört an mir zu nagen.
Die zweite Geschichte stammt aus diesem Sommer: Zusammen mit meinem Sohn Avi und einem Freund, der aus Los Angeles zu Besuch war, fuhr ich in den Norden, um zwei sudanesische Flüchtlinge zu besuchen, die kürzlich aus einem israelischen Gefängnis entlassen wurden, gerade als die Darfur-Geschichte begann hier die Schlagzeilen zu bestimmen. Zu der Zeit, als wir in dem Moschaw ankommen, in dem sie leben und als Tagelöhner arbeiten, wird es ein wenig dunkel. Wir sitzen vor dem umgebauten Frachtcontainer, in dem sie wohnen (es ist nur ein metallener Frachtcontainer, aber ich bemerke, dass er eine Klimaanlage und eine Satellitenschüssel auf dem „Dach“ hat) und sie fangen an uns ihre Geschichte zu erzählen.
Einer, dessen Englisch ein wenig besser war (und den wir für unsere Zwecke Ibrahim nennen wollen), übernahm es meistens zu reden. Er hatte im Sudan eine Herde von 400 Rindern und ich gehe davon aus, dass ihn das zu einem wohlhabenden Mann machte. Er war außerdem auch Lehrer und hatte Zuhause eine Bücherei recht ansehnlichen Ausmaßes. Er war eines von elf Kindern einer angesehenen Familie. Aber sein Wohlstand und seine Position brachte ihm nichts Gutes ein. Die Janjaweed griffen sein Dorf an, töteten die meisten seiner Geschwister, zwangen ihn mit seinem Vater zur Flucht in die Wildnis. Sein Vater starb dann und er selbst wurde später gefangen genommen.
Seine Entführer, sagte er uns, verbrannten jeden Abend zwei oder drei der Gefangenen bei lebendigem Leibe vor den anderen, angeblich um von ihnen „Informationen“ zu bekommen. Am Abend, bevor er lebendig verbrannt werden sollte, ging den Entführern das Holz aus. Also wurden die Gefangenen unter den wachsamen Augen ihrer bewaffneten Wächter, ins Dickicht geschickt, um mehr Holz zu holen. Ibrahim wusste, was passieren würde, wenn er in das Lager zurückkehrte. Also planten er und ein anderer die Flucht, während sie im schulterhohen Busch arbeiteten. Die Details sind komplex, es sollte reichen zu sagen, dass sie ihren Entführern entkamen und drei Tage lang mit aneinander geketteten Füßen unterwegs waren, bis sie jemanden fanden, der ihnen half die Ketten aufzusägen.
Irgendwann schaffte es „Ibrahim“ bis nach Ägypten. Dort traf und heiratete er eine Frau, die auch aus Darfur geflohen war. Einige Monate später was sie schwanger und sie beantragten bei der UNO Flüchtlingsstatus. Im Dezember 2005 nahmen sie an einer großen Demonstration vor dem UNO-Sitz in Kairo teil und drängten die UNO ihre Fälle schneller zu bearbeiten. Aber die ägyptische Armee brach die Demonstration auf, indem sie Wasserwerfer mit eiskaltem Wasser einsetzte (im Dezember). In dem Durcheinander wurde Ibrahim von seiner Frau getrennt und während er in einen Bus geschoben wurde, sah er, wie sie in ein Polizeifahrzeug gezwängt wurde.
Nach einigen Tagen in einer ägyptischen Gefängniszelle mit 60 anderen Insassen (der Platz war reichte gerade aus, dass 30 gleichzeitig schlafen konnte (also schliefen 30 einige Stunden auf dem Zementboden, während der Rest stand und dann wurde gewechselt), wurde Ibrahim aus dem Gefängnis entlassen und suchte nach seiner Frau. Zuerst gab es von ihr kein Zeichen. Irgendwann, nachdem er die ganze Stadt abgesucht hatte, fand er ihren Namen auf einer Liste Toter, die an eine Kirchentür geheftet war.
Nun konnte Ibrahim kaum noch sprechen. Wir natürlich auch nicht. Denn es war eine Geschichte, wie wir sie früher schon gehört hatten, nur dass diese von uns handelte. Familien, in Sicherheit und respektiert, plötzlich auseinander gerissen und ermordet. Ehemänner von Ehefrauen getrennt. Grausamkeit, die jeder Beschreibung spottet. Ganze Gemeinden in alle Richtungen zerstreut und ermordet.
Ibrahim fuhr fort: „Ich wusste, ich muss nach Israel gehen. Ich hab ein der Bibel gelesen, dass die Juden Fremde gut behandeln. Israel wird sich um mich kümmern, wusste ich.“
Er machte ein Pause; und plötzlich war ich nicht in der Lage meinen Sohn anzusehen. Ich wünschte ich hätte ihn nicht mitgebracht. Weil ich wusste, was kommen würde. Ibrahim würde uns erzahlen, dass die Bibel sagt, dass die Juden gut zu Fremden sind, aber schau, was wir in Wirklichkeit tun. Wir stecken sie ins Gefängnis, nicht wahr? Ich stellte fest, dass ich die Armlehnen des Plastikstuhls, auf dem ich saß, fest umschloss, dass ich Ibrahim zuhörte, aber direkt auf den Boden starrte.
Er beschrieb, wie er und ein anderer Flüchtling (der stille Mann, der hier neben ihm saß) langsame ihren Weg durch die Wüste Sinai fanden, ohne Taschenlampen oder Kerzen. Tagsüber schliefen sie und verhielten sich still, um nicht entdeckt zu werden; nachts schlichen sie weiter, immer im Versuch nicht zu weit nach Westen zu kommen (und im Gazastreifen zu landen) oder zu weit nach Osten und damit (nach ihren geografischen Kenntnissen) in Jordanien zu landen. Schließlich kamen sie nach Wochen nächtlichen Wanderns an einen Stacheldrahtzaun. Sie wussten, dass es eine Grenze war, aber sie waren sich nicht sicher welche. Sie krochen ohne Probleme hindurch, sagte er, standen auf und schauten sich in dem neuen Land um, in dem sie angekommen waren.
Innerhalb von Sekunden, erzählte uns Ibrahim, strömten Armee-Jeeps auf sie zu, Scheinwerfer tränkten die Gegend in grelles Weiß. Soldaten sprangen heraus, ihre Gewehre schussbereit. Es muss Angst einflößend gewesen sein, stellte ich mir vor. Aber Ibrahim sagte ruhig und deutet auf den Fleck auf seinem Hemd, oberhalb der Brusttasche: „Ich sehe die Schrift der Soldaten, die ich nicht kenne. Und ich weiß, dies ist Israel. Ich weiß, für mich ist alles in Ordnung.“
Ich lachte fast. Er sieht Hebräisch, also glaubt er, alles ist in Ordnung. Aber ich wusste, dass Ibrahim verhaftet worden war und ich wusste, dass es eine scheußliche Geschichte über diese Soldaten geben würde. Ich schielte zu Avi hinüber; er sah das und sah mir in die Augen. Gerade aus der High School entlassen, dauert es nicht mehr lange, bis er selbst einzogen wird und ich fühlte mit ihm. Sie würden uns von der Armee erzählen, der er schon bald beitreten würde, un ddas würde nicht schön werden.
