Begriffsklärung: Antisemitismus

(Vorbemerkung: Es gibt bei der EU eine "Arbeitsdefinition" zum Antisemitismus, die noch nicht offiziell ist, aber zur Erfassung antisemitischer Akte bereits angewendet wird; deren englischen Text sowie inoffizielle deutsche Übersetzungen sind auf der Homepage des Journalisten Ulrich Sahm nachzulesen; weiter unten steht eine kurze Zusammenfassung.)

Von Seiten vieler PLO-Freunde und Antiisrael-Hetzer wird heute versucht, den Begriff des Antisemitismus umzudeuten. Mit der Behauptung "Die Araber sind auch Semiten, sie können also gar nicht antisemitisch sein" wird versucht, den arabischen und sonstigen Antisemitismus zu relativieren und Antisemitismus und Antizionismus von einander abzugrenzen.
Wie schwachsinnig diese Antisemitismus-Negierung und das weißwaschen des arabischen Antisemitismus ist, kann eigentlich sehr einfach dargestellt werden; man muss nur einmal ein Lexikon aufschlagen:

Bertelsmann Universal-Lexikon in 20 Bänden. Band 1 (A – Aso), Gütersloh, 1990, S. 279-280:

Antisemitismus, Feindschaft gegen die Juden, insbes. Aus sog. Rassischen Gründen. Die 1879 von W. Marr geprägte Bezeichnung ist irreführend, da die Antisemiten nicht die Angehöridgen der semit. Sprachfamilie (Bewohner Nordostafrikas u. Vorderasiens) bekämpfen, sondern allein die Anhänger der jüd. Religion u. Nachkommen von solchen, die die Religion nicht mehr praktizieren. Diese Menschen werden fälschlich als einheitl. Rassengruppe betrachtet, u. die so konstruierte „jüd. Rasse“ wird als minderwertig bezeichnet. Von anderen Formen der Judenfeindschaft, die seit frühchristl. Zeiten anzutreffen sind, unterscheidet sich der Rassen-A. dadurch, dass er die behaupteten negativen Eigenschaften der Juden als unaufhebbar ansieht. Auf den Werken J.A. de Bobineaus, H.S. Chamberlains, R. Wagners fußend, erhielt der A. durch E. Drumont, W. Marr, E. Dühring, Th. Fritsch u.a. publizistisches u. durch antisemit. Organisationen u. Parteien polit. Gewicht.

Im Deutschen Reichstag saßen 1893 erstmals 18 antisemit. Abgeordnete; in Russland kam es seit 1881 zu Pogromen; die Verfolgung des Juden A. Dreyfus erschütterte ab 1894 Frankreich u. hatte weltweites Echo; bes. starke antisemit. Strömungen gab es in Osteuropa. In Deutschland fand der A. im Nationalsozialismus seine konsequenteste Ausprägung. Unter Htilers Einfluss steuerte die NSDAP einen scharf antisemit. Kurs. Nach der Machtergreifung 1933 nahm sie die Verwirklichung ihres judenfeindl. Programms sofort in Angriff. Die Judenverfolgung durch Boykott u. Sondergesetze (u.a. Nürnberger Gesetze) erreichte schließl. Ihren Höhepunkt mit der systemat. Massenvernichtung aller Juden Europas, deren Nationalsozialisten habhaft werden konnten.

Auch nach 1945 lebt der A. fort, allerdings kaum als offen propagierte Ideologie. Meist äußert er sich verdeckt u. indirekt: in der UdSSR u. anderen Ostblockstaaten in Form von Benachteiligungen, in Dtschld. In Form von Vorurteilen u. gelegentl. Schmierereien, in den angelsächs. Ländern durch zeitweilige gesellschaftl. Diskriminierung u.a. Traditionelle antisemit. Stereotype finden sich auch in manchen Äußerungen des sog. Antizionismus, der das Existenzrecht des Staates Israel in Frage stellt.

Aus einer deutschen Tageszeitung (Hessen-Naussauische Allgemeine):

Das aktuelle Stichwort

Antisemitismus

Der Begriff des Antisemitismus wurde 1879 von dem Publizisten und Agitator Wilhelm Marr geprägt, der ihn in seiner Hetzschrift „Der Sieg des Judentums über das Germanentum“ verwendete. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Semitenfeindschaft. Zu den Semiten gehören auch die arabisch sprechenden Völker, der Antisemitismus richtet sich aber ausschließlich gegen Juden.

