|
Lernen vom arabischen Land Nissan Ratzlav-Katz, 15. Juli 2003 |
|
Original: Lessons from Arab Land
Die muslimische und arabisch Presse wie Führungen verurteilen Israel – einen Nachbarstaat im Nahen Osten – regelmäßig wegen Brutalität, Rassismus, Unterdrückung usw. der Araber in Israel. Araber, Muslime und ihre Sympathisanten in der ganzen Welt verurteilen Israel wegen seiner Taktiken zur Bekämpfung des islamistischen und pan-arabischen Terrorismus.
Eine gemeinsame Reaktion von pro-Israel-Denkern auf diese Verurteilungen ist es, diese Vorwürfe zu leugnen und die Freiheiten herauszustellen, die die Araber in Israel haben und die moralische Art, wie Israel seine Kriege führt.
Ich möchte aber für größere Demut seitens der Verteidiger Israels plädieren. Wir sind nicht die exklusiven Vermittler der Moral. Es ist doch klar: Wenn wir von denen um uns herum verurteilt werden, dann sollte es an der Zeit sein, dass wir aufhören zu erklären und anfangen, in aller Bescheidenheit von unseren Nachbarn im Nahen Osten zu lernen.
Wie verhalten sich die Staaten, die Israel lautstark verurteilen, wenn sie in ähnlicher Lage sind wie wir? Vielleicht, wenn Israel dem Verhalten dieser Regime nacheifern, würden wir dann endlich als integraler Bestandteil der Region akzeptiert.
In Algerien z.B. hat es eine Serie von Protesten und Zusammenstößen, die wunderschön als „Störungen“ (sehr ähnlich wie die „Schwierigkeiten“ Nordirlands) zwischen den Sicherheitsorganen der Regierung und eingeborenen Berber-Jugendlichen bezeichnet werden. Die Berber, das nicht arabische Volk in Nordafrika, wurden von den einfallenden arabischen Armeen im späten 7. Jahrhundert geschlagen und unterdrückt; sie wollen nach arabischen Presseberichten demokratische Reformen, mehr Autonomie und die offizielle Anerkennung ihrer Sprache und Kultur.
In einem Online-Forum, das über den arabischen Charakter ihrer Heimatstaaten diskutiert wird, drückten das zwei Berber so aus: „Es ist schade, dass unsere (Berber-) Namen nicht anerkannt werden. Zur Zeit spricht die Welt über Araber (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, ...). Diese Staaten werden [jetzt] von pro-arabischer Kultur beherrscht, aber ich bin sicher, dass sich das Volk immer noch anders fühlt – das Volk fühlt sich als Berber!“ Und: „Arabische Führer versuchen unsere Kultur zu töten. Sie wollen unsere Sprache nicht anerkennen, obwohl die Gemeinschaft der Berber recht groß ist. Es hat Proteste gegeben, aber die Beamten kommen einfach und beenden sie gnadenlos... Die Menschen empfinden nicht arabisch – sie empfinden sich als Berber und niemand kann [ihnen] das weg nehmen.“
Mit einer macchiavellischen Haltung in Bezug auf die nordafrikanischen Afrikaner verfolgt Algerien selbst eine ethnisch-separatistische Bewegung – eine, die eine Terrorgruppe hervor gebracht hat (die Polisario), und zwar in der marokkanischen Sahara. Mitglieder des Volks der Sahrawi, wie diese Eingeborenen genannt werden, verlangen einen unabhängigen sahrawischen Staat zwischen Marrokko und Algerien. Marokko hat sich beständig geweigert, seine territoriale Integrität durch Landabgabe an die Sahrawi zu verletzen oder mit Algerien zu teilen.