Ibrahim erzählte weiter. Die Soldaten hatten keine Ahnung, was sie mit diesen Männern anfangen sollten (das war, bevor die Flut an Flüchtlingen kam), setzten sie in ihren Jeep und nahmen sie mit auf ihre Basis. Dort sagten sie Ibrahim und seinem Freund: „Wir werden morgen überlegen, was zu tun ist.“ In der Zwischenzeit gaben sie ihnen Abendessen, machten ihnen Betten und ließen schlafen gehen.
Nun, das war nicht das, was ich zu hören erwartet hatte.
Der Rest der Geschichte ist kompliziert. Weil er illegal ins Land gekommen war (und als sudanesischer Staatsbürger ist er Bürger eines Landes, das sich formal mit Israel im Krieg befindet), wurde Ibrahim schließlich verhaftet. Als unser Freund aus Los Angeles ihn fragte, wie es im israelischen Gefängnis war, lächelte er und sagte: „Ja, sehr gut.“ „Nein“, sagte unser Freund in der Annahme, er habe die Frage nicht verstanden. „Im Gefängnis. Wie war es im Gefängnis?“ „Ja“, blieb Ibrahim dabei. „Gut. Sie geben uns Essen. Die Wachen sind freundlich.“ Schließlich erlaubte ich mir einen kurzen Blick auf Avi.
Irgendwann ließ ein Richter ihn aus dem Gefängnis und ihm wurde erlaubt in diesem Moschaw zu arbeiten, der eine Anzahl von Flüchtlingen übernommen hatte. In ein paar Wochen, erzählte er uns, würde es keine Grenzen für seine Bewegungsfreiheit geben. Er würde nach Tel Aviv gehen, sagte er, um zu versuchen einen Job zu finden und sein neues Leben zu beginnen.
„Denken Sie, man wird Ihnen erlauben in Israel zu bleiben?“, fragte mein Freund ihn. Ibrahims Lächeln verschwand. „Ich muss“, sagte er. „Dies ist ein wunderbares Land. Menschen hier sind sehr freundlich. Ich würde lieber in Israel sterben als zurück nach Ägypten oder in den Sudan zu gehen. Sie würden mich dort töten.“ Er hat sie das tun sehen, sollten wir uns erinnern.
Wir machten ein paar Fotos, tauschten Handynummern aus. Ibrahim hatte den Namen meines Sohnes vergessen und fragte ihn danach. „Aiv“, sagte Avi. Ibrahim sah zu seinem Freund und sie lächelten. Er wandte sich zu uns und sagte: „Avi war der Name eines Wächters im Gefängnis. Er war sehr netter Mann.“
Allein auf der Straße die Küste entlang sprachen wir über das, was wir gehört hatten. Wie können einige Israelis nicht sehen, dass wir die Darfur-Flüchtlinge einfach hinein lassen müssen? Spricht die Geschichte über die Durchwanderung der Wüste von Ägypten in das gelobte Land uns nicht länger an? Warum kriegen wir die UNO nicht dazu ihre Streitkräfte an der Grenze durch Experten zu verstärken, die sagten können, wer wirklich Flüchtling vor Völkermord ist und wer einfach ein besseres Leben sucht (wobei Letztere wahrscheinlich zu zahlreich sein dürften, als dass Israel sie aufnimmt)? Warum bringt das Außenministerium nicht Geschichten wie diese in die Presse, statt der Versuchung nachzugeben absurd spärlich bekleidete Frauen dazu zu nutzen, um angeblich Israels Image im Ausland zu verbessern?
Aber mich sorgte etwas anderes. Nicht die armselige Nicht-Politik der Regierung bezüglich dieser Flüchtlinge oder gar die Verzweiflung des Außenministeriums. Es war ich selbst. Warum war ich so sicher gewesen, dass Ibrahim uns erzählen würde, wie misanthropisch die Israelis seien, dass die Soldaten ihn misshandelt hätten. Warum nahm ich an, dass die Soldaten etwas Falsches getan hätten, wo sie doch in Wirklichkeit außergewöhnlich freundlich gewesen waren? Warum war ich mir so sicher, dass Israel auch hier versagt hätte? Das Israel, das Ibrahim kennt, ist ein freundlicher, anständiger Ort. Wenn er wo sicher war, warum war ich so unsicher?
Zynismus ist eine gefährliche Seuche, ein Krebsgeschwür der Seele. Oft wissen wir nicht, dass es in uns ist, bis es zu spät ist, bis ein Teil von uns gestorben ist. Er ist auch ansteckend. Und dieses Land hat einen Zynismus in drei Stufen. Mit Zynismus meine ich nicht den gelegentlichen höhnischen Witz auf einer Cocktailparty. Ich meine einen niedriggradigen, aber konstanten Selbstekel vieler Leute, die ich in der Elite der intellektuellen und akademischen Kreise Israels kenne, für die eine Diskussion des jüdischen Staates mehr als vorbei ist.; es ist absurd. Wenn man etwas über die Werte sagt, die dem Zionismus inne wohnen, klingt man seltsam. Wenn man darauf besteht, dass die Juden etwas Einzigartiges zu sagen haben und dass einen Staat zu haben unsere Plattform ist, auf der wir anfangen können, dieses „Etwas“ zu artikulieren, schauen sie einen an, als wäre man „niedlich“. Als wenn man von einem jungen Paar, das sich verabredet, als „hofierend“ bezeichnet oder als ob man gerade Jeans „Nietenhosen“ genannt hätte. Du bist ein Anachronismus und niemand der „Wissenden“ wird dich oder deine Ideen sonderlich ernst nehmen.
Dieser Selbstekel manifestiert sich in einer unbarmherzigen Diskussion über die Besatzung, ohne Bezug dazu, warum die Besatzung begann oder zu der Tatsache, dass Israel nicht unbedingt viele vernünftige Optionen hat, die sie beenden könnte. Man sieht das, wenn Leute darauf bestehen, dass Israel „jetzt einfach einen Friedensvertrag unterschreiben“ sollte, ohne zu berücksichtigen, was sich in Gaza entwickelt, in vollständiger Leugnung der offensichtlichen Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, dass Abu Mazen bei irgendetwas von dem Wort halten kann, was er vor oder während Annapolis verspricht. Es ist die Kultur, in der Postnationalismus als offensichtliche Wahrheit gilt, ohne Erkennung der Tatsache, dass nur bei der Diskussion des Staates der Juden ist, bei der die Leute darauf bestehen, dass der Nationalstaat abgeschafft werden sollte. Es ist der Plauderstil, in dem jeder Erwähnung eines israelischen Soldaten eine Geschichte von einem barbarischen Akt folgen muss, damit man nicht übermäßig nationalistisch erscheint.
