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Sollte der Internationale Gerichtshof eine empfehlende Meinung zu Israels Trennzaun abgeben? Jerusalem Issue Brief 3-18, 23. Februar 2004 |
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Original: Should the International Court of Justice Give an Advisory Opinion on Israel’s Separation Fence?
Am 20. November 2003 forderte die UN-Vollversammlung den IGH auf, eine empfehlende Meinung zur Frage zu geben: „Was sind die juristischen Folgen, die aus dem Bau der Mauer entstehen, die von Israel, der Besatzungsmacht, in den Besetzten Palästinensischen Gebieten gebaut wird...“ Israel ist der Meinung, dass das Gericht keine Zuständigkeit hat, sich mit dieser Frage zu befassen. Selbst, wenn es diese Zuständigkeit hätte, sollte das Gericht davon Abstand nehmen sie auszuüben – wie unten erklärt wird.
Der Internationale Gerichtshof
Der IGH ist das wichtigste juristische Organ der UNO. Er wurde 1922, zur Zeit des Völkerbunds, eingerichtet und wurde 1946 erneuert. Der Gerichtshof hat zwei Funktionen:
Hintergrund für den Fall
Am 21. Oktober 2003 verabschiedete die UN-Vollversammlung eine Resolution, die verlangte, dass Israel den Bau des Zauns „stoppt und umkehrt“, der, so die Vollversammlung, „im Widerspruch“ zu internationalem Recht stehe (ein ähnlicher, früherer Vorschlag wurde im Sicherheitsrat durch Veto abgelehnt worden). Da Israel dieser Forderung nicht nachkam, forderte die Vollversammlung den IGH auf eine empfehlende Meinung zur oben zitierten Frage abzugeben. Es sollte angemerkt werden, dass in der Frage von einer „Mauer“ die Rede ist, während die Sperranlage hauptsächlich aus Zaun besteht und nur etwa 5% die Form einer Mauer hat.
In diesem Fall konnten die Palästinenser Israel nicht vor dem Gerichtshof in einem Fall zwischen Staaten verklagen, weil erstens die Palästinenser keinen Staat haben und zweitens Israel der Zuständigkeit des Gerichtshof nicht zugestimmt hat. Um dieses Problem zu umgehen, benutzten die Palästinenser ihren Einfluss in der Vollversammlung, die dann eine empfehlende Meinung forderte.
Die Natur des Zauns
Der Zaun beinhaltet keinerlei Annexion; er wurde aus Sicherheitsgründen errichtet. Das benötigte Land wurde nicht konfisziert, sondern für drei Jahre requiriert. Für dieses Land wird Pacht gezahlt.
Warum sollte der Gerichtshof es ablehnen eine empfehlende Meinung zu geben?
Interessanterweise ist in dreißig der fast fünfzig schriftlichen Stellungnahmen, die dem Gerichtshof zu diesem Fall vorgelegt wurden, die Meinung vertreten worden, dass der Gerichtshof keine Meinung äußern solle. Selbst in einigen Stellungnahmen, die die Legalität des Zauns bezweifeln, geben deren Autoren den Rat, die Nicht-Zuständigkeit des Gerichtshofs zu erklären.
Die Hauptargumente Israels gegen die Zuständigkeit kann wie folgt zusammengefasst werden:
Die Haltung Israels
Israel hat dem IGH eine detailliert geschriebene Stellungnahme vorgelegt, die sich mit der Frage der Zuständigkeit und Angemessenheit der Abgabe einer empfehlenden Meinung befasst. Zum Hintergrund beschreibt die Stellungnahme auch die faktische Lage – die ernsten und furchtbaren Terrorakte, die der Zaun verhindern oder zumindest vermindern soll.
Allerdings hat sich Israel entschieden, nicht an den Anhörungen teilzunehmen, die für den 23. bis 25. Februar vorgesehen sind; dafür gibt es mehrere Gründe:
Anmerkung: * * *
Ruth Lapidoth ist Mitglied im Jerusalem Center for Public Affairs, Prof. emer. für internationales Recht an der Hebräischen Universität in Jerusalem und Professor an der Law School of College of Management. Zu ihren Büchern gehören: The Arab-Israel Conflict and Its Resolution: Selected Documents (1992), The Jerusalem Question and Its Resolution: Selected Documents (1994), Autonomy: Flexible Solutions to Ethnic Conflicts (1997) und The Old City of Jerusalem (2002). Sie ist ebenfalls Autorin von “Legal Aspects of the Palestinian Refugee Question”, Jerusalem Viewpoints Nr. 485 (September 2002). Im Jahr 2000 erhielt sie den Preis „Prominent Woman in International Law Award“ der WILIG-Gruppe der American Society of International Law. Dieser Jerusalem Issue Brief gründet sich auf ihre Präsentation am Institute for Contemporary Affairs in Jerusalem am 2. Februar 2004.
Übersetzung aus dem Englischen mit Erlaubnis des Jerusalem Center for Public Affairs durch H.Eiteneier