In Saudi Arabien führte die „Jagd nach einem Hexenmeister“ nach Berichten der saudischen Presse zum Tod von 40 Menschen in Zusammenstößen mit einer Sekte einer muslimischen Minderheit. Die im April 2000 statt findenden Zusammenstöße ereigneten sich, nachdem ismailische Muslime in Najran, einer südlichen Provinz des Staates, öffentlich die Aschura feierten, den Jahrestag der Ermordung des Imam Hussein im siebten Jahrhundert, einem der meist verehrten schiitischen Imame. Das Königreich antwortete mit der Schließung einer ismailischen Moschee und der Beschlagnahme religiösen Materials. Ein ismailischer Journalist sagte damals gegenüber dem Al-Jazira-Fernsehen: „Wir verteidigten nur unsere Religion, unsere Überzeugung und unsere Ehre.“
Natürlich braucht Israel ein weniger altes Beispiel dafür, wie Saudi Arabien meint, dass der Staat in Beantwortung von Bedrohungen der Sicherheit handeln sollte. Dieses Jahr wird die Bedrohung von den saudischen Behörden als islamistisch identifiziert, nicht ismailistisch. In Mekka tötete die Polizei letztes Jahr fünf vermutliche Al-Qaida-Aufständische, als sie ein Wohnhaus stürmte. Der „Guardian“ beichtete im Januar: „In Sicherheitsterminologie ausgedrückt, beobachten die saudischen Sicherheitskräfte, verhaften und versuchen Gruppen auszumerzen, die Amerikaner angreifen könnten.“
Arabische Staaten, einschließlich dieser „moderaten“ Staaten, die an Israel angrenzen, haben mit der islamistischen Bedrohung in bemerkenswert beständiger und ähnlicher Weise zu kämpfen. Im November 2002 berichtete BBC, dass drei Personen, einer davon ein Polizist, in Zusammenstößen in Maan getötet wurden, als versucht wurde, dort islamistische Aufständische zu verhaften. Zwanzig Personen wurden festgenommen, darunter Araber aus anderen Ländern und weitere Ausländer. Wie Reuters berichtet, schnitten im Vorfeld der Operation jordanische Beamte Telefonleitungen in der Stadt durch und schlossen Regierungsbüros und Schulen.
Die Saudis haben offenbar ein Problem mit zu vielen jemenitischen Einwohnern, die die Behörden ethnisch wie sicherheitstechnisch als Bedrohung ansehen. Was können die Saudis Israel bezüglich der Lösung solch eines Problems beibringen? Die Saudis bevorzugen den Transfer. Jedenfalls für in Saudi Arabien lebende Jemeniten. Nach einem Bericht auf ArabicNews.com haben saudische Behörden tausende Jemeniten festgenommen und verhört und halten sie in „kollektiven Haftanstalten“. Die jemenitische Oppositionszeitung „al-Ummah“ berichtete, dass „die saudischen Behörden 3.600 Jemeniten aus ihrem Gebiet evakuierten...“
Der Jemen selbst ist kein Staat, der viel in israelische Ideen wie Hudna-artige Waffenruhen investiert. Von ihren internen Feinden verlangt der Jemen nur Kapitulation. Der „Yemen Observer“ berichtete letzten Monat: „Nachdem Tage lange Vermittlungsgesprächen mit Militanten von al-Jihad in Abiyan keine Kapitulation sicher stellten, wird angenommen, dass ein Militärschlag unter Führung von jemenitischen Spezialeinheiten die Gruppe auslöschte. Militärkräfte durchkämmen nun die abgelegene Region von Hatat in Abiyan nach übrig gebliebenen Verstecken.“ Der Bericht fährt mit der Beschreibung fort, wie der Jemen in der Vergangenheit „eine Periode des Friedens erlebte“: „Nach der Exekution von Abu Hassan Al-Mehdar, dem Führer der Islamischen Aden-Abiyan-Armee, im Jahr 1999...“
Auf der anderen Seite des Roten Meeres, formulierte der sudanesische Präsident Omar al-Baschir kürzlich einen interessanten Ansatz für Friedensverhandlungen mit den Widerstandskräften im Süden seines Landes. Nach einem Bericht in der sudanesischen Zeitung „al-Anbaa“ sagte al-Baschir, dass er einen „ehrenhaften“ Frieden wünsche, fügte aber hinzu: „Frieden kommt durch die Waffe, wenn er nicht durch Verhandlungen kommt.“ Er übernahm die Sprache des Jihad und sagte, seine Regierung freue sich über alle Mittel, die zum Frieden führen, wird aber „nicht das Blut ihrer Märtyrer verraten“. Es sollte angemerkt werden, dass ein „ehrenhafter“ Friede, nach Formulierung des sudanesischen Führers, einer ist, der „nicht durch Schwäche und Kapitulation erreicht werden kann“. [Anmerkung HE: Die Praxis zeigt, dass dieser Präsident nur „Verhandlungen“ akzeptiert, die über die Kapitulation des Gegners geführt werden – geht es um Verhandlungen, bei denen sich der Gegner als gleichberechtigt betrachtet, ggf. sogar Forderungen stellt, wird wieder geschossen.]