Man kann das auch hier finden: In den letzten Jahren hat mir mehr als ein Kollege – mit einem Zwinkern und einem Lächeln – davon erzählt, wie sein/ihr körperlich gesunder Sohn eine Möglichkeit gefunden hat, seinen Militärdienst nicht abzuleisten. „Das ist nichts für ihn“, sagten sie. Er will Musik machen, seiner Kunst folgen, seinem athletischen Können. Denn es ist nicht so, als sei die Verteidigung des ersten Heimatlandes, das die Juden in zweitausend Jahren gehabt haben, tatsächlich ein Wert ist, nicht wahr? Aber das Saxophon? Nun, das ist etwas von Wert.
Sie waren mir unter die Haut gegangen, bemerkte ich, als wir vom Mittelmeer ins Landesinnere abbogen und den langen Aufstieg nach Jerusalem begannen. An diesem Abend, als ich Ibrahim zuhörte, wusste einfach, dass wir ihm Unrecht getan hatten – selbst wenn wir das nicht getan hatten. Natürlich war ich entsetzt von diesen Geschichten um die Umgehung des Wehrdienstes und ja, ich wusste, welche Freunde und Kollegen ich nach einem Bombenanschlag meiden sollte, damit ich mir die Kommentare darüber ersparte, wie „das Böse der Besatzung“ rechtfertigt, dass Frauen und Kinder in einem Café in tausend Stücke zerfetzt werden. Aber was, außer diese Leute zu meiden, fragte ich mich, würde ich deswegen unternehmen? Nichts.
In der Stille im Auto dachte ich über dieses Land nach und darüber, wie man eine Gesellschaft kurieren kann, die nicht länger an einem ernsthaften Diskurs darüber teilnimmt, warum seine Existenz wichtig ist. Und ich dachte über diesen Heimtrainer nach – und über Levis Frage: „Ist nicht etwas aufzubauen der Grund dafür, dass du hier bist?“
Und kann – es ist unglaublich – klingelte das Telefon (näher an der Wahrheit ist, dass eine E-Mail sich den Weg in meinen Posteingang bahnte). Es war das Shalem Center, ein Jerusalemer Forschungs- und Bildungsinstitut, das Forschung, Bildung und Veröffentlichung zu jüdischem moralischem und politischem Denken, zionistischer Geschichte und Ideen, demokratischer Theorie und Praxis, strategischen Studien und mehr betreibt. „Wie wäre es, wenn Sie uns einen Besuch abstatten“, schlugen sie vor. Da ich ihre Journale und Bücher seit Jahren mit großer Bewunderung gelesen hatte, stimmte ich hastig zu. (Um den E-Mail-Newsletter des Shalem Center zu bekommen, klicken Sie hier.)
Ein Gespräche folgte dem anderen und ziemlich schnell wurden mir einige der aufregendsten Dokumente gezeigt, die ich seit langem gelesen hatte: der Vorschlag für ein College. Ein vierjähriges geisteswissenschaftliches College (ein Modell, das in Israel noch nicht existiert), mit einem Kerncurriculum, zu dem Geschichte, Philosophie, Wissenschaftsphilosophie, griechisches Denken, jüdisches Denken, jüdische Geschichte, zionistische Geschichte und Denken, Religion und Moral und mehr gehört. „Das ist recht erstaunlich“, sagte ich ihnen. „Es könnte das Land verändern.“ „Wie wäre es denn, wenn sie an Bord kommen und uns helfen es aufzubauen?“, schlugen sie vor.
Wie ich es bei dem Heimtrainer getan hatte, fragte ich meine Frau, was ich tun sollte. „Was, ich sollte alles aus heiterem Himmel fallen lassen und einen prima Job bei einer super Stiftung hinwerfen, mit tollen Leuten, die gute Freunde geworden sind, und alles hinter mir lassen? Wer mit gesundem Verstand würde so etwas tun?“, fragte ich sie. „Du“, sagte sie. „Du solltest das tun. Wieso stellst du dich überhaupt so an? Erinnerst du dich, dass immer sagtest, das Einzige, was du daran bereust Amerika verlassen zu haben, sei, dass unsere Kinder nicht die Art von geisteswissenschaftlicher Bildung bekommen würden, die wir erhielten? Was, wenn dieses Projekt das ändern könnte?“
„Was, wenn“, tatsächlich. Was wäre, wenn wir Generationen von Studenten hervorbringen könnten, die nicht dem Zynismus erliegen, die tatsächlich glauben, dass der größte Beitrag der Juden für die Welt im Bereich der Ideen liegt und die diese Ideen studieren und diskutieren wollen? Was wäre, wenn wir Studenten hervorbringen könnten, die gründlich darauf vorbereitet sind Bürger des jüdischen Staates, des jüdischen Volkes und der Welt zusein, die intelligent über Nationen und Staaten sprechen könnten und über politische Philosophie und Religion und Moral und die die irgendwann dahin wachsen Israels politische Führung zu werden, seine großen Juristen, Akademiker und Unternehmer? Wäre das möglicherweise kein Beitrag von weniger Wert sein als die Arbeit früherer Generationen?
Ich weiß nicht, was die meisten Eltern in einer solchen Situation tun, aber wir bezogen unsere Kinder in unsere Überlegungen ein, was wir tun sollten. Sie sind alt genug, dachte ich, um etwas darüber zu lernen, wie man diese Art Entscheidungen durchdenkt. Wir sprachen über Karrieren und Gehälter, Arbeitsplatzsicherheit und das ständige Bedürfnis nach Herausforderungen. Und am wichtigsten: einmal mehr sprachen wird darüber, warum wir überhaupt hierher gezogen waren.
In ein paar Monaten steht hier ein wichtiger Jahrestag an. Und ich glaube, dass dies eine gute Gelegenheit sein würde sie daran zu erinnern, dass, obwohl 60 Jahre in ihrem Alter eine lange Zeit zu sein scheint, dies für ein Land kaum der Anfang ist. Was ein Segen ist, wenn man darüber nachdenkt. Weil es bedeutet, dass selbst, wenn das Land bereits aufgebaut zu sein scheint, das nur eine Illusion ist. In Wirklichkeit formt es sich noch. Und wenn man wirklich an diesen Ort glaubt, dann wollte ich, dass sie das verstehen; und wenn man wirklich glaubt, dass die Zukunft des jüdischen Volks davon abhängig ist den Staat immer noch zu formen, dann ist es eigentlich relativ einfach einige große Entscheidungen des Lebens zu treffen. Man nimmt ein Projekt, von dem man glaubt, dass man etwas wirklich Entscheidendes beitragen kann, das vielleicht sogar alles verändert. Und dann rollt man die Ärmel auf und geht an die Arbeit.
Ist das nicht immerhin genau das, warum wir hier sind?
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„Ich fürchte, es wird so sein wie jetzt”
Daniel Gordis, 30. Juni 2006
Original
Früh im Herbst besuchte ich eine High School in Sha’ar HaNegev, nicht weit von Sderot und der Grenze zum Gazastreifen, um einige Schüler zu interviewen. Ein Stück weit im Gespräch stellte ich ihnen zwei Fragen: „Ihr werdet mittleren Alters sein, wenn Israel 100 Jahre alt wird“, sagte ich ihnen. „Bitte sagt mir: Wenn ihr euch die Zukunft vorstellt, wovon träumt ihr? Und wovor habt ihr Angst?“
Diese Fünfzehnjährigen waren hoch intelligente, sehr wortgewandte Kids. Aber interessanterweise hatte keiner von ihnen etwas sonderlich Substanzielles über ihre Träume zu sagen. Als sie still dort saßen und versuchten sich etwas auszudenken, das nicht wie eine Plattitüde klingen würde, meldete sich einer der Jungs: „Kann ich Ihnen sagen“, fragte er leicht zögerlich und mit einem vorsichtigen Blick auf seine Mitschüler, „wovor ich mich fürchte?“
Es gab in der Gruppe einen unangenehmen Augenblick und ein unterdrücktes Kichern hier und da. Von 16-järhigen, die in einer Gruppe sitzen, zu der auch Mädchen gehören, erwartet man nicht, dass sie über etwas reden, wovor sie sich fürchten. Aber dieser Junge wollte sprechen und innerhalb von Sekunden war es in dem Raum total still. Jeder sah ihn an und wartete.
„Ich fürchte“, sagte er nach einer Pause, „dass die Zukunft genauso sein wird wie jetzt.“
Das war im November, nachdem die Qassams und das Vorwarnsystem anfangen hatten, aber lange bevor der Raketenregen auf ihre Stadt ernsthaft begann. Es war vor Ariel Sharons Hirnschlag, vor der Wahl der Hamas, bevor die Leute, die den Gazastreifen übernahmen, den wir im August verlassen hatten, erklärten, dass sie so viele Raketen auf Sderot abfeuert würden, dass sie es in eine Geisterstadt verwandeln. Und selbst damals, mit weniger einschlagenden Raketen, hatte dieser Junge Angst – Angst, dass die Zukunft wo aussehen würde wie die Gegenwart.
Meine Sekretärin, die zwei sehr junge Kinder hat, begleitete mich bei diesem Interview. Sobald der Junge das gesagt hatte, sah sie mich an, die Augen vor Schreck geweitet, als ob seine Hoffnungslosigkeit unerträglich sei. Denn egal, was sonst in der israelischen Gesellschaft falsch läuft – und da gibt es viel – so ist sie eine, in der wir für unsere Kinder sorgen. Israel ist ein Land voller Parks und Spielplätze, ein Land, wo Fremde wegen eines auf der Straßen weinenden Kindes anhalten, es an die Hand nehmen und nach Hause bringen. Es ist ein Land, wo junge Teenager auf eigene Faust zelten gehen, weil es ihnen gut gehen wird. Es wird jemand da sein. Und wer immer diese Person ist, wird sich um sie kümmern, wenn unsere Kinder sie brauchen.
Und es ist eine Gesellschaft, die in den seltenen Momenten, in denen wir unsere Kinder nicht in Sicherheit bringen können, auf eine Art und Weise an sie erinnert, bei der es mir immer noch kalt den Rücken hinunter läuft. Jedes Jahr gehe ich beim Gedaliah-Fasten mit engen Freunden auf dem Friedhof des Herzl-Bergs. Zu Rabins Grab. Zu dem von Herzl. Zu einigen im militärischen Bereich. Und jedes Mal finden wir uns auf dem Weg in den halb unter der Erdoberfläche liegenden Bunker der Gräber derer, die während der Belagerung Jerusalems 1948 getötet wurden. Dort gibt es viele Erwachsene.
Aber es gibt auch Kinder dort. Diese Kinder wurden hauptsächlich als Botengänger genutzt, um Nachrichten herein oder heraus zu bringen. Viele von ihnen schafften es, aber einige auch nicht. Und nun wird derer, die es nicht schafften, bei den im Kampf gefallenen Soldaten gedacht; und wie die Soldaten gibt es für sie Tafeln, die an den Preis erinnern, den sie zahlten. Auf den Tafeln stehen ihre Namen, ihr Alter und dann der Satz „naval be-milui tafkido“ – „Er fiel in Ausübung seines Auftrags“. Ein 17-jähriger Junge. Und ein 15-jähriges Mädchen. Und ein Junge namens Nisim Gini, geboren in Jerusalem und im Alter von 10 Jahren getötet „in Ausübung seines Auftrags“.
Was bedeutet es 16 oder 17 zu sein und Angst zu haben, dass die Zukunft so sein wird wie die Gegenwart? Was bedeutet es 10 Jahre alt zu sein und in Ausübung seines Auftrags zu fallen? Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn wir unseren Kindern so viel abverlangen?
Es war die Woche der Kinder, eine unerträglich lange Woche, seit Sonntag. Ich war mit den Mitarbeitern unserer Stiftung an diesem Tag in Zichron Yaakov, eine Stadt etwa eineinhalb Stunden nördlich von Jerusalem. Mittags bemerkte ich, dass eine Reihe von Leuten aufmerksam ihren Handys lauschten und andere, die versuchten die Neuigkeiten auf den kleinen Displays zu haben. Also rief ich Avi an und bat ihn im Internet nachzusehen. Zwei Soldaten waren getötet worden, sagte er mir. Ein weiterer verwundet. Und schlimmer, einer war entführt worden.
Wir sind eine Gesellschaft, die tragisch daran gewöhnt ist die Kinder in Uniform zu beerdigen. Aber wir sind nicht gewohnt, dass sie gefangen gehalten werden. Der Gedanke, dass sich unsere Kinder – denn das sind sie für uns – in den Händen solcher Leute befinden, ist einfach unerträglich. Und später am Tag, als die Nachrichten das inzwischen allgegenwärtige Foto von Gilad Shalit (falls Sie es noch nicht gesehen haben, ich habe es auf http://www.danielgordis.org/Site/Site_Photos.asp eingestellt, falls Sie es noch nicht gesehen haben sollten), seine dicke, schwarze Brille, die ihn jünger als seine 19 Jahre aussehen lässt, waren alle Israelis niedergeschlagen. Das Babyface. In den Händen von wer weiß wem. Wir stellten uns seine Eltern vor und die unerträgliche Ungewissheit. Und Gilad. Wo könnte er sein. Wie unbeschreiblich verängstigt und allein muss er sich fühlen.
Wusste er, dass wir kommen würden um ihn zu holen, fragte ich mich. Denn es war klar, das wir das tun würden. Man kümmert sich nicht um Kinder im Park, um sie aufwachsen zu lassen und vom souveränen Territorium Israels gestohlen zu werden. Das tut man einfach nicht.
Avi und ich sprachen an diesem Tag mehrmals per Telefon. Er überprüfte die Nachrichten und hielt mich auf dem Laufenden. „Nichts Neues“, sagte er einige Male, seine Stimme nicht weniger besorgt als die eines jeden anderen Erwachsenen, mit denen ich den Tag verbrachte.
Und dann rief er eine Stunde später wieder an. „Wollen Emma und du nächste Woche immer noch nächste Woche wegfahren?“ Ich sagte ihm, dass wir das vorhatten. „Warum fragst du?“ „Weil ich gerade einen Anruf von der Armee bekommen haben“, sagte er. „Sie verlegen meinen Termin vor [für die nächste Phase seiner Tests, um in eine bestimmte Sondereinheit zu kommen]. Wenn ich gehe, kann ich nicht auf Micha aufpassen, während ihr weg seid.“ Ich sagte ihm, wir würden ein Arrangement für Micha treffen und dass er gehen sollte, wenn er das wolle. Und ich wunderte mich, wie es sich anfühlen muss, erst sechzehn zu sein, Nachrichten zu hören wie die, die er an diesem Morgen hörte und dann einen Anruf von der Armee über seine Einheit zu bekommen. Und immer noch hingehen zu wollen.
Ich dachte daran ihn zu fragen, tat es aber nicht. Ich konnte nicht.
Und dann begann einen oder zwei Tage später der verwundete Soldat, noch immer im Krankenhaus, mit Reportern zu sprechen, die ihn in seinem Zimmer besuchten. „Als ich begriff, dass ich [im Panzer] in der Falle saß“, sagte er, „wusste ich: Das war’s.“ Und, fügte er hinzu: „Ich begann zu weinen.“
Was auch die Leute machten, die ich auf der Arbeit den Artikel lesen sah.
Und dann, ich fuhr gerade auf der Hebron Road, der Hauptstraße in unserem Stadtteil, und hielt an einer Ampel an. Es war diese Woche heiß, daher hatten alle Autos geschlossene Fenster bei eingeschalteter Klimaanlage. Ein anderes Auto stand links von mir und eines rechts. Der Nachrichtensprecher (wer hatte nicht die Nachrichten eingeschaltet?) kündigte an, dass Gilads Eltern ihm einen Brief geschrieben und ihn öffentlich gemacht hatten. Dann las er den Text vor:
„Unserem lieben, süßen Gilad,
Mutti und Vati, Yoel und Hadas sind furchtbar besorgt wegen dir, wollen dich hören und hoffen, dass du gesund bist und du dich gut fühlst, so weit du das unter den Umständen kannst. Wir hoffen, dass du in der Lage sein wirst diese Worte zu lesen und wir möchten, dass du weißt, dass alle Schritte unternommen werden, damit du nach Hila und Galiläa zurückkehren kannst, so schnell wie möglich, zu deiner Familie und in dein Zimmer, das auf dich wartet...
Du sollst wissen, dass wir in jedem Augenblick an dich denken und hoffen, dass du irgendwie klar kommst und dass du diese schwierigen Momente durchstehen wirst. Wir wissen und glauben, dass die Leute, die dich festhalten, auch Familien haben und wissen werden, was wir durchmachen und wissen, wie sie für dich sorgen und deine Gesundheit sicher stellen.
Wir lieben dich und schicken dir Kraft.
Mutti und Vati
Als der Nachrichtensprecher den Brief zu Ende gelesen hatte, schaute ich aus den Fenstern meines Autos. Die Fahrer auf beiden Seiten, ein Mann in seinen Fünfzigern und eine Frau Ende Zwanzig wischten sich Tränen aus den Augen. Die Fenster mussten nicht offen sein, um zu wissen, was sie gehört hatten.
Und bestätigten sich die Gerüchte einer zweiten Entführung. In der Westbank behaupteten die Volkswiderstands-Komitees Eliyahu Asheri festzuhalten. Ein 18-jähriger Junge, jetzt in der Hand von Tieren, wegen des Verbrechens zu trampen. Auch sein Bild tauchte auf allen Internetseiten auf. Ein großes Kind. Trug ein T-Shirt, sitzt unter einem Bau. Mit einem breiten Lächeln. Und ein benommenes Land wusste nicht, was es tun sollte. (Eliyahu wurde natürlich noch am Tag, als er entführt wurde, in den Kopf geschossen und wurde gestern beerdigt. Eine weitere Erinnerung daran, wer unsere Nachbarn sind.)
In der Zwischenzeit massierte die IDF Panzer, Truppentransporter und Artillerie entlang der Grenze, nur Minuten von der High School, die ich im November besuchte. Die enorme Ansammlung an Waffen war eine Erleichterung, jedenfalls für die Menschen hier. Denn sie können nicht unsere Kinder stehlen und glauben, dass wir sie einfach weiter machen lassen. Dann, vor ein paar Nächten, begann das Eindringen nach Gaza. Jetzt, Tage später, ist der Feldzug noch immer im Gang. Wir haben hier und da etwas bombardiert, haben einen Großteil der Elektrizität abgeschaltet, einige Brücken zerstört, Gaza hermetisch abgeriegelt, das Sommerhaus des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit vier F-16 überflogen. Aber immer noch kein Gilad. Also verhaftete die IDF Dutzende Mitglieder der Hamas-Regierung. Und immer noch kein Gilad.
Der Rest der Welt glaubt wir suchen nach einem entführten Soldaten; deshalb begreifen sie diese massive Reaktion nicht. Die EU beginnt Besorgnis zu äußern. Brücken zu bombardieren war in Ordnung, aber Mitglieder des Hamas-Parlaments festzunehmen, finden sie, ist übertrieben. Assads Palast zu überfliegen, sagt man uns, war provokativ. Vielleicht.
Der Grund, dass sie das nicht begreifen, ist der, dass sie glauben wir suchten nach einem Soldaten. Tun wir nicht. Wir suchen nach Gilad. Jeder, den ich darüber reden höre, benutzt seinen Namen. Niemals „der Soldat“. Immer Gilad. Unsere Handys brummen mit Textnachrichten, die uns daran erinnern einen Psalm für ihn zu sprechen. E-Mail-Postfächer füllen sich mit derselben Erinnerung und selbst dem Text des Psalms, damit du ihn richtig sagen kannst, wenn du die E-Mail öffnest. Und dann sollst du sie weiter leiten.
Die letzten Tage waren die ersten Worte, die morgens den Mund der Kinder verließen: „Haben wir ihn gefunden?“ Sie müssen uns nur ansehen, um die Antwort zu wissen. Noch nicht. Die unerträgliche Woche zieht sich hin.
Die internationale Presse ist in heller Aufregung mit Berichten darüber, was die israelischen Truppen vorhaben. Das ist ein interessantes Wort, der Begriff „Truppen“. Eine von ihnen (wenn auch keiner von denen, die im Gazastreifen sind) hat ihr Zimmer gegenüber von unserem Schlafzimmer, auf der anderen Seite unseres Flures. Sie bekam neulich Post, war aber nicht Zuhause, sondern bei der Armee, also nahm ich sie mit hinauf, um ihr sie hinzulegen. Links neben ihrem Schreibtisch war ein Rucksack, den sie aus irgendeinem Grund nicht mit zurück zur Kaserne genommen hatte. Über dem Stuhl hinter ihrem Schreibtisch eine ihrer Uniformblusen. Und auf ihrem Bett ihr Stofftier, der neugierige George oder „Neugier“, wie wir ihn alle nannten, seit er zur Familie gehört – seit der Woche, in der sie vor 19 Jahren geboren wurde.
Die Zusammenstellung ihrer Uniformbluse über der Stuhllehne und Neugier da alleine auf dem Bett liegend, fast als würde er darauf warten, dass sie nach Hause kommt, war – besonders in dieser Woche – einfach zu viel. Ich musste aus dem Zimmer gehen. Also legte ich die Post auf ihren Schreibtisch, warf Neugier einen letzten Blick zu, verließ den Raum und schloss energisch die Tür.
Gilad, da bin ich sicher, hat ein Zimmer wie ihres. Vielleicht kein Stofftier, aber vielleicht auch das. Wer weiß? Immerhin ist er einfach ein Kind. Ein Blick auf sein Bild und man sieht es.
In ein paar Stunden beginnt der Sabbat. Hoffentlich werden wir Gilad dann zurück haben, aber wahrscheinlich nicht. Und wenn nicht, dann werden die Leute unseres ganzen Viertels mit einem Schmerz, den Worte kaum beschreiben können, ihre Handys abschalten, ihre Computer herunter fahren und die Radios zum Schweigen bringen, in dem Wissen, dass wir am Sabbat von der Welt abgeschnitten sein werden. Das ist natürlich genau der Sinn des Sabbat und normalerweise ist das eine große Erleichterung.
Aber an einem Freitagabend wie diesem wird es mehr als schmerzhaft sein. Nicht zu wissen. Nicht in der Lage zu sein nachzusehen. Sich einfach gedulden und warten zu müssen. Und sobald die Sonne morgen unter geht, werden wir Havdalah machen und das Fernsehen und die Computer anwerfen. Hoffend und betend. Beten, dass er heil nach Hause kommt. Und hoffen, dass wir einen plausiblen Grund haben werden unsere Kinder zu umarmen und ihnen zu sagen: „Weißt du, die Zukunft wird besser sein als das hier. Wirklich, wird sie.“
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Gut, was man so gut nennt
Daniel Gordis, 4. Februar 2005
Original
Ich landete vor ungefähr zehn Tagen am Ben Gurion-Flughafen, nach einem Kurztrip in die USA; holte mein Gepäck, ging durch den Zoll und traf Schlomo, meinen Fahrer, an unserem üblichen Punkt. Wir haben da einen üblichen Ablauf: Derselbe Treffpunkt und dieselben beiläufigen Hallos. Er nahm meine Taschen und ich fragte ihn, wie es ihm ginge. „Tov, kamah she-efshar.“ Gut, was man so gut nennt.“
Eine berechtigte Antwort auf eine dumme Frage. Wie soll es ihm gehen? Wie kommt ein Typ über 50 darüber hinweg, dass seine Tochter von einem Selbstmord-Bomber im Moment-Café ermordet wurde? Wenn er den ganzen Tag mit ihrem Bild auf dem Armaturenbrett herumfährt, wie gut könnten die Dinge stehen? Wie dumm kann eine Frage sein? Also versuchte ich es anders.
„Was gibt’s Neues im Land?“, fragte ich ihn.
„Haben Sie von der Eisenbahn-Katastrophe gehört?“
„Nein“, sagt ich und begann mich vor dem zu fürchten, was da kommen würde. Es stellt sich heraus, dass ein Lastwagen ein Warnschild für einen Bahnübergang missachtet hatte und ein Passagierzug in ihn hinein donnerte. Der Fahrer des Laster wurde getötet, genauso sieben Leute im Zug.
„Eigentlich“, sagte er, „müssten gerade die Nachrichten laufen. Sie können es selbst hören.“ Er dreht das Radio lauter, die Nachrichten fingen gerade an. Zuerst das Neueste zum Zug-Unfall. Dann die Zeit der Beerdigung eines Opfers eines Feuerüberfalls durch bewaffneten Palästinenser vor zwei Tagen. Das Neueste zu der palästinensischen Frau, die mit einem Bombengürtel auf dem Weg zum Soroka-Krankenhaus in Beer Sheva verhaftet wurde. Sie war dort früher bereits behandelt worden, aber diesmal, sagte sie, wollte sie „so viele Juden wie möglich töten“. Etwas mehr über die Episode mit den Trojanern, dem Skandal zu Firmenspionage per Computer, der das ganze Land in seinen Bann schlug. Und der Verkehrsbericht. Verspätungen, weil Siedler Reifen auf der Straße verbrennen. Und Siedler, die auf der Autobahn orange Bänder verteilen – dem Symbol der Opposition zum Abzug.
Ich schaute aus dem Fenster des Autos und – klar – da waren viel mehr Autos mit orangen Bänder an ihren Antennen oder Dachgepäckträgern als nur einige Tage früher. Je mehr ich mich umsah, desto mehr Autos hatten etwas Oranges. Eine halbe Stunde später kamen wir nach Jerusalem und der Verkehr verlangsamte sich zu einem Kriechen. Als die Straße bergauf sich auf zwei Fahrstreifen verengte (daran hätte König David denken sollen, als er vor tausenden Jahren eine Stadt auf einem Berg als Hauptstadt aussuchte), wurde es noch schlimmer, weil Leute in orangen Hemden versuchten den Fahrern orange Bänder zu geben. Andere standen einfach an der Seite und hielten Schilder mit Sprüchen wie „Juden vertreiben keine Juden“.
Einige der Fahrer waren deutlich verärgert, dass diese Kids, meist Teenager, einen solchen Rückstau verursachten. Vielleicht war ich vom Flug zu müde, aber das brachte mich nicht aus der Fassung. Sicher, der Zugunfall war schrecklich. Der Terror nimmt etwas zu. Und der Abzug ist ein völliges Durcheinander. Aber diese Kids sind auf der Straße, opponieren gegen die offiziell verkündete Regierungspolitik und niemand treibt sie zusammen. Die Polizei fährt vorbei und diese Kids brauchen sich nicht zu fürchten. Es ist ziviler Ungehorsam in Bestform. Bis auf den schmerzlich langsamen Verkehr hatte Schlomo vielleicht recht. Vielleicht liegen die Dinge wirklich „gut, was man so gut nennt“.
Ein paar Tage später hatte Micha eine Klavier-Vorführung zum Ende des Jahres. Mit aller zugehörigen Nervosität gingen wir zum Konservatorium an der Emek Refa’im. Als wir näher heran kamen, sah ich, dass die Straße abgesperrt war. Imbisswagen und alle Sorten von Waren wurden auf der einen Seite aufgebaut, während die Leute sich für den kurz darauf beginnenden Straßen-Jahrmarkt fertig machten. Polizei-Pfosten mit Wachen an den Seiten, gewaffnet mit „Zauberstäben“, um uns zu kontrollieren, als wir das Gebiet betraten. Wir kamen näher und ich öffnete meine Tasche, um sie kontrollieren zu lassen. Aber sie waren nicht interessiert. Sie schauten nur zu, wie wir vorbei gingen und unterhielten sich weiter. Als wollten sie sagen: „Diese Tage sind vorbei.“ Im Moment jedenfalls. Im Moment ist das alte Jerusalem wieder da.
Bei den Vorträgen sprach die Lehrerin (eine religiöse Jüdin) den üblichen Dank aus, den Eltern, den Kinder und dann den Leuten, die Rasha halfen zu ihrem Unterricht zu kommen. Ich passte da nicht allzu gut auf. Ich dachte mir einfach, dass Rasha (ein arabischer Name) weit weg wohnte und Hilfe brauchte, um zu ihrem Musikunterricht zu kommen. Aber als Rasha an der Reihe zu spielen, fand ich heraus, was die große Sache war. Sie schien noch eine Teenagerin zu sein oder vielleicht Anfang 20. Und sie war blind. Und Autistin. Und sie spielte mit einer Leidenschaft, dass sie die ganze Zuschauerschaft in ihren Bann zog. Als sie fertig war, war die Ehrfurcht im Raum greifbar. Sie konnte uns nicht sehen, aber sie hörte den Applaus und sie wusste, was sie getan hatte. Als ihr von einem der „Chauffeure“ an ihren Platz zurückgeholfen wurde, sagte ihr Lächeln alles. Hier ist, ganz einfach gesagt, ein Leben gerettet worden. Nicht schlecht. Überhaupt nicht schlecht.
Dann dam eine Variante der Sonate von Brahms in F-moll, vierhändig. Der nächste Schüler (und sein Lehrer) spielten sie wunderbar, aber es ist ein langes Stück und gab mir ein paar Minuten zum Überlegen. Was wäre passiert, wären die Rollen umgekehrt verteilt gewesen? Wenn ein jüdisches Kind, blind und autistisch, in einem arabischen Land aufwüchse, was wäre passiert? Ich fragte mich, ob die Leute Schlange gestanden hätten um es zu seinen Klavierstunden zu fahren. Ob der Rest des Publikums von seinen Leistungen so begeistert gewesen wären. Ob die Lehrerin es so sehr geliebt hätte. Natürlich, wurde mir ziemlich schnell klar, wäre es schwer für einen Lehrer ein jüdisches Kind wie dieses zu lieben, in einem solchen Land. Immerhin warfen diese Länder alle Juden vor Jahrzehnten hinaus. Das gibt all dem Müll hier ein bisschen Perspektive, dachte ich.
Schließlich war der Vortragsabend zu Ende und wir machten uns zurück nach Emek Refa’im. Inzwischen waren die Straßen voll tausender Leute, Bands spielten, Restaurants betrieben ihr Gewerbe. Überall gab es gebrauchte Bücher. Und die Leute hatten eine tolle Zeit. Wir gingen an das eine Ende des Festivals und schauten, was wir essen wollten. „Ganz schön erstaunlich, oder?“, fragte ich Elisheva. „Ja“, sagte sie, „und praktisch direkt vor dem Cafe Hillel.“ Daran hatte ich nicht gedacht. Aber da war es, lange wieder aufgebaut, mitten in den Festlichkeiten. Ein Block weiter ist Caffit, wo ein Bomber auf dem Höhepunkt der Intifada hinein ging, aber von wachsamen Stammgästen überwältigt wurde, bevor er den Knopf drücken konnte. Caffit war jetzt auch von einer festlichen Menge umlagert, der Wachmann davor praktisch schlafend. Und am anderen Ende der Straße das kleine Steindenkmal für die Opfer des Bombenanschlags auf den Bus Nr. 19 (der, wie das Denkmal herausstellt, am ersten Tag der Anhörungen des Internationalen Gerichtshofs zur Frage des Sicherheitszauns statt fand). Auch hier viele Leute, Musik. Gelächter. Und sehr wenig Sicherheitspersonal.
Ein Straßen-Jahrmarkt, auf genau der Straße mit dem Cafe Hillel, Caffit und dem Denkmal für Bus Nr. 19. Musik, Essen, Gelächter. Und keine offensichtlichen Sicherheitskräfte. Wir haben gewonnen. Wir haben definitiv gewonnen. Schlomo hatte recht. Die Dinge sind wirklich, was man so gut nennt.
Ein paar Abende später war Michas Abschlussfeier von der Grundschule. Hinzukommen, wusste ich, würde mörderisch sein. Weil die Siedler geplant hatten die Straßen des Landes zu sperren. „Halte für eine Minute and und denke nach“, war ihr Motto für die Aktion des Abends. In Wirklichkeit hieß das aber: „Halte für eine Stunde an, in der wir den Straßen verlangsamen.“ Die Polizei war in großer Zahl unterwegs, Hubschrauber knatterten am Himmel, Wasserwerfer wurden an kritischen Kreuzungen postiert (und später am Abend eingesetzt). Orange T-Shirts überall und an ein paar wenigen Straßenecken ein paar wenige Kids, die zaghaft auch blaue Bänder verteilten und die repräsentierten, die für die Abkoppelung sind (wobei blau offensichtlich die Farbe unserer Flagge ist und, weniger offensichtlich, die Gegenfarbe zu Orange im Farbkreis). Autos hupten, Menschen brüllten. Die boshaften Bemerkungen im Radio sprühten vor Gift, während wir auf dem Weg nach Gilo waren, wo die Zeremonie statt fand. Sharon wurde verunglimpft. Die Armee drohte das Hotel in Gaza zu stürmen, wo Hardliner Lebensmittel lagerten und sich mit Stacheldraht umgaben. Es wurde gesagt, dass hunderte Soldaten dort zusammengezogen wurden und nur auf ihre Befehle warteten. Kurz gesagt: ein totales und kolossales Schlamassel.
Als im Radio die Führer beider Seiten interviewt wurden, stimmten sie in einer Sache überein. Ein falscher Zug und wir sind am Ende. Sie Rechte sagte, dass diese Abkoppelung nur zu einer erneuerten Intifada im Herbst führen wird, weil wir ihnen gezeigt haben, dass auf uns zu feuern sich auszahlt. Und die Linke sagt, dass, wenn wir nicht abziehen, der Konflikt nie enden wird und sehr schnell die Welt uns zerstückeln wird und wir unter der Last des nie endenden Konflikts zusammenbrechen werden. Völlige Uneinigkeit und beide Seiten sprechen vom Ende des Landes.
Außerhalb der Feier liefen Eltern herum. Mit vielen orangen Bändern an den Aktentaschen und Rucksäcken. Und dann, im Auditorium, führten die Sechstklässler ein Theaterstück auf. „Exodus.“ Über Flüchtlinge, die nirgendwo hin konnten und versuchten ins Land zu kommen. Darüber, warum dieses Land rechtmäßig das ihre ist. Und dass niemand sie draußen halten kann. Eine ziemlich plumpe politische Stellungnahme, offensichtlich. Aber ich sah diesen Kindern zu, erst während des Stücks und dann am Ende der Zeremonie, als ihnen Bibeln als Geschenke des Rathauses übergeben wurden, und ich erkannte, dass sie an etwas glauben. Sie glauben an ihr Recht eine Heimat zu haben. Sie glauben, dass es einen Ort auf dem Planeten gibt, an den sie wirklich gehören. Es ist der Glaube des Grundschulalters, das stimmt, aber er ist auch elementar. Sie nehmen ihr Recht hier zu sein einfach als Frage des Prinzips. An was glaubte ich, als ich so alt war und in einem Vorort von Baltimore lebte? An irgendetwas? Überhaupt an etwas? Schlomo wieder – hier gibt es viel, das trotz allem, gut ist, was man eben gut nennt.
In den folgenden Tagen heizte sich das Bänder-Fieber auf. Die Blauen versuchten mit den Orangen mitzuhalten und banden weiße Bänder zu den blauen um das Offensichtliche klar zu machen. Die Verteiler schwärmten über die Stadt aus, nicht nur an großen Kreuzungen, sondern, so schien es, überall. Ein paar Tage später waren wir im Auto, auf dem Weg aus der Stadt hinaus und hielten an einer roten Ampel. Beide Farben wurden ausgeteilt, die Kids mit den gegnerischen Farben standen direkt bei einander. Ich griff mir eine Kamera aus Elishevas Handtasche und machte ein paar Schnappschüsse. Dann öffneten wir ein Fenster.
„Was, Abba, wirst du wirklich ein Band nehmen?“
“Warum nicht?“
„Welche Farbe?“
„Welche Farbe wollt ihr?“
„Orange“, kam eine Antwort. „Blau“ war die andere.
Ich nahm beide. Das orangene kam alleine. Das blaue kam an ein weißes gebunden. Als wir an unserem Ziel ankamen, band ich alle drei an die Mobilfunk-Antenne in der Ecke der Windschutzscheibe. Elisheva war gekränkt. Und als wir dann nach Hause kamen, sah Tali den Wagen.
„Was ist mit dem Wagen?“
„Was ist damit?“
„Wie kannst du beide Farben dran haben?“
„Wir sind nicht alle einer Meinung. So steht der Wagen für jeden in der Familie.“
„Das ist lächerlich. Unser Auto sie aus, als wäre er ein Umzugswagen in der Schwulenparade.“ (Die Parade hatte mit ihren wilden und verrückten Farben gerade ein paar Tage früher stattgefunden.)
Trotz Talias Einwänden behielt ich alle Bänder an der Antenne. Ein bisschen bizarr, gebe ich zu, aber was soll ich machen. Wir brauchen nur ein Auto und wir sind nicht einer Meinung. Abgesehen davon habe ich zwar meine Meinung, bin aber nicht sicher, dass sie richtig ist. Ich sehe, wo die andere Seite ihre Punkte hat. Und mit jedem Tag, der vergeht und der Tag des Jüngsten Gerichts näher rückt, weiß ich, dass auch sie recht haben könnten. Also denke ich mir es macht nichts, dass ich den einzigen Wagen (oder zumindest einen von sehr wenigen) mit allen drei Farben habe. Mit dem Blicken kann ich leben.
Heute hatte ich ein Treffen zum Mittagessen im Fakultätsclub an der Hebräischen Universität. Dort zu parken ist immer umständlich. Die Person, die dich einlädt, muss dein Nummernschild und andere Informationen zur deiner Identität an die Wachmannschaft geben und dann musst du noch einmal bestätigen, das die Wachleute dich auf der Liste haben. Dann fährst du hin, hältst bei der Wache und betest, dass es funktioniert. Und wenn’s nicht funktioniert, ist es immer unangenehm. Du bist verärgert, dass nach all dem Aufwand dein Name nicht da steht. Wer inzwischen hinter dir in der Einfahrt steht, kann nicht weiter, bis die Sache gelöst ist und hält oft die Hand auf der Hupe. Was nur die Wache ablenkt und alles noch mehr verlangsamt. Damit bist du, wenn du endlich zu deinem Treffen kommst, ein Nervenbündel.
Also ließ ich meine Sekretärin wieder und wieder prüfen, dass ich auf der Liste stand. „Kein Problem“, sagt sie mir. „Ich haben mit ihnen geredet und Sie sind klar.“ Großartig. Also mache ich mich auf zum Skopus-Berg, fahre an die Wache heran, eine junge äthiopische Frau in ihren Zwanzigern. Ich lasse das Seitenfenster rechts herunter und sie fragt mich nach meinem Namen. Ich sage ihn ihr und sie überfliegt die Liste.
„Sie stehen nicht drauf.“
„Ich bin drauf. Wir haben das eben überprüft. Schauen Sie noch mal nach.“
Ein weiterer Blick und: „Sie sind nicht drauf.“
„Großartig, was machen wir jetzt?“
„Rufen Sie die Person an, die Sie einlud, sagen Sie ihr sie soll die Wache anrufen und dann werden wir angerufen.“
„Das wird ewig dauern.“
„So müssen Sie’s machen.“
Nicht gerade erfreut nehme ich meinen Palm heraus um die Handynummer meines Gastgebers herauszusuchen, als die Wächterin auf meine Bänder zeigt.
„Was ist mit all den Farben?“
„Unsere Familie ist sich nicht einig“, erzähle ich ihr. „Und selbst die von uns, die eine Meinung haben, sind nicht vollkommen sicher, dass sie recht haben. Also haben wir beide. Alle drei, scheint mir.“
Sie lachte laut auf. „Ahavti, mamash ahavti“, sagte sie grinsend, was so viel heißt wie: „Ich liebe es. Ich liebe es einfach.“ Dann sah sie mich an und sagte: „Wissen Sie, wenn jeder hier so denken würde, würde dieses Land tatsächlich funktionieren.“ Und deutete mit dem Kopf zum sich jetzt hebenden Tor und sagte: „Parken Sie und einen schönen Tag.“
Ich fuhr an und die Bänder begannen sich in der Brise zu bewegen. Als ich auf einen leeren Platz zu fuhr, überlegte ich. Hier waren wir, eine Immigrantin aus Äthiopien und eine Immigrant aus Los Angeles. Unterhalten uns in einer Sprache, die vor 100 Jahren praktisch niemand sprach. Auf einem Universitätsgelände, den Israel erst vor ein paar Jahrzehnten an die Jordanier verlor und 1967 zurückerobern musste. Und lachen über die Verrücktheit des einzigen Landes, das die Juden haben und die einzige wirkliche Demokratie in diesem Teil der Welt. Die Dinge könnten wirklich viel schlechter stehen.
Was uns zu dem zurück bringt, was Schlomo sagte. Am Vorabend der schmerzlichsten und trennendsten Taten, die das Land je durchzuführen hatte (jedenfalls in Bezug auf die eigenen Bürger), wie geht es uns? Eine schwere Frage. Nervös. Besorgt. Hoffnungsvoll. Kurz gesagt: „Gut. Was man so gut nennt.“
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Übersetzungen aus dem Englischen: H.Eiteneier