Der Begriff Semiten bezeichnet die Völkerschaften, deren Sprachen sehr ähnlich sind. Im Altertum bewohnten die Semiten die arabische Halbinsel. Wanderungen brachten sie nach Mesopotamien, Syrien und Palästina, Ägypten, Äthiopien und an die Küsten des westlichen Mittelmeers. Zu den semitischen Sprachen werden Phönizisch, Maltesisch, Hebräisch, Aramäisch, Arabisch, Amharisch und Tigrina gezählt.

Der biblische Namensgeber Sem war ein Sohn des Noah – jenes Noah, der die Sintflut überlebte. Sem gilt als Stammvater der semitischen Völker.

Es sollte also jedem klar sein, dass möllemann'sche Verdrehungen des Begriffs Antisemitismus nicht nur Antisemtismus fördern, sondern auch als antisemitisch eingestuft werden müssen. Der Begriff bezog sich ausdrücklich NUR auf die Juden, wer etwas anderes daraus machen will, muss sich im Klaren sein, dass er dem Antisemitismus frönt!



Bei dieser Definition des Antisemitismus handelt es sich um den so genannten "klassischen Antisemitismus", der sich gegen Juden richtete.
Inzwischen gibt es den Begriff des "neuen Antisemitismus", der darauf abstellt, dass Israel der "Jude unter den Nationen" ist - als Staat so oder ähnlich unter den Staaten diskriminiert wird, wie Juden in Staaten als Einzelpersonen oder Gruppe diskriminiert wurden.
Um diese Formen des Antisemitismus erkennen zu können, hat Natan Sharansky einen "Test" vorgeschlagen, vor allem, um zwischen "neuem Antisemitismus" und echter Kritik am Staat Israel auseinanderzuhalten. Vorher aber eine Einordnung der von der Europäischen Union geschaffenen Beobachtungssstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien (EUMC).


Nach Definition der EUMC ist es antisemitisch:
wenn man dem jüdischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung abspricht, etwa durch die Behauptung, Israel sei ein rassistischer Staat,
wenn man einen doppelten Standard anwendet, indem man an Israel Verhaltensansprüche stellt, die von keiner anderer demokratischen Nation erwartet werden,
wenn man zur Charakterisierung Israels oder der Israelis Symbole und Bilder des klassischen Antisemitismus, wie dem Vorwurf, Juden hätten Jesus getötet oder Blutsbeschuldigung verwendet,
wenn man die heutige Politik Israels mit der Politik der Nazis vergleicht oder gar gleichsetzt,
wenn man Juden kollektiv für das Verhalten des Staates Israel verantwortlich macht.

(Deutlicher kann man nicht darstellen, dass der allgemeine Israel-"Kritiker" a la Möllemann, Hecht"-Galinski", Norman Finkelstein, Ilan Pappe und wie sie alle heißen, nicht nur "Antizionisten" sind, sondern auch Antisemiten.
Weiter mit dem 3D-Test von Natan Sharansky:)


Der 3D-Test auf Antisemitismus:
Dämonisierung, doppelte Standards, Delegitimierung

Vorwort zur JPSR-Ausgabe vom Frühjahr 2005

Original: 3D Test of Anti-Semitism: Demonization, Double Standards, Delegitimization

Als ich Dissident in der ehemaligen Sowjetunion war, war eine meiner regelmäßigen Aktivitäten die Beobachtung des Antisemitismus und das Hinausschmuggeln von Beweisen und Berichten über solche Aktivitäten in den Westen. Ich glaubte damals, dass die freie Welt besonders nach dem Holocaust ein zuverlässiger Verbündeter im Kampf gegen den Antisemitismus sei.

Leider lag ich falsch. Heute, als Minister in der israelischen Regierung verantwortlich für die Beobachtung des Antisemitismus, befinde ich mich laufend in der Situation die Botschafter der westeuropäischen Staaten einzubestellen, um gegen antisemitische Angriffe auf Juden in ihren Ländern und die häufig milden Reaktionen ihrer Regierungen zu protestieren.