In Ägypten wird, berichtet die Zeitung „al-Hayat“, derzeit hart gegen die örtlichen Zweige der Muslim-Bruderschaft vorgegangen. Der Grund für das neue Vorgehen der ägyptischen Behörden gegen die Bruderschaft? Ein Brief, der vom Führer der Bewegung unterschrieben wwar, „in dem her die Regierungspolitik hart kritisierte“, wie der libanesische Bericht anführt. Die ägyptische Taktik beinhaltet massive Verhaftungen von Mitgliedern der Muslim-Bruderschaft, sehr ähnlich denen vom vergangenen Jahr, als ägyptische Sicherheitskräfte 34 Personen verhaftete, denen man vorwarf sie wollten die verbotene Organisation wieder ins Leben rufen. Zur Verhaftung von zwei Dutzend Aktivisten der Bruderschaft wurden ägyptische Erlasse angeführt, die seit der Ermordung von Anwar Sadat 1981 in Kraft waren. Der Vorwurf lautete: „Planung einer politischen Demonstration.“
Schließlich mag es höchst lehrreich sein zu beobachten, wie die arabischen Regime in Jordanien, Ägypten und Syrien anti-israelische Demonstrationen in ihrem eigenen Herrschaftsbereich handhaben. Im Jahr 2000, beim Beginn des derzeitigen Oslo-Krieges, legten einige arabische Regierungen schwere Beschränkungen auf die Freiheit der Meinungsäußerung und für Versammlungen ihrer Bürger bezüglich der Unterstützung der Palästinensischen Autonomiebehörde fest. Nach dem Bericht von Hanthala, einer arabischen Menschenrechtsgruppe in Israel, griffen die arabischen Länder auf Gewalt zurück, die in einigen Fällen scharfe Schüsse einschloss, um solche Demonstrationen aufzulösen. Viele Demonstranten wurden verhaftet, bedroht, geschlagen und dann entlassen, andere wurden Wochen lang gefangen gehalten.
Weiter zurückliegende Beispiele dafür, wie arabische Staaten mit einheimischen „Aufständen“ umgehen, sind sogar noch aufschlussreicher – und beängstigender, da sie derart erfolgreich sind: Jordanische Sicherheitskräfte töteten 1970 zehntausende von mit der PLO verbundenen Arabern in einigen wenigen Monaten und wiesen den Rest aus; damit beendeten sie die erste „Intifada“ der PLO. Das syrische Militär töteten zwanzigtausend islamistische, gegen die Regierung gerichtete Aufständische in wenigen Tagen und machten aus ihrem Dorf einen Parkplatz. Der Irag beendet eine kurdische „Rebellion“ rasch durch fünftausend Tote innerhalb eines Tages in Halabja; usw.
Kein Wunder, dass die arabischen Staaten und die westliche Presse uns so lautstark verurteilen; wenn Israel ein wirklich nahöstlicher Staat wäre, wäre die „Intifada“ vor langer Zeit beendet worden.
Nissan Ratzlav-Katz ist kommentierender Redakteur bei Israel National News.com und schreibt regelmäßig für National Review Online. Seine Kommentare sind international veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt worden. Er kann über seine Homepage www.nrk-online.com erreicht werden.
Übersetzung aus dem Englischen: H.Eiteneier