Im Verlauf der letzten vier Jahre haben wir das Wiederaufleben antisemitischer Aktivitäten in der demokratischen Welt erlebt. In Europa wurden Synagogen angezündet, Rabbis auf der Straße angepöbelt, jüdische Kinder auf dem Schulweg und in der Schule körperlich angegriffen und jüdische Friedhöfe geschändet.


Den “Neuen Antisemitismus” erkennen

Darüber hinaus stellt der sogenannte „neue Antisemitismus“ eine einzigartige Herausforderung dar. Während sich der klassische Antisemitismus gegen jüdische Menschen oder die jüdische Religion richtet, richtet sich der „neue Antisemitismus“ gegen den jüdischen Staat. Da sich dieser Antisemitismus hinter der Fassade der legitimen Kritik an Israel verstecken kann, ist es wesentlich schwieriger diesen zu entlarven. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser Hass im Namen von Werten voran getrieben wird, die die meisten von uns als unanfechtbar angesehen werden, so z.B. die Menschenrechte.

Und doch müssen wir klar und offen diesen neuen Antisemitismus offen legen.. Ich glaube, dass wir einen kleinen Test durchführen können – ich bezeichne ihn als den „3D-Test“ – der uns hilft legitime Kritik an Israel von Antisemitismus zu unterscheiden.

Das erste „D“ ist der Dämonisierungs-Test. Wenn der jüdische Staat dämonisiert wird, Israels Handeln ohne jedes Maß dargestellt wird, Vergleiche zwischen Israelis und Nazis und palästinensischen Flüchtlingslagern und Auschwitz gezogen werden – dann ist das Antisemitismus, keine legitime Kritik an Israel.

Das zweite “D” ist der Test auf doppelte Standards. Wenn Kritik selektiv auf Israel angewendet wird; wenn allein Israel von der UNO wegen Menschenrechtsverletzungen herausgestellt wird, während das Verhalten bekannter und wichtiger Verletzer wie China, Iran, Kuba und Syrien ignoriert wird; wenn Israels Magen David Adom als einziger der Ambulanzdienste der Welt die Aufnahme ins Internationale Rote Kreuz verweigert wird – dann ist das Antisemitismus.

Das dritte „D“ ist der Delegitimierungs-Test: Wenn Israel das fundamentale Recht auf Existenz in Abrede gestellt wird, als einzigem Volk auf der Welt, dann ist auch das Antisemitismus.


Die Zunahme des arabischen und islamischen Antisemitismus

Ganz besonders beunruhigt mich der konstante und anwachsende Strom der antisemitischen Propaganda aus der arabischen und muslimischen Welt – darunter Propaganda, die ihrer Natur nach sich völkermörderisch gegen Juden wie auch den Staat Israel richtet. Das sollte Grund für große Sorge sein, nicht nur für Israel und die Juden, sondern für Männer und Frauen guten Gewissens überall. Solche Gehässigkeit besudelt den Nahen Osten und das internationale Gesprächsklima und ermöglicht es, dass unverfrorener Judenhass ungestraft geäußert werden kann.

Anfang des Jahres veröffentlichte mein Büro einen 150 Seiten starken Bericht über „Antisemitismus im gegenwärtigen Nahen Osten“. Die Studie gibt einen Überblick über antisemitische Berichterstattungen, Leitartikel oder redaktionelle Karikaturen in der von den Regierungen kontrollierten Presse von Ägypten, den Iran, Jordanien, dem Libanon, der palästinensischen Autonomiebehörde, Syrien, Saudi-Arabien und den Golfstaaten. In mehr als einhundert redaktionellen Karikaturen, die der Bericht beinhaltet, werden Juden und Israelis ausnahmslos als Giftschlangen, mörderische Nazis oder blutrünstige Kreuzfahrer dargestellt.

Wir stellten fest, dass der bösartige Antisemitismus, der ausdrücklich zum massivem Terror gegen und Völkermord an Juden, Zionisten und dem Staat Israel aufruft, mehr und mehr einen Allgemeinplatz im arabischen Nahen Osten einnimmt. Darüber hinaus haben sich die Grenzen zwischen Antisemitismus, Antiamerikanismus und antiwestlicher Haltung nahezu vollständig verwischt. Der überwältigend große Anteil dieser Propaganda wird von den von den Regierungen kontrollierten Medien und angeblich angesehen Verlagen herausgegeben, die mit den arabischen Regierungen eng verknüpft sind.

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Laxheit, mit der Länder reagiert haben oder aber auch nicht reagiert haben und dem anwachsenden arabisch/islamischen Antisemitismus und der dramatischen Zunahme von körperlichen und verbalen Angriffen auf Juden und Israelis weltweit.

Ich erkenne an, dass es im vergangenen Jahr positive Entwicklungen im Kampf gegen den Antisemitismus gegeben hat. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hielt mehrere Tagungen zum Kampf gegen den Antisemitismus ab und zum erstenmal überhaupt verurteilte die UN-Menschenrechtskommission den Antisemitismus in drei unabhängigen Resolutionen die einstimmig angenommen wurden.

Diese wichtigen Initiativen reichen aber noch nicht aus, um den staatlich unterstützten Antisemitismus zu bekämpfen, insbesondere die arabische/islamische Vielfalt, wie sie weiter oben beschrieben ist. Um wirkliche Fortschritte zu machen, muss die freie Welt bereit sein den Antisemitismus nicht nur öffentlich und kraftvoll zu verurteilen, sondern auch eine gemeinsame Politik gegen Staaten verfolgen, die den Antisemitismus unterstützen.


Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Politik

Die Wirksamkeit einer Politik, die auf Gemeinsamkeit basiert, wurde auf beeindruckende Weise gezeigt, als vor etwa einer Generation eine Gruppe von Dissidenten in der Sowyetunion, zu der auch ich gehörte, sich entschied, die Helsinki-Gruppe im Sog der Schlussakte von Helsinki zu gründen – dem Papier, das später zur Gründung der OSZE führten.

Mit Hilfe mutiger Führer aus dem Westen, die ihre Beziehungen zu den Sowjets vom Umgang mit ihrem Volk abhängig machten, half die Helsinki-Gruppe sicherzustellen, dass die Sowjets auf der internationalen Bühne keine Schritt machen konnten, ohne dass ihre Menschenrechtspolitik zum Thema wurde. Das Ergebnis: Es wurden echte Fortschritte erzielt.

Ich denke, dass die Bekämpfung des Antisemitismus eine bedeutendere Rolle in den bilateralen Beziehungen zwischen Amerika und der arabischen und muslimischen Welt spielen sollte als bisher. Nur eine gemeinsame Politik kann dazu beitragen, die Extremisten unbedeutend zu machen und jene zu ermutigen und zu unterstützen, die diesen bösartigen Hass ablehnen.

Antisemitismus ist nicht nur eine Bedrohung für die Juden. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass die Kräfte, die hinter dem Antisemitismus stecken, alle Werte der Freiheit und der Zivilisation gefährden, an welchen wir gerne festhalten, sofern man ihm freien Lauf lässt. Nie mehr wieder kann sich die freie Welt es leisten zuzusehen, wenn sich der Antisemitismus auf bedrohliche Weise auftaucht.

Wir dürfen das nicht zulassen. Wir müssen alles Menschen mögliche unternehmen, um den Antisemitismus zu bekämpfen. Bewaffnet mit moralischer Klarheit, Entschlossenheit und einem gemeinsamen Ziel ist das ein Kampf, den wir gewinnen können und werden.


Natan Sharansky, ehemaliger Häftling Zions, der neun Jahre in sowjetischer Haft verbrachte, war israelischer Minister für Jerusalem und die Diaspora, als er diesen Artikel verfasste. 2003 gründete er das „Weltweite Forum gegen Antisemitismus“, das jüdische Führer mit Organisationen aus allen fünf Kontinenten zur Koordination und Beratung im Kampf gegen den Antisemitismus zusammenbringt. Er war im Kabinett auch schon als Industrie- und Handelsminister, Innenminister, Bauminister und stellvertretender Premierminister tätig. Seine Memoiren „Fürchte nichts Böses“ wurde 1988 in den Vereinigten Staaten veröffentlicht und in neun Sprachen übersetzt. Sein Buch, „The Case für Democracy“ veröffentlichte der Verlag Public Affairs aus New York im Jahre 